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Periodical volume 8. Januar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

I m  Vergleich zu den früheren Krisenjahren mindesten wesentlich übertrieben ist, wenn man 
hat der diesjährige November noch durchaus wenigstens zur Zeit von einem besonderen Notstand 
keine beängstigende Verschlechterung der Lage sprechen will.
des Arbeitsmarktes gebracht. M eine Herren, was nun die Frage anbetrifft, 
M eine Herren, auf den November folgt allerdings ob und in welchem M aße die Kommune verpflichtet 
der Dezember, und nun gehe ich auf die Zahlen des ist, einem solchen Zustande mehr als ihre Auf 
Herrn I)r Borchardt e in : auch der Dezember hat merksamkeit zu widmen und unter Umständen 
meines Erachtens keine ungünstigeren Zahlen ge­ helfend einzugreifen, so möchte ich doch zunächst 
bracht als der November. Ich  will mich lediglich — und ich scheine mich da ja mit dem Herrn S tadtv . 
auf diesen Satz beschränken. Wir haben unserer Dr. Borchardt in Übereinstimmung zu befinden — 
Beobachtung des Arbeitsmarktes auch diesmal das­ betonen, daß, ohne etwas von unseren früheren 
jenige M aterial zu Grunde gelegt, das auch Herr Erklärungen nach der Richtung hin abschwächen 
Dr Jastrow  stets hier vor Ih n e n  entwickelt hat, zu wollen, in erster Linie doch natürlich es Gebot 
nämlich die Bewegung bei den Krankenkassen und der Selbsthilfe der Arbeiterschaft ist, sich gegen die 
die Ausweise des Arbeitsangebotes bei unserem Folgen der Arbeitslosigkeit zu schützen, und es ist 
Arbeitsnachweis. Wir hatten im November 1907 sehr erfreulich, daß die Arbeiterorganisationen in der 
bei den Krankenkassen und eingeschriebenen Hilfs­ Lage gewesen sind, so erhebliche Sum m en, wie 
kassen in Charlotteuburg auf 1000 Einwohner Herr Dr Borchardt sie hier vorgetragen hat, im 
gerechnet einen Bestand an Arbeitern von 174, der Wege der Selbsthilfe aufzubringen. Ich glaube, es 
im M onat Dezember auf 169 heruntergegangen wäre ein sehr nachteiliges Vorgehen, wenn durch 
ist gegen 175 im Vorjahre. Der höchste S tand spontanes Eingreifen der Kommunalverwaltung an 
des Krankenkassenbestandes an Arbeitern war im diesem gesunden Triebe der Selbsthilfe etwas ge­
Oktober 1907 mit 186 vorhanden gegen 177 im ändert werden sollte. Vorläufig, wie gesagt, ist 
Septem ber und Oktober 1906. Gegenüber den die Selbsthilfe jedenfalls noch dasjenige M ittel, 
Höchstzahlen des Jah res  1906, das als ein besonders auf das mau die Arbeiterschaft im gegenwärtigen 
günstiges angesehen werden muß, besteht also nur Augenblicke hinweisen' kann, ohne irgendwie 
eine Einbuße von 8 Arbeitern auf 1000 Einwohner. soziale Pflichten dabei zu vernachlässigen.
W enn wir aber anerkennen müssen, daß die Jah re  Was nun endlich die schwierigste Frage anbe­
1905, 1906 und 1907 überhaupt außerordentlich trifft, mit welchen M itteln m an die Arbeitslosig­
günstige Jndustriejahre gewesen sind, so wird es nicht keit bekämpfen soll, so möchte ich nur darauf hin­
unberechtigt erscheinen, wenn wir einmal auf die­ weisen, daß vor wenigen Wochen erst Herr Ober­
jenigen Jah re  zurückblicken, die als sogenannte bürgermeister Adickes in der Stadtverordnetenver­
Krisenjahre bekannt sind: das sind die Jah re  von sammlung von Frankfurt a. M . gesagt hat: das^ 
1900 bis 1903. D ort werden wir finden, daß im Gebiet der Arbeitslosigkeit gehört zu denen, beifs. 
