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Periodical volume 25. März 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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einheitlichen Gesichtspunkten in den Gebietsteilen (Die Beratung wird geschlossen. Die Ver­
stattfinden, die der Bebauung noch nicht erschlossen sammlung beschließt nach dem Antrage des Ma­
sind, und es müssen Veränderungen in den alten gistrats, wie folgt:
Teilen von Berlin selber getroffen werden, um Ver­ Für die Beranstaltung eines Wettbewerbes 
kehrsverbesserungen zu schaffen zwischen diesen und zur Erlangung eines Grundplanes für die 
den Vororten. Bebauung von Groß-Berlin wird aus lausen­
Für diesen generellen Bebauungsplan ist ein den Mitteln des Jahres 1907 ein Betrag von 
Wettbewerb ausgeschrieben worden, und die Bedin­ 21 000 M  bewilligt.)
gungen für diesen Wettbewerb sind eben diejenigen, 
die notwendig sind, um einen solchen Bebauungsplan Borfteher-Stellvertr. Or. Hubatsch: Punkt 6 
wirksam für Millionen von Einwohnern zu gestalten. der Tagesordnung:
Es wird in demselben darauf ankommen, die Be­
dingungen für einen befriedigenden Wohnhausbau Borlage betr. Umgemeindung der westlich des 
zu schaffen, der allen sozialen Schichten in gleicher Bolksparkgeländetz bclegencn sorstfiSkalifchen 
Weise zu gute kommt, Es wird auf eine zweckmäßige Flächen. — Drucksache 156.
Ansiedlung von Klein- und Großgewerbe bedacht 
genommen werden müssen, damit Fabriken nicht Berichterstatter Stabtb. Gredy: Meine
störend in Wohnhausquartieren gebaut werden. Herren, der Magistrat schlägt Ihnen in dieser 
Es wird, was ein wesentlicher Punkt ist, ein ausge­ Vorlage vor, zuzustimmen, daß das Waldgebiet, 
dehnter Wald- und Wiescngürtel freigehalten werden neben unserem Volksparkgelünde in der Jungfern­
müssen mit den nötigen Promenaden, Turnplätzen, heide westlich gelegen, nach Charlottenburg ein­
Spielplätzen und Arbeitergärten. Der Fiskus wird gemeindet wird. Zu diesem Zweck fordert er von 
natürlich, um dies zu ermöglichen, Opfer bringen Ihnen die Bewilligung von 358 300 M  zur Ab­
und die großen Waldbestände erhalten müssen und lösung der Gemeindezugehörigkeit vom Kreise 
sie nicht in lukrativer Weise der Bebauung erschließen. Niederbarnim. Er verlangt außerdem, daß Sie sich 
Es müssen ferner Vorherbestimmungen von Plätzen damit einverstanden erklären, daß dem Forstfiskus, 
für öffentliche Bauten getroffen werden; denn das als dem Besitzer dieses Waldstückes, für die Tauer 
ist ein Krebsschaden für die künstlerische Gestaltung der forstwirtschaftlichen Benutzung des umzuge­
von Berlin gewesen, daß keine geeigneten Bauplätze meindenden Gebietes die direkten Gemeindeab­
für unsere öffentlichen Bauten vorhanden waren. gaben nachgelassen werden, ferner, daß mit dem 
I n  den siebziger Jahren hätte sich aus allen den Kreise Niederbarnim ein Abkommen über die Ein­
großen Staatsbauten, die nach den großen Er­ gemeindung getroffen wird, und endlich, daß die 
eignissen gebaut werden mußten, nach einem ein- genannte Entschädigungssumme zunächst vorschuß­
beitlichen Plane etwas Großartiges schaffen lassen. weise aus dem Ordinarium des künftigen Haupt­
Leider hat ja auch Bismarck nach der künstlerischen etats zu erstatten ist.
Seite versagt. Meine Herren, es wäre mir lieber, wenn ich 
Ich möchte für eine Plangestaltung von Groß- Ihnen die Vorlage nicht, wie ich es beabsichtige, 
Berlin noch erwähnen, daß alle landschaftlich hervor­ zu empfehlen brauchte, und wenn der preußische 
ragenden Punkte der Allgemeinheit erhalten werden Staat wie bisher seine Wälder selber verwaltete 
müssen. Aus eine geeignete Disposition von und sie tadellos und gut als heiliges Besitztum der 
Hauptverkehrsstraßen und die zweckmäßige Hin­ Nation bewahrte.
einziehung von Wasserstraßen muß in dem Plan (Sehr richtig!)
besonders Rücksicht genommen werden. Aber wie Sie aus der Vorlage ersehen, handelt 
‘ Der nach vorstehenden Gesichtspunkten festzu­ es sich darum, ob die Gemeinde Spandau oder 
legende Bebauungsplan, welcher frei von allem die Gemeinde Charlottenburg die Eingemeindung 
Schablonenhaften, nur die notwendigen großen vornehmen wird, und da, glaube ich, haben wir 
Straßenzüge bestimmt, und der noch große Flächen gar keine Wahl übrig als zuzustimmen. Ich hoffe, 
von der Bebauung freihält, muß dann für das ganze daß, wenn die Umgemeindung dieser Waldfläche 
große Gebiet von Groß-Berlin eine gesetzliche einmal erfolgt ist, möglichst viel vom Walde dem 
Grundlage und das Gerippe bilden für die von den Volke und der Gemeinde erhalten bleibt.
Gemeinden zu entwerfenden Bebauungspläne. (Bravo!)
Das Ganze soll einen großzügigen Organismus dar­ Ich bitte Sie, die Vorlage zu genehmigen.
stellen, der nach volkswirtschaftlichen, hygienischen 
und ästhetischen Rücksichten geordnet worden ist. (Die Beratung wird geschlossen. Die Ver­
Die Mehrheit meiner Fraktionsgenossen hat sammlung beschließt einstimmig nach dem An­
sich sympatisch zu dieser Vorlage gestellt, in der trage des Magistrats, wie folgt:
Anerkennung der Tatsache, daß hier zum erstenmale 1. Einer Eingemeindung des westlich des 
sich die verschiedenen Gemeinden zu einer gemein­ Volksparkgeländes und südlich des Berlin- 
samen Arbeit zusammenfinden, welche ein ideales Spandauer Schiffahrtskanals belegenen, zum 
Ziel erstrebt. Ich möchte Sie bitten, der Vorlage, Kreise Niederbarnim gehörigen Teils des 
möglichst einmütig zuzustimmen. Berlin ist schon Gutsbezirks Tegeler Forst nach Charlotten­
vorangegangen und trägt die Hälfte der Kosten burg wird zugestimmt. Ebenso erklärt sich 
dieser Konkurrenz; Charlottenburg soll 21 000 M  die Stadtverordnetenversammlung damit 
beitragen, und die anderen Gemeinden folgen mit einverstanden, daß das nördlich des Berlin- 
kleineren Beiträgen nach. Wir, die beiden größten Spandauer Schiffahrtskanals belegene, zum 
Gemeinden, müssen mit gutem Beispiele voran­ Kreise Niederbarnim gehörige Gelände 
gehen. Ich möchte Sie daher bitten, meine Herren, bis zur künftigen Linienführung des.Groß­
die Vorlage anzunehmen. schiffahrtsweges Berlin-Stettin nach Char­
(Bravo') lottenburg eingemeindet wird.
        
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