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Periodical volume 20. Mai 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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also aus ästhetischen Rücksichten resp. für einen — Nachher!
schönen Bau und nicht für technisch notwendige (Stadtv. Dr Landsberger: Nein, ich w ill jetzt 
Dinge so erheblich mehr bezahlt werden würde. meine Abstimmung motivieren!)
Nun haben wir aber doch von Herrn Direktor — Das ist aber ganz ungewöhnlich. Sie haben die 
Kümmel eben gehört: die Mehrkosten werden durch Berechtigung, das nachher zu Protokoll zu geben. 
die Fundamentkonstruktion bedingt, durch die Mauer­ Das dürfen Sie. Aber während der Abstimmung 
konstruktion, welche das zweite große Bassin er­ noch sprechen, das ist nicht gestattet. Unsere Ge­
fordert. Wollen wir also ein zweites großes Bassin, schäftsordnung kennt so etwas nicht.
dann müssen wir uns auch mit den Mehrkosten ein­
verstanden erklären. Das ist doch sehr einfach. Nun Stadtv. Dr. Landsberger (zur Geschäftsord­
kommen unsere Sachverständigen und sagen: dieses nung ): Ich kann mich da mit dem Herrn Vor­
zweite große Bassin brauchen wir unter allen Um­ sitzenden nicht ganz einverstanden erklären. Moti­
ständen. Wir kommen doch also um diese höhere vierungen der Abstimmung kommen in parlamen­
Summe nicht herum. Es kann gar nicht davon die tarischen Versammlungen häufig vor. Sie haben 
Rede sein, daß wir einen Turm hier mit 300 000 M nicht bloß den Zweck, die Meinung des Betreffenden 
bezahlen, den wir mit der gleich zweckmäßigen Ver­ festzustellen — das könnte in Form einer proto­
wendungsmöglichkeit für 150 000 M  haben können. kollarischen Feststellung geschehen —, sondern sie 
Bei den ersten Ausführungen des Herrn Stadtv. können auch dazu führen, daß durch die Motivierung, 
Becker hat mich diese große Differenz der beiden die gegeben wird, die anderen Abstimmenden sich 
Zahlen auch sehr frappiert. Aber der Turm in beeinflussen lassen.
Eichkamp ist eben ein ganz anderer, kann auch 
nur etwas ganz anderes, nämlich Beschränkteres (Heiterkeit.)
leisten als das, was wir nach Aussage der Sach­ Deswegen scheint mir eine solche Motivierung be­
verständigen, auf die wir uns doch wohl verlassen rechtigt.
müssen, brauchen. Dazu brauchen wir dieses zweite 
große Bassin, und dieses bedingt eine ganz andere Stadtv.Dr.Borchardt (zur Geschäftsordnung): 
Konstruktion, eine ganz andere Anlage, die sich für Meine Herren, eine Motivierung vor der Abstim­
150 000 M, unter keinen Umständen schaffen läßt. mung steht jedem dann frei, wenn er in der Dis­
kussion das Wort ergreift.
(Die Beratung wird geschlossen.) (Sehr richtig!)
Wenn aber die Diskussion geschlossen ist, dann 
Berichterstatter Stadtv. Wagner (Schluß­ können zwar persönliche Bemerkungen erfolgen, 
wort): Meine Herren, ich möchte auf die architek­ die aber keine Motivierung der Abstimmung zu 
tonische Ausgestaltung zurückkommen. Die Ge­ geben gestatten. Dann muß eben die Abstimmung 
schmäcker sind ja verschieden. Ich muß sagen, ich erfolgen, und es kann nach der Abstimmung zur 
finde den Turm, wie er projektiert ist, sehr hübsch, Geschäftsordnung jeder noch über seine Abstimmung 
und ich finde die anderen Türme in der Form, wie eine Erklärung zu Protokoll geben. Eine Moti­
sie sich überall auf den Eisenbahnstationen vor­ vierung vorher wäre jedenfalls wieder ein Ein­
finden, nicht schön. Es fällt mir dafür kein anderes treten in die sachliche Diskussion, die wir eben schon 
Wort ein: ich habe immer den Eindruck eines Tauben­ geschlossen haben.
schlags; ich finde diese Form mit der Einschnürung (Sehr richtig!)
nicht schön. Wenn man aber die zylindrische Form 
beibehält, so ergibt sich der Gedanke ganz von Borsteher-Stellv. Dr. Hubatsch: Es ist so, wie
selbst, daß man unten auch noch einen Wasser­ ich vorhin gesagt habe: während der Abstimmung 
behälter hineinsetzt. Wenn ich mir das Bauwerk geht das nicht. I n  § 23 unserer Geschäftsordnung 
überschlage, so kann ich eigentlich nicht sagen, daß heißt es:
die Mehrkosten so sehr viel bedeutender sein werden, 
ob ich den Durchmesser etwas vergrößere oder ver­ Bei allen Abstimmungen hat jedes einzelne 
kleinere. Das kann nicht so furchtbar viel ausmachen, Mitglied das Recht, seine abweichende Ab­stimmung kurz begründet schriftlich dem Vor­
wie augenblicklich hier angenommen wird, und ich 
glaube, es wird sich auch in der Praxis anders steher zu übergeben und deren Aufnahme in 
herausstellen. das Protokoll ohne vorherige Verlesung in 
Ich möchte die Herren gleichfalls bitten, die der Versammlung zu verlangen.
Vorlage anzunehmen. Weiter steht nichts in der Geschäftsordnung über die Motivierung und Begründung von abweichenden 
Borsteher-Stellv. Dr. Hubatsch: Der Antrag, Abstimmungen.
die Vorlage an den Ausschuß zurückzuverweisen, 
ist zurückgezogen worden, ebenfalls der Antrag auf Stadtv. Dr.Stadthagen (zur Geschäftsordnung): 
namentliche Abstimmung. Ich möchte bemerken, daß ich es bedauern würde, 
Wir kommen nunmehr zur Abstimmung über wenn der Herr Vorsteher öfter während der Ab­
die Vorlage des Magistrats. Der Berichterstatter stimmung unterbrochen würde. Ich glaube, er 
empfiehlt namens des Ausschusses die Annahme der hätte ebensowenig Herrn Kollegen Dr Landsberger 
Vorlage. reden zu lassen brauchen
(Stadtv. Dr Landsberger: Ich bitte ums (Zuruf: Dürfen!)
Wort zur persönlichen Bemerkung!) — oder reden lassen dürfen, da wir bereits in der 
— Wir sind in der Abstimmung. Abstimmung waren, wie Herrn Kollegen Dr Bor- chard und -------
(Stadtv. Dr Landsberger: Ich möchte bloß meine (Zuruf: Und Sie!)
Abstimmung motivieren in Form einer persönlichen — und mich!
Bemerkung, zu der ich das Wort erbitte!) (Große Heiterkeit und Bravo!)
        
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