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Periodical volume 6. Mai 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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er feine Ziele eingehend auseinandersetzt ich Ich  verstehe es gar nicht, wie der S ta a t  sich in dieser 
glaube, es wird nicht nötig fein, hier den A ntrag  im  F rage  immer so passiv verhalten konnte, luie es 
einzelnen zu verlesen, er ha t  ja ausgelegen — , aber möglich war, daß er Terra ins ,  die i n d e r n ü ch - 
ganz besonders folgende Wünsche äußert: st e n N ä h e  d e r  G r o ß s t ä d t e  lagen, ver­
Wir bitten die S tadtverordnetenversam m lung, kaufte, u m  an anderen S te llen  ja allerdings auch 
uns  durch eine angemessene bare Unterstützung wichtige Kulturaufgaben zu erfüllen, für die aber 
und durch Überweisung von O rtsa rm enarbeit  das Abgeordnetenhaus sowohl wie auch das Herren­
■ in  einer angemessen erscheinenden Hohe in haus, wie konstatiert worden ist, ihm wohl auch 
den S ta n d  zu setzen, unser Ziel im Westen sonst Geld zur V erfügung gestellt haben würde. 
tatkräftiger betreiben zu können. D er Herr Minister hat nachher allerdings auf Grund  
Ich  mochte zunächst noch erläuternd bemerken, der weiteren Erklärungen von mehreren S e i te n  
daß die Gemeinde Oberschöneweide diese ge­ seine Erklärung e tw as abzuschwächen versucht: sie 
wünschte O rtsa rm enarbeit  bereits geleistet hat, lautet aber nachher auch nicht viel anders, n äm ­
und daß die in der Nähe dieser Kom m une gelegenen lich:
W älder infolgedessen auch gut in S ta n d  gehalten Die S taa ts reg ie ru n g  kann sich allerdings 
werden können. Ich  möchte aber diesen Borschlag nicht auf den S tandpunk t stellen, daß der 
des Waldschutzvereins noch e tw as erweitern, indem S ta a t  die Verpflichtung hat, den S täd ten  
ich darauf hinweise, daß wir ja gerade, vielleicht Erholungsstätten zu erhalten, daß wir aber 
abgesehen von der O rtsarm enarbeit ,  auch in der in der P rax is  stets so gehandelt haben, daß 
Lage sein werden, für die A r b e i t s l o s e n  hier wir im m er —  ich will sagen — die goldene 
eine S te lle  zu finden, wo wir diejenigen un ter  Mittelstraße gegangen sind.
' ihnen beschäftigen können, für die die Steinklopf- J a , meine H e r r e n , die goldene Mittelstraße zu 
orbeit zu schwer ist. M eine Herren, das ist ja n u r  gehen, ist sehr schön: aber wo die goldene M itte l­
ein Vorschlag, der gerade der augenblicklichen straße liegt, das  zu entscheiden ist allerdings schwierig, 
S i tu a t io n  des Arbeitsmarktes angemessen ist, der und es kommt auch auf den S tandpunk t an, den 
aber im M agistrat vielleicht weitere E rw ägung  mait einnimmt. W enn m an  den finanziellen S ta n d ­
finden kann. punkt in erste Linie stellt, dann  werden allerdings 
Ic h  möchte, u m  S ie  nicht zu lange mit den die In teressen der Volksgesundheit, die In teressen 
Einzelheiten aufzuhalten, in der Annahme, daß unserer Erholung —  ich sage nicht: die Interessen 
S ie  der ganzen Sache freundlich gegenüberstehen, der Erholung der S täd te r ,  sondern die In teressen  
und  daß auch der M agistrat der Sache nunm ehr, der Erholung der S  t a a t  s  b e w o h n e r  , die 
wie er ja eigentlich im m er sonst theoretisch der in Großstädten wohnen oder in große S tä d te  zeit­
Sache gegenübergestanden hat, sich auch praktisch weise kommen, geschädigt werden.
