Path:
Periodical volume 20. Mai 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

293 -------
Zuerst habe ich darauf aufmerksam zu machen, m ir in der Unterhaltung m it sachverständigen 
daß bei der Äommissionssitzung wiederholt darauf Wasserfachmännern gesagt worden: Berlin be­
hingewiesen wurde, es wäre die höchste Zeit, findet sich hier in einer außerordentlich günstigen 
daß die Anlage gebaut würde, sonst käme m an in Lage. D as Wassernetz von Berlin ist so groß, und 
Verlegenheit, weil auf Neuweftend jetzt m it den weil der Zapfstellen so außerordentlich viele sind, 
Hochbauten begonnen werden sollte und m an kein gleicht sich der ganze Bedarf innerhalb von S tunden  
Wasser für die oberen Stockwerke zubringen könnte. so ziemlich aus; an einzelnen Tagesstunden wird 
Es müßte die Vorlage durchgepeitscht und heute mehr verbraucht, in den Nachtstunden weniger. 
zur Entscheidung gebracht werden. M eine Herren, Es ist aber möglich, so viel Pum pen von den neun 
ich habe weiter gesehen, daß m an aus Anlaß der Pum pen, die dort vorhanden sind, einzustellen, 
Dringlichkeit der Ausführungen bereits eine S u b ­ daß genau das Wasser hineingebracht werden kann, 
mission ausgeschrieben, um  die inneren Teile, das in jedem Augenblick gebraucht wird. D araus 
Wasserbecken usw., zu vergeben. Ich  hoffe, daß folgt: wenn m an Pum pen hat, die imstande sind, 
die Zuschlagserteilung noch ausgesetzt worden ist. dem Verbrauche des Wassers zu folgen, dann 
Wir dürfen wohl beanspruchen, daß eine Vorlage, braucht m an überhaupt keinen Wasserturm. W enn 
die einen B etrag von 370000 M beansprucht, uns m an sagt: bei dem großen Netz ist das viel leichter 
so rechtzeitig gemacht wird, daß wir darüber zu erreichen als bei dem kleinen Netz, — so gebe 
sprechen und sie ruhig in Überlegung nehmen ich das ohne weitres zu. Ob es aber notwendig 
können. ist, für ein kleines Netz, wie es in Westend geplant 
Ich  habe noch nicht einmal Zeit gehabt, mich ist, einen T urm  zu bauen wie den hier vor­
m it meinen Fraktionsgenossen darüber zu ver­ geschlagenen, m it 500 cbm Beckeninhalt, das 
ständigen, wie wir uns dem T urm  gegenüber scheint m ir doch fraglich. Ich  bin weiter zu der 
stellen wollen. Der Magistrat kommt m it einer M einung gekommen, daß, wenn m an ein übriges 
Vorlage: friß Vogel oder stirb! — , und wenn der tun will bei einer Neuanlage, m an ein Wasserbecken 
Vogel nicht fressen will, dann hat hier die S tad t von vielleicht 150 bis 200 cbm aufstellen könnte. 
die Nachteile davon. D as würde dem Bedarf genügen, vorausgesetzt: 
M eine Herren, ich komme zur Sache selbst. die Pum penanlage kann dem Bedarfs folgen. 
Ich  habe an der Vorlage vor allen Dingen aus­ D a unsere Pum pen, wie vorgeschlagen worden ist, 
zusetzen, daß sie m it einem ungeheuren Aufwands elektrisch betrieben und automatisch aus- und ein­
von Geldmitteln etw as erreichen will, was meiner geschaltet werden sollen, also in jedem Augenblick 
Ansicht nach sehr viel billiger zu erreichen ist. die nötige Leistungsfähigkeit erhalten können, so 
D er Kern der Vorlage ist der, daß das Wasser- halte ich die Ansicht aufrecht: wir können hier m it 
leitungsnetz auf Westend, das jetzt einen Druck von einem Hochbehälter von vielleicht 150 bis 200 cbm 
22 m Wassersäule hat, einen Druck von 34 m  Wasser­ auskommen.
