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Periodical volume 20. Mai 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

Lieferanten, die sich für vollständig geeignet halten nicht gut verankert gewesen sind. D as ist eine Ver­
und billig sind; aber die D eputationen haben sich nachlässigung, die unter Umständen nicht scharf 
nach meiner Erfahrung noch nie von dem Preise genug gerügt werden kann. j
abhängig gemacht, sondern immer nur von der zu D ann die U nterfpülung! Von den Arbeitern 
erwartenden Güte der Lieferungen. wird gesagt: von Unterspülungen kann dort
keine Rede sein!
Stadtv. G ebert: M eine Herren, ich möchte 1 Wenn der Herr S tad tbaura t noch fragt, welche 
auf die einzelnen Ausführungen des Herrn S ta d t­ Vorschläge wir eventuell machen könnten, dam it 
baurats zurückkommen. Er sagte, daß m it aller für die Zukunft derartige Vorfälle vermieden 
Vorsicht diese Arbeiten von Personen überwacht werden, so hätte ich ihm einen Vorschlag zu machen: 
werden, die angestellt sind, daß sogar ein sehr dickes macht die Arbeit selbst! übergebt das nicht einem 
Geschäftsbuch vorhanden ist usw. Ich  will Ih n e n  Unternehmer, der nur aus dem Gesichtswinkel 
bekannt geben, daß der Schachtmeister, der an dieser heraus, zu verdienen, diese Arbeit leistet! Machen 
Grube beschäftigt war, zur Zeit des Unfalles erst wir diese Arbeiten selbst, lassen wir jegliches Akkord­
seit drei Tagen dort war, daß die beiden Schwer­ system dort bei Seite, führen wir Lohn ein und 
verletzten, Grielski und Mischlinski, bis dato bei lassen wir diese Arbeit m it der äußersten Vor­
der F irm a Kutzner auf Hochbau gearbeitet hatten sicht machen, dann, bin ich der festen Überzeugung, 
und seit drei Tagen erst in diesem Tiefbau be­ werden derartige Unfälle wohl vermieden werden 
schäftigt waren. können. Natürlich, N aturgew alt ist etwas anderes; 
Nun ist es aber eigentümlich — und das scheint aber wenn wir dann genügend Beaufsichtigende 
m ir denn doch wohl nicht m it der, sagen wir m al: haben, die beurteilen können: hier kann nicht ge­
außerordentlichen Achtsamkeit beachtet worden zu arbeitet werden, das und das ist eingetreten, — 
sein —, daß gerade an dieser S telle nicht genügend dann, bin ich der festen Überzeugung, passieren 
abgesteift worden ist, resp. hätte doch dafür gesorgt derartige Unfälle nicht mehr.
werden müssen, wenn diese Leute unerfahren 
waren, daß der Überwachende dann sagte: „Geht da Stadtv. Zietsch: Ich  will mich ganz kurz fassen. 
nicht hinauf auf diese Absteifung, auf diese S treben, Ich möchte nur auf die Bemerkung etwas erwidern, 
sondern w artet so lange, bis sie festgelegt worden die Herr Kollege Gredy gemacht hat, der ja jetzt leider 
sind!" Denn der Herr S tad tbaura t sagte ja, man nicht anwesend ist. Ich  weiß selbst und nehme es 
hätte in den S treben der Absteifung gewissermaßen gar nicht an, daß in den D eputationen durchweg das 
Etagen aufgebaut, um  den herausbeförderten Sand Best eben besteht, nur jenen Subm ittenten den Zu­
weiter aufw ärts zu bringen. D araus ist doch ersicht­ schlag zu erteilen, die das niedrigste Angebot machen. 
