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Periodical volume 6. Mai 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

Freunde zu sprechen — dem Magistrat sehransH erzi jlrnr ja alle davon, aber über die Ausführung der 
legen, w enn die B itte  um  Mitwirkung an ihn heran­ Gedanken find wir u n s  alle noch nicht klar. M an  
tritt, sich mit vollem Herzen dieser M itwirkung zur wird eine solche neue Sache genau prüfen müssen; 
Verfügung zu stellen. Die Äußerung des H errn  denn sie ist von weittragender B edeutung. D es­
Oberbürgermeisters über die positiven Ergebnisse halb habe ich vorsichtig gesagt, daß ich persönlich, 
die da gezeitigt werden würden, klang ja ein bißchen wie der Herr Referent, p r im a  v is ta  der Sache mit 
allgemein, e tw as mysteriös. Nach meinen I n ­ Wohlwollen entgegentrete. Ich  wünsche auch, daß 
formationen wird von seiten des Kammergerichts­ die Auswüchse des Verbrechertums gerade un ter  
präsidiums verhandelt, und zwar un ter  Zuziehung den Jugendlichen so viel wie möglich abnehmen, 
auch eines Vertre ters  der S ta d t  Berlin. Es wäre und werde sehr gern —  und ich bin überzeug t: m it 
also durchaus möglich, daß, wenn dieser Gedanke m ir  der M agistrat —  die Hand bieten,' w enn »ach 
greifbare Gestalt annim m t, auch Vertre ter  der dieser Richtung praktische Vorschläge an u n s  heran­
Magistrate der übrigen S tä d te  herangezogen werden, treten, sie anzunehmen. Aber die P rü fu n g ,  ob 
und es w äre sehr wünschenswert, wenn der betref­ diese Vorschläge praktisch sind und die Dinge, die 
fende V ertre ter  unseres M agistrats der ganzen in Szene  gesetzt werden sollen, auch wirklich Erfolg 
F rage  schon jetzt seine Aufmerksamkeit zuwenden versprechen, m uß ich natürlich dem Magistrat vor­
würde. behalten. Infolgedessen habe ich mich vorsichtig 
Ic h  lege meinerseits —  ich glaube, das ist so ausdrücken müssen. Aber ich habe noch e inm al das 
die Richtung, wie sie in den letzten M o n a ten  sich W ort genommen, um zu sagen, daßlich aus  dieser 
herausgebildet hat — das allergrößte Gewicht vorsichtigen Ausdrucksweise nicht geschlossen haben 
auf die B ildung der sogenannten Fürsorgeausschüsse. möchte, daß ich Gegner der Sache bin, oder daß ich 
Diese Fürsvrgeausschüsse stehen teilweise un ter  dem fürchte, daß der M agistrat Gegner sein könnte. Ich  
Magistrat: es schlägt in die Schulverwaltung hinein; i hoffe, daß auch wir, ebenso wie der Herr Referent, 
teilweise sind sie in freierer Weise gebildet. S ie  durchaus bem üht sein werden, die Dinge in prak­
sollen zusammengesetzt sein aus  verschiedenen P e r ­ tische Wege , zu leiten.
sonen, die die Fürsorgevereine präsentieren, aus  
Lehrern, Ärzten usw., und ihre Tätigkeit wäre dann (Die B e ra tung  wird geschlossen.)
in hervorragendem M aße eine gutachtliche Tätigkeit. 
W enn also eine Anzeige gegen einen Jugendlichen Antragsteller S tad tv . Schwarz (Schlußwort): 
erfolgt und das S tra fve rfah ren  eingeleitet wird, Ich  möchte nur  noch wenige Worte hinzusetzen. 
dann soll sofort die Sache an den Fürsorgeausschuß Ich  hoffe ja, daß die obligatorische Fortb i ldungs­
gegeben werden: durch die D am en, die in dem schule durch den sittlichen Einfluß, den sie auf die 
Fürsorgeausschuß sitzen, werden die nötigen Re­ jungen Leute von 14 bis 18 J a h r e n  ausübt, uns  
cherchen vorgenommen, und ehe es zur strafrecht­ dazu helfen wird, das Verbrechen zurückzudämmen. 
lichen Verfolgung kommt, soll der betreffende S taa ts»  Diejenigen Kinder aber, die erst das 12. Lebensjahr 
anw alt  bereits das volle M ater ia l  über den J u g e n d ­ vollendet haben, also vor den Jugendgerichtshof 
lichen haben und sich entschließen, ob er öffentliche gestellt werden, und die, weil sie die zur Erkenntnis 
Klage erheben soll oder nicht, weil der jugendliche der Strafbarkeit ihrer Handlung erforderliche E in ­
T ä te r  die erforderliche Einsicht nicht besitzt. Diese sicht besessen haben, bestraft worden sind, werden, 
Tätigkeit des Fürsorgeausschusses würde jedenfalls da sie ja doch die Gemeindeschule noch besuchen 
zum Teil wenigstens in die Tätigkeit der städtischen müssen, bis zum vollendeten 1.4. Lebensjahre 
Verw altung  hineinfallen, und es würde möglich wieder dahin zurückgeschickt. D ar in  liegen für die 
sein —  ich knüpfe an eine Unterredung an, die ich anderen Schüler Gefahren, und da hier die gesetz­
mit dem Herrn  Stadtschulrat gehabt habe — , wenn lichen Handhaben nicht ausreichen, so ist, u m  der 
die Sache greifbare Gestalt angenom m en hat, daß Schule die Möglichkeit zu geben, einerseits gerichtlich 
die Schuldeputation sich m it der F rage  befaßt, wie bestrafte Kinder zu retten, anderseits die übrige 
wir die Fürsorgeausschüsse in bester Weise zusammen­ Kinder gegen einen ungünstigen Einfluß jener zu 
setzen. sichern, der Gedanke aufgetaucht, das Schulstraf- 
Ich  möchte nochmals meine F reude aussprechen recht besonders auszubauen, und das ist eine A n­
—  ich w ar  bei der Einbringung des Antrages nicht 
    
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