der Sache gegenüber nicht ungünstig verhalten N un  m ag m a n  zu der F rage  der G runew ald- 
wird, n u r  noch kurz auf die wichtigen V erhandlungen erhaltung stehen, wie m an  will; m an  mag, wie die 
hinweisen, die im P r e u ß i s c h e n  H e r r e n ­
h a u s e  vor einiger Zeit über den Grunewald einen, der Ansicht sein, daß im G runew ald  nicht ein B a u m  niedergeschlagen werden sollte, so, wie 
stattgefunden haben. D o r t  ist von dem Herrn unser alter hochgeschätzter Kaiser Wilhelm I. es 
Minister fü r  Landwirtschaft, D o m än en  und Forsten 
bei B era tung  der A nträge des Herzogs von Trachen- seinerzeit n u r  m it t ränenden Augen ansah, wenn er m al durch die Not der Umstände gezwungen war, 
berg, die dort vorgelegt worden sind, nach dem einen B a u m  im T iergarten  fällen zu lassen; matt 
stenographischen Berichte gesagt worden: mag, wie die anderen, sagen, das w äre ein falscher 
E s  stehen auf der einen Se ite  die S tä d te  Weg, denn zum Teil seien die B äu m e  nicht mehr 
mit dem Wunsche, daß die S taa tsw a ld u n g en  derartig imstande, daß es richtig wäre, sie alle zu 
zu ihren Gunsten als Bolksparks für die S tä d te  erhalten —  auch das Unterholz ist, wie der Verein 
erhalten w erden; auf der andern  Se ite  anerkannt hat, verschwunden, und es m uß eine Ver­
stehen die In teressen  der S taa tsve rw altung ,  schönerung durch Laubanlagen eintreten, die ja 
weil sie diese hochwertigen T e rra in s  ver­ in sanitärer Hinsicht auch Wichtigkeit haben — ; m an 
kaufen möchte, u m  sich Geld zu schaffen zum mag andererseits wieder der M einung  sein, daß 
Ankauf von Odländereien und zu ihrer Auf­ zwar S tra ß e n  durch den G runew ald  geführt werben 
forstung. können, daß diese aber un te r  keinen Umständen 
M eine Herren, w enn auch der Herr Minister an irgend einer S telle  bebaut werden sollen; andere 
für Landwirtschaft und Forsten sich im ganzen wieder mögen die Ansicht haben, daß große S t ra ß e n  
ziemlich entgegenkommend für die Erhaltung  der durch den G runew ald  wohl durchgelegt werden 
W älder um Berlin  herum  ausgesprochen hat, so können in weiten Abständen von einer halben oder 
m ö c h t e  ich d o c h  m e i n e m  B e d a u e r n  Dreiviertelstunde, sodaß ganz große Karrees da­
A u s d r u c k  g e b e n ,  d a ß  ü b e r h a u p t  zwischen entstehen, und, weil dadurch wieder die 
e i n  G e g e n s a t z  i n  d i e s e r  F  r  a g e z w i- Verkehrsverhältnisse verbessert werden, dadurch 
f ch e n  d e n  S t ä d t e n  u n d  d e m  S t a a t e  die Möglichkeit der S täd te r ,  dorthin zu gelangen, 
k o n s t r u i e r t  w o r d e n  ist. M eines  E r­ verbessert w ird ; —  immerhin wird m an, glaube ich, 
achtens hat d e r  S t a a t  i n  a l l e r e r s t e r  a l l s e i t i g  d a r i n  e i n i g  s e i n ,  daß m ög­
L i n i e  d a s  I  n t e r  e s s e , daß die Bew ohner der lichst auch i n  u n m i t t e l b a r e r  N ä h e  d e r  
großen S tä d te  Gelegenheit haben, ihre Körper zu K o m  m u n e n G r o ß - B e r l i n s ,  speziell auch 
stählen, ihrem Körper durch Erholung in den W äl­ Charlottenburgs, d e r  W a l d b e s t a n d  i m  
dern wieder die Kraft zuzuführen, die sie leider g r o ß e n  g a t t z e t t  e r h a l t e n  b l e i b e n ,  
in unseren rauchigen, engen S t ra ß e n  bei unserer in großen Komplexen erhalten bleiben m u ß ,  
nervenzerrüttenden Tätigkeit un ter  Umständen ein­ und zweitens wird m an, glaube ich, darin einig 
büßen. sein, daß die S  e e n  k e t t e , d i e w i r h a b e n ,  
(B ravo !) d i e  H a v e l u f e r , d i e  w i r h a b e n ,  u n s ,
        
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