Dezember durchweg der Bestand der bei den denen leichter Fragen gestellt, als Antworten ge-8 
Krankenkassen eingeschriebenen Arbeiter erheblich geben werden können,
hinter dem von 1906 und 1907 zurückgestanden hat; (Sehr richtig!) 
die Zahlen sind nämlich für diese Jah re  135, 130, und ich glaube auch, bei aller Mühe, die Herr 
137 und 144 eingeschriebene Krankenkassenmitglieder S tadtv . Dr Borchardt sich gegeben hat, uns hier 
auf 1000 Einwohner; 1904 stieg die Zahl dann auf schon ein Program m  der Arbeitslosenfürsorge zu 
154 und >905 auf 168. Auch der Uberschuß desArbeits- entwickeln, ist ihm das doch nur sehrschwach gelungen. 
angebotes beim städtischen Arbeitsnachweis ist in Der Hinweis wenigstens auf die paar S täd te, die 
keiner Weise beängstigend: auf l OOangemeldete freie bereits tastende Versuche auf diesem Gebiete ge­
Stellen sind vorhanden gewesen im Jah re  1907 macht haben, ist meiner Ansicht nach in keiner Weise 
im November 171, im Dezember sogar nur 147 An­ überzeugend, daß das der richtige Weg ist, oder ich 
gebote. will sagen: daß man aus diesem Wege zu dem Ziele 
(S tad tv . Dr Borchardt: D as ist eine ganz andere gelangt, das Herrn Dr Borchardt vorschwebt. B e­
Entwicklungszeit!) kannt sind ja die beiden Arbeitslosenkassen in 
Hiernach ist also eine Verschlechterung jedenfalls Leipzig und Köln, die, wie Herr Dr Borchardt sehr 
nicht eingetreten. Zugegeben muß allerdings richtig gesagt hat, auch nur eine Zubuße zu beit 
werden, daß sich im Dezember fast regelmäßig ein Leistungen der Arbeiterorganisationen geben.
Nachlassen des Angebotes herausgestellt hat gegen­ (Zuruf bei den Sozialdemokraten.)
über im November. W enn S ie aber weiter finden, Wenn im übrigen daneben noch S traßburg mit 
daß im Jah re  1902 z. B. im Dezember auf 100 seinen 5000 M  erwähnt worden ist, so glaube ich, das 
freie Stellen ein Angebot von 392, in den Jah ren ist tatsächlich ein so m inimaler Versuch, daß er hier 
1901 und 1900 von 239 und 188 Stellensuchenden noch kaum als Vorbild bezeichnet werden kann. I n  
und in den entsprechenden Novembern von 264, München und — wenn ich recht verstanden habe — 
331 und 216 vorhanden war, so werden S ie jeden­ Dresden ist man der angeblichen Id ee  näher ge- 
falls nicht sagen können, daß das J a h r  1907 ein getreten.
außergewöhnlich ungünstiges ist. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Dresden nicht!) 
Meine Herren, wir haben, um Ih n e n  das ganz J a ,  damit ist meiner Ansicht nach auch noch recht 
anschaulich zu machen, zunächst allerdings für die wenig gewonnen.
Arbeiten des Ausschusses und des M agistrats eine Nun hat aber Herr Dr Borchardt schließlich doch 
große Anzahl — ich glaube, es sind mindestens fünf selbst noch ein sehr wesentliches M om ent gegen eine 
— graphische Tafeln angefertigt, aus denen die einseitige Charlottenburger Aktion auf diesem. Ge 
Steigerung der Kurven der Arbeitsgelegenheiten biete vorgetragen: das ist eben der Groß-Berliner 
für die letzten sieben Jah re , vom Jah re  1900 ab, Gesichtspunkt. Er ist so in die Augen springend, 
deutlich ersichtlich ist, und jedem, der auch nur daß er hier in meiner Nachbarschaft schon erörtert 
einen flüchtigen Blick auf diese Kurven wirft, wurde, bervor Herr Dr Borchardt ihn selbst besprach 
kann gar kein Zweifel aufkommen, daß es zum M eine Herren, ich will hier nicht eingehen auf die
        
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