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Periodical volume 15. April 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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Vorlage war auseinandergerechnet, daß die Revision striellen Betriebe bisher immer gesagt haben: wir 
für die B eam ten eine Erhöhung um  9%  und für können uns für unsere Arbeiter nicht auf eine 5jäh- 
die Lehrer eine Erhöhung unt 7,9% bedeute, wobei rige Revisionsperiode festlegen, weil wir nicht 
zu berücksichtigen war, daß die Oberlehrer infolge wissen, ob diese 5 jährige Periode auch wirklich vor­
der Revision des staatlichen N orm aletats im Jah re  hält, da wir nicht sicher sind, daß uns die Arbeiter 
vorher schon eine besondere Aufbesserung erhalten nicht im Laufe dieser Periode mit Forderungen 
hatten. F ü r die Arbeiter kam eine durchschnittliche kommen, denen wir dann machtlos gegenüber­
Aufbesserung von 8 bis 10% heraus. Es hat also stünden.
eine vollständig gleichmäßige Aufbesserung bei der Nun hat Herr S tadtv . Zietsch auf die V ertrags­
Revision des N orm aletats vom Jah re  1905 statt­ treue der Arbeiter hingewiesen. J a ,  meine Herren, 
gefunden, und insbesondere sind die Arbeiter keines­ hier ist doch von V ertragstreue gar keine Rede. 
falls zu kurz gekommen. M eine Herren, wenn S ie D ann m üßten wir m it den Arbeitern auch Tarife 
nun die Anträge, die der Ausschuß Ih n e n  hin­ abschließen, m üßten uns m it den Arbeitern in Ver­
sichtlich der Regelung der Teuerungszulagen unter­ handlungen über Verträge einlassen, über Festlegung 
breitet, ansehen, so möchte ich behaupten, daß um ­ eines T arifs von wenigstens 5 jähriger D auer. 
gekehrt in diesen Ausfchußanträgen eine außer­ Davon ist bisher nicht die Rede gewesen und wird 
ordentliche Bevorzugung der Arbeiter zu erblicken ist. wahrscheinlich auch in Zukunft nicht die Rede sein. 
Denn wenn S ie  als M inim albetrag eine Teuerungs­ Infolgedessen können wir uns nicht auf den S tan d ­
zulage von 150 M  festlegen, so bedeutet das für alle punkt stellen, von den Arbeitern zu verlangen, daß 
Gehälter und Löhne, die unter 2000 Ji  liegen, sie eine von uns einseitig festgesetzte Lohnskala inne 
eine höhere als 7%prozentige Teuerungszulage, halten und sie als vertragsbrüchig behandeln, wenn 
und zwar progressiv nach unten steigend, so daß für sie es nicht tun.
ein Einkommen von 1000 M  die Teuerungszulage W as im übrigen die F rage des Herrn S tadtv . 
von 150 M  15°/, bedeutet. Umgekehrt ist für alle Zietsch wegen der Auszahlung der Teuerungszulagen 
Gehälter, die über 4000 JH hinausgehen, die B e­ bei der Gasanstalt in der letzten Woche des M onats 
schränkung auf 300 M  eine Reduzierung der P ro ­ M ärz betrifft, so hat sich die Sache bereits aufgeklärt.
zentsätze in dem M aße, daß Gehälter von 7500 M, Die Teuerungszulage betrug im Jah re  1907 100 Ji 
nur eine 4 prozentige Teuerungszulage erhalten. auf die Person. Bei der Gasanstalt sind diese 
Also das direkte Gegenteil von dem, was Herr 100 M  in Wochenbeträgen von 1,92 bzw. 1,93 M 
S tad tv . Zietsch behauptet hat, kann ich hier, glaube an die ständigen Arbeiter ausgezahlt worden.