säule bekommen muß, damit bei den Hoch­ ' M eine Herren, ich will bei dieser Gelegenheit 
neubauten, die an der Bismarckstraße, an den breiten gerne bemerken: in der Vorlage ist auf Westend 
S traßen  in Neuwestend entstehen werden, bis in sehr viel Rücksicht genommen worden. M an hat 
die höchsten Etagen hinein das Wasser gebracht elektrische Pum pen vorgeschlagen, um  uns nicht 
wird. M it dieser Anforderung, daß das Wasser m it einer D am pfanlage zu belästigen. Es wird 
hinauf kommt, bin ich durchaus einverstanden, auch wahrscheinlich vorteilhafter sein. M an hat 
die halte ich für ganz richtig. Aber um  diese 14 m einen sehr eleganten T urm  projektiert. Wir 
Drucksteigerung zu erzielen für das P la teau ­ Westender können von diesem Standpunkt aus 
leitungsnetz, sollen wir einen Aufwand — wenn ich anerkennen, daß uns in der Vorlage ein großes 
70 000 M für die verschiedenen Werkstätten, die Wohlwollen entgegengebracht wird. Um aber auf 
zu errichten sind, abrechne — von etwa 300 000 M den Kostenpunkt zu kommen: in Westend steht 
m achen! noch ein alter T urm  von dem früheren Quistorpschen 
Ich  bin zu meinem Widerspruch gegen die Wasserwerk vom Teufelssee. D er T urm  hat 
Vorlage dadurch gekommen — und da muß ich eine Höhe von etwa 25 m und hat früher als 
einiges, was der Herr Vorredner nicht ganz korrekt Wasserturm für die Westender Wasseranlage ge­
aufgefaßt hat, berichtigen — , daß m ir bekannt war, dient. D a habe ich die Frage aufgeworfen: könnte 
das Berliner Wasserwerk auf Westend, das den der T urm  nicht dienen, um  unter entsprechender 
Tag 85- bis 95 000 cbm Wasser zur S tad t schickt, Erhöhung von vielleicht 10 m ein Wasserbecken 
habe überhaupt keinen Wasserturm. D as Berliner von etwa 200 cbm zu trag en ? Ich bin nicht 
Wasserwerk hat als Gegendruck-Anlage gegen die Bauverständiger und muß mich natürlich darauf 
Pum pen ein einfaches Steigerohr von etwa 1 m beziehen, was die Bautechniker dort feststellen. 
Durchmesser und 40 m Höhe. I n  diesem Steige­ Die Untersuchung des T urm es hat durch einen 
rohr steigt das Wasser bei dem Arbeiten der Pum pen Vertreter unseres B auam ts stattgefunden und er­
hoch, und der Gang der Pum pen wird so reguliert, geben: der T urm  ist im M auerwerk vollständig 
daß der Wasserspiegel auf etwa 11 bis 12 m bleibt. gesund und ist kräftig genug, um  ein Wasserbecken 
Die Pum pen auf Westend und ebenso die damit von dieser Größe im vertikalen Druck zu tragen; 
in Konkurrenz arbeitenden in Lichtenberg sind aber bei der Höhe von 34 m ist nach dem Urteil 
so modulationsfähig, daß sie in jeder M inute genau des Baubeam ten die Gefahr vorhanden, daß der 
soviel Wasser in die Leitung hineinpressen, als in seitliche Winddruck die Geschichte umkippt. D as 
der Leitung verbraucht wird. Wenn in Berlin darf natürlich nicht sein, und an diesem Eckstein 
Großfeuer ausbricht, und es wird plötzlich durch die strauchelte mein Vorschlag der Benutzung des 
Dampfspritzen sehr viel Wasser verlangt, so be­ kleinen T urm s. Die Verantwortlichkeit für sein 
kommt Westend eine Depesche aus Berlin und Gutachten muß ich dem B aubeam ten überlassen.
steigert nun den Druck von 11 m bis auf 23 m, D ann stellte ich die F rage: was würde denn 
gibt also einen stärkeren Druck und fördert dadurch ein T urm  kosten, wenn wir so einen kleinen T urm  
wieder mehr Wasser zur S tad t hinein. Nun ist bauten, speziell zu dem Zweck, konisch gebaut,
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.