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Periodical volume 20. Mai 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

in S p a n d a u  gegen die S ta d t  C harlo ttenburg ge­ betreffend G as- resp. W asserrohr m it d a ran  schuld 
fallen sind, erw idern  sollen, sondern daß w ir danach gewesen sei. Auf G rund persönlicher Nachforschun­
streben sollen, auch bei dieser G elegenheit ein den gen stelle ich aber fest, daß das R ohr gar keinen E in ­
harm onierenden In teressen  entsprechendes gu tes fluß auf diesen Unfall ausüben  konnte, da es speziell 
V erhältn is m it S p a n d a u  herbeizuführen. Ich  an  dieser Unfallstelle vollständig frei lag. E s kom m t 
glaube aber andererseits, daß w ir doch prüfen  aber hinzu, und ich glaube wohl, daß das die wesent­
müssen, ob die H erbeiführung eines solchen V er­ lichste Ursache des Unglücks gewesen sein w ird, daß 
hältnisses im  vorliegenden Falle  keine allzugroßen die ganze in F rag e  kommende Ausschachtungsarbeit 
O pfer erfordert. M it Rücksicht, wie gesagt, auf den in Akkord vergeben w orden ist. Ich  habe seinerzeit 
U m fang, auf die Schwierigkeit und auf die B edeu­ hier in  diesem S a a le  gesagt: Akkord ist M ord. D ies­
tung  der Angelegenheit stelle ich den A ntrag , die m al haben S ie  es in  der P rax is  gesehen: durch die 
Sache einer Kommission von 15 M itgliedern  zu Akkordarbeit ist ein Menschenleben vernichtet w orden. 
überweisen. Ich  werde Ih n e n  das beweisen.
E s ist fü r das Absteifen pro M an n  und Bohle 
tD ie B era tung  wird geschlossen. D ie V er­ 5 P fg . gezahlt w orden, oder vielmehr pro Bohle 
sam m lung beschließt die Einsetzung eines Ausschusses 15 P fg . An der Bohle arbeiten 3 M an n , das macht 
von 15 M itgliedern  und w ählt zu M itgliedern  also pro M an n  5 P fg . D er durchschnittliche Wochen­
des Ausschusses die S tad tv . Bartsch, Dunck, verdienst dieser L eute beträg t 30 bis 36 M t., ein 
D r F la ta u , De Frentzel, F reu n d , G ebert, G redy, Zeichen, daß der Akkordlohn nicht so besonders hoch 
Holz, M eyer, M otte t, Nickel, Rackwitz, Schm idt, ist. D ie Ausschachtungsarbeiten w erden nach 
W agner und Zietsch.) Kubikmetern vergeben, das heißt, die A rbeiter, 
welche den S a n d  au s der G rube herausholen , be­
Borsteher-Stellv. Dr. Hubatsch: W ir kommen kommen kubikmeterweise bezahlt. D ie B ezahlung 
n un  zur Erledigung der beiden A nfragen, zunächst geschieht folgenderm aßen: 3 m  tief 1 cbm  S a n d  
der 40 P fg .;  der Satz steigt dann  von 3 bis 4 m  T iefe 
auf 60 P fg . und von da a b .fü r  jedes M eter tiefer 
A nfrage der S tad tv . Zietsch und Gen. um  5 P fg . Ich  will hierbei betonen, daß diese B e­
betr. den U nfall bei den K analisationsarbeiten  zahlung eine geringe ist; sie m ußte eine geringe sein, 
in der A kazienallee. da die F irm a  Kutzner, welche den Zuschlag erhalten 
D ie A nfrage lau te t: hatte , an  der zweiten oder d ritten  S te lle  der An­
S in d  dem M agistrat die Ursachen des am  gebote stand. E s ist von jeher ein F ehler gewesen, 
8. M a i bei den K analisationsarbeiten  in der und er wird es bleiben, w enn bei Subm issions­
Akazienallee passierten Unfalls bekannt ge­ arbeiten  im m er der niedrigste Satz genom m en 
w orden? wird. D as  wird im m er zum Schaden der S ta d t  
Welche M aßregeln  gedenkt die städtische auslaufen .