ich, beweisen. I n  der letzten Woche des M onats M ärz waren durch 
Auf die Ausführungen des Herrn S tad tv . die bisherigen wöchentlichen Zahlungen die 100 M 
Zietsch über die F rage der Wochenlöhne, insbesondere erschöpft, so daß für die letzte Woche des Jah re s  
auf die Regelung der Bezahlung bei der G asan­ 1907 nichts mehr übrig blieb; die 100 M waren 
stalt möchte ich in extenso, wie es Herr S tadtv . verausgabt. Infolgedessen hat an die ständigen 
Zietsch getan hat, nicht eingehen; ich möchte nur Arbeiter der Gasanstalt nichts mehr gezahlt werden 
darauf hinweisen, daß nicht erst neuerdings, sondern können. Dagegen sind an  die nicht ständigen Ar­
schon seit länger als 10 Jah ren  unsere ständigen beiter der Gasanstalt, die nicht eine Teuerungs­
Arbeiter einen N orm aletat haben wie die Beam ten zulage von 100 M  aufs J a h r ,  sondern nach beson­
und Lehrer, und daß ungefähr 50%  der ständigen derer Verfügung 1,50 M  pro Woche erhalten, auch 
Arbeiter — d. h. sämtliche ständigen Arbeiter, die in der letzten Woche diese 1,50 M, gezahlt worden, 
nicht in industriellen Betrieben beschäftigt sind — weil die Legitimierung auf 100 ,tt nicht vorlag.
schon lange M onatslöhne bzw. Wochenlöhne er­ Es ist also in durchaus korrekter Weise auch in diesem 
halten. N ur bei den industriellen Betrieben be­ Falle verfahren worden.
steht allerdings noch heute die Übung, daß zwar in Herrn S tad tv . Dr Crüger gegenüber möchte 
der Form  einer steigenden Lohnskala die Lohn­ ich m ir nur noch eine Bemerkung erlauben. Ich 
zahlungen, aber nicht im Wochenlohn, sondern teil­ hätte es nicht für angemessen erachtet, die Bedenken 
weise, 'wenigstens soweit es sich um  rein technische die ich gegen die Form ulierung des Antrages des 
Arbeiter handelt, im S tundenlohn erfolgen. D as Ausschusses habe, hier in extenso vorzutragen, 
geschieht in vollständiger Übereinstimmung mit wenn ich Gelegenheit gehabt hätte, das schon im 
allen großen Privatetablissements der S tad t, Ausschusse zu tun. Ich  möchte im Gegensatz zu 
sagen wir S iem ens & Halske, Freund und wie sie der Auffassung des Herrn S tad tv . Dr Crüger sagen, 
alle heißen. Wir legen doch immer lehr großes daß gerade dieser Teil des Ausschußantrags, wie 
Gewicht darauf, daß unsere industriellen Betriebe auch schon der Herr Referent angedeutet hat, einer, 
in ihrer ganzen Organisation, in ihren M anipu­ gründlicheren Vorbereitung und P rüfung fähig 
lationen sich im wesentlichen nach den Gepflogen­ gewesen wäre, und weil das im Ausschuß nicht ge­
heiten richten müssen, die in anderen derartigen schehen war, deshalb habe ich m ir erlaubt, diese 
kaufmännischen, wenn auch privaten Betrieben Erw ägungen hier nachträglich vorzubringen. Ich 
üblich sind. W as meine diesbezüglichen Aus­ bin m ir heute schon ganz sicher darin, daß ich die 
führungen in dem Ausschuß anbetrifft, so geben sie, Erklärung abgeben kann, daß diesem Teile des 
glaube ich, dem Herrn S tad tv . Zietsch keine V eran­ Ausschußantrags in der Form , wie ihn der Ausschuß - 
lassung, zu meinem Zwischenrufe eine Überraschung gefaßt hat, der M agistrat nicht wird zustimmen 
auszusprechen. Ich habe dam als durchaus nicht können. Deshalb kann ich nur höflichst anheim­
— darüber konnte Herr S tad tv . Zietsch nicht im stellen, von einer Beschlußfassung in diesem S inne 
Zweifel sein — die Absicht gehabt, zum Ausdruck Abstand zu nehmen. Wenn Herr S tad tv . Dr Erüger 
zu bringen, daß wir uns bei der Regulierung der übrigens gemeint hat, der Effekt ließe sich noch 
Löhne bei der Gasanstalt, bei der Normierung ihrer gar nicht übersehen, so ist das auch ein I r r tu m .
Höhe lediglich nach Angebot und Nachfrage richten Der Effekt des Antrags des Ausschusses, soweit er 
wollen. Allerdings habe ich ausgesprochen, und sich auf die Litera c bezieht, ist 24 851 M, während 
das möchte ich aufrecht erhalten, daß uns die indu­ die bisherigen Teuerungszulagen, die an die
        
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