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Periodical volume 25. März 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

Hirsch darauf entgegnet hat. Ich  habe damals !Jch bin dann weiter fortgefahren:
gesagt: In fo lg e  dieser Roheiten, die gegen Leben 
M eine Herren, es hat in der T a t  an einzelnen und Gesundheit von Arbeitern, von unsern 
S tellen  unserer S ta d t  eine völlige Anarchie B ürgern  verübt worden sind durch fremde 
geherrscht, eine völlige Schutzlosigkeit des Menschen, die uns  nichts angehen, sind von 
arbeitswilligen, ruhigen Arbeiters, der von seiten der Direktion überall da S tra fan träg e  
Leuten, die ich mit dem N am en  Terroristen gestellt worden, wo es hat festgestellt werden 
milde bezeichne, gehindert wurde, seine Ar­ können,
beit auszuführen, und der sie n u r  unter  —  ü b e r a l l  d a  S tra fan träg e  gestellt worden, w o 
einem Schutz ausführen  konnte. D a s  Bild e s  h a t  f e s t g e s t e l l t  w e r d e n k ö n n e n !  —
gestaltete sich nämlich folgendermaßen. wer der Angreifer gewesen ist, und überall 
Als die W agen mit den engagierten neuen da, wo Zeugen im Augenblick vorhanden 
Arbeitern aus  dem Hofe hinausfuhren — gewesen sind. M a n  hat von den Fällen  11 
am Sonnabend , den 27., früh — , wurden der schlimmsten Art herausgegriffen. Die 
sie gleich bei der Ausfahrt von Leuten, die Anzeigen liegen bei der Staatsanwaltschaft. 
dort herumstanden, und die teilweise zu den M ir  liegen vor die N am en  der Antragsteller, 
alten Arbeitern gehörten, teilweise auch der Angeklagten, der Zeugen, und w as sie 
andere waren, die bei solchen Gelegenheiten im großen und ganzen verübt haben. D a s  
gern hilfsbereit beispringen, angehalten, die Gericht wird darüber abzuurteilen haben, 
Leute wurden aufs roheste beschimpft, es sodaß die Buben, die hier gegen ihre eigenen 
w urden die S trän g e  durchschnitten, Leute Berufsgenossen derartig roh vorgegangen 
und Pferde wurden mit großen schweren sind, hoffentlich ihre verdiente S tra fe  er­
S te in en  beworfen, ja es ist vorgekommen, halten werden.
daß, wenn sie an B au ten  vorbeifuhren, auf 
sie schwere Ziegelsteine herabgeworfen wurden, Und Herr Hirsch hat darauf in bezug auf das, was 
sodaß einer der Kontrolleure eine schwere hier den Gegenstand des Angriffs gegen mich bildet, 
Armverletzung davon getragen hat. Die folgendes gesagt —  Seite  219, zweite Spa lte ,  letzter Absatz:
Polizei wurde natürlich aufgeboten, tele­
phonisch requiriert. Sobald  sie da war, w ar Ich  möchte von vornherein, um  gar keine 
es still: die Leute hatten doch Angst, m it der M ißdeutung aufkommen zu lassen, ganz 
Polizei anzubinden