T iefbauverw altung  zu treffen, um  künftig W ar es denn nun  nicht möglich, bessere Sicher­
derartigen Unglücksfällen bei städtischen T ief­ heitsvorschriften zu schaffen? D a  müssen w ir aller­
bauten  vorzubeugen? dings sagen, daß die Aufsicht über die in  Rede 
stehenden A rbeiten nicht besonders gut gewesen zu 
Fragesteller S tad tv . Gebert: M eine H erren, sein scheint. Ic h  habe m it verschiedenen Schacht- 
daß w ir die F rag e  gestellt haben, entspringt dem M eistern über diesen Unfall an  O rt und S te lle  ge­
seinerzeit von u n s schon vertre tenen  S tand tpunk t. sprochen; sie w ußten selber nicht, w oran  es lag. 
W ir stehen aus dem S tandpunk t, daß die S ta d t  für M an  sagte, der ungeheure R egen hätte  den S a n d  
alle derartige Vorkommnisse, wie einer sich in der un terspü lt usw. D as  trifft aber g a r nicht zu. E s 
Akazienallee zugetragen hat, die V eran tw ortung  lag lediglich an  der Hetzjagd, m it der gearbeitet w er­
trag en  m uß. G erade in  diesem F alle , wo das den m ußte. Bedenken S ie :  3 M an n  pro  B ohle 
Unglück M enschenleben gefordert hat, ist es nach 15 P f g . ! Um dabei einen W ochenlohn von 30 oder 
unserem  D afü rh a lten  Aufgabe der S ta d t, festzu­ 36 M t. herauszuholen, da heißt es arbeiten , jagen, 
stellen, durch welche Ursachen ein derartiges Unglück dam it viele Strecken abgesteift w erden. Ic h  bin 
geschehen ist. E s wird auch notw endig sein, w enn der Ansicht, daß die S ta d t  C harlo ttenburg  fü r die 
m an  an  den M agistrat die A nfrage richtet, daß er uns Zukunft u n te r allen Um ständen darauf zu achten 
eine B eruhigung darüber geben kann, ob hier oder hat, daß dem  billigen A ngebot nicht im m er gleich 
dort F eh le r vorgekommen sind usw. E s ist noch sehr Rechnung getragen w ird. Ic h  habe auch in  der 
fraglich, ob der eine der Verletzten m it dem Leben K analisationsdeputation darauf hingewiesen, habe 
davonkom m en w ird. Ich  hatte  heute Gelegenheit, auch vor gar nicht langerZ eit hier in  der V ersam m ­
ihn zu besuchen, und m uß konstatieren, daß er noch lung darauf aufmerksam gemacht, daß der S tu n d e n ­
schwer darniederliegt, w ährend der andere Verletzte lohn beispielsweise bei diesen F irm en  äußerst gering 
sich anscheinend wieder auf dem Wege der Besserung ist; 35 P fg . wird dort pro  S tu n d e  gezahlt. —  H err 
befindet. S ta d tb a u ra t Bredtschneider schüttelt m it dem  Kopf. 
D ie Ursachen des Unglücks sind u n s so ge­ E s ist aber so, ich habe die A rbeiter selbst gefragt. 
schildert w orden, daß w ir annehm en müssen, daß Die w erden nicht in ihre Tasche h inein lügen . D av o r 
hier wohl nicht m it der nötigen Vorsicht gearbeitet können S ie  sicher sein. 35 P fg . S tu n d en lo h n  ist 
w orden ist. E s w urde uns von den beteiligten zu gering bei den heutigen V erhältnissen. D am it 
A rbeitern  m itgeteilt, daß gerade an  dieser S telle , kann der A rbeiter nicht auskom m en. D ie F irm a  
wo sich das Unglück zugetragen hat, die in F rage versucht ja  u n te r allen Um ständen auch zu ihrem  
kom menden Absteifungsseiten nicht durch eine soge­ Gelde zu kom m en; darum  vergibt sie in  den m eisten 
n ann te  Knagge festgelegt w orden sind. Dadurch F ä llen  die A rbeit in  Akkord. S ie  sehen w ieder: 
soll ein Verrutschen des S a n d e s  stattgefunden haben, Akkord ist M ord. E in  M enschenleben m ußte bleiben. 
und die B ohlen sollen durchgebrochen sein. I n  der Ich  bin der M ein u n g : in Zukunft m uß diesen 
Z eitung  w urde öffentlich bekannt gegeben, daß das D ingen m ehr Aufmerksamkeit geschenkt w erden.
        
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