lich, daß nicht m it der nötigen Sorgfalt darauf Aber ich weiß auch, daß verschiedene Deputationen, 
geachtet worden ist, nicht die nötige Vorsicht an­ denen ich leider erst kurze Zeit angehöre, auch nicht 
gewandt ist. gern über das dritt- oder viertniedrigste Angebot 
Die Unterwaschungen des ungeheuren Regens hinausgehen, daß m an bestrebt ist, m it den wirklichen 
sollen Schuld tragen. W enn es einmal feststehende Beträgen gern unter dem für den F all veranschlagten 
Tatsache ist, daß es ungeheuer geregnet hat, so Kostenansatz zurückzubleiben. Ich  nenne nur die 
hätte der betreffende Schachtmeister oder B au­ Hochbaudeputation. Wir hatten dort jüngst auch 
beaufsichtigende sagen müssen: „Bevor I h r  nach einen Fall erörtert, der wahrscheinlich die Folge des 
dem großen Regen anfangt zu buddeln, müssen Bem ühens der Hochbaudeputation gewesen ist, den 
wir nachsehen, ob die Verschalungen gut erhalten niedrigeren Angeboten den Zuschlag zu erteilen.
sind, ob sich nicht etwas dabei bemerkbar macht, Ich komme nun auf eine andere Sache zurück, 
sodaß vielleicht die Arbeit nicht in Angriff genom­ und das ist der Punkt, den der Herr S ta d tra t mit 
men werden kann." angeführt hat, der das Ünglück darauf zurückzuführen 
Und wohl trifft das zu: wer einmal im Akkord versuchte, daß er meinte, der eigentliche Anlaß zu 
gearbeitet hat, wer das weiß, wie er von einem, dem Unglück sei der gewesen, daß ein neben diesem 
zwei, drei, vier B eauftragten angetrieben wird Baustollen liegender anderer Teil des Erdbodens 
und dieser Antrieb von oben, von der Geschäfts­ eine zu lose Beschüttung trug, der Boden sei noch 
leitung, herunter kommt, nur sehr schnell die Ar­ nicht fest genug gewesen, um  bei einem genügenden 
beiten fertigzustellen, der weiß auch, wie oftmals Regenwetter der Verbohlung von der einen Seite 
vergessen wird, eine Knagge festzuschlagen, oftmals standzuhalten; das soll ein alter Schacht gewesen sein, 
vergessen wird, anstatt einer Bohle zwei Bohlen da wäre ein Rohr gelegt gewesen, und der Boden war 
hinaufzulegen. D as kommt bei Akkordarbeiten noch nicht wieder fest genug, Ich  weiß nicht, inwie­
vor. Ich  habe auf diesem Gebiete schon selbst fern jenem Bauunternehm er noch eine Schuld zu­
gearbeitet, und da kann m an m ir kein X für ein geschoben werden kann, der jene Arbeit früher ver­
U machen; das weiß ich, wie das geht: da wird richtet hat, insoweit, daß er die Erde nicht genügend 
vom Meister angetrieben, der Meister wird von oben einstampfen ließ, sodaß sie nun nachgeben konnte. 
angetrieben, damit nur sehr schnell die Arbeit ge­ D arauf wird das Gericht noch eingehen müssen.
leistet wird und der Verdienst der Geschäftsinhaber E sistja richtig: m an kann jetzt nicht ohne weiteres 
größer wird. D as ist logisch; das spielt sich tag­ die Akkordarbeit abschaffenund auf einmal Lohnarbeit 
täglich ab. einführen. D as aber steht doch nun einmal fest, und 
Und hier scheint m an doch nicht mit der nötigen vom Gegenteil haben mich auch die Ausführungen 
Sorgfalt gearbeitet zu haben. S ie sehen ja : diese des Herrn S tad tbau ra ts  nicht überzeugen können, 
beiden Leute haben auf Hochbau gearbeitet, haben daß die Akkordarbeit tatsächlich weitgreifende Schä­
Baugruben noch nicht gekannt, und der sogenannte digungen m it sich bringt. N un ist ja sonderbarerweise 
Beaufsichtigende hat diesen Leuten noch nicht ein­ wieder einmal der Fall so, daß in letzter Linie bei 
m al gesagt: „S ie  dürfen dort Etagen nicht er­ dem Unfall schließlich die Arbeiter selbst schuld sein 
bauen!" Fest steht nach den Aussagen der Be­ sollen, und zwar folgert m an nun diese Schul!) daraus, 
teiligten, daß die in Frage kommenden S treben daß die Arbeiter auf die Pritsche getreten sein sollen,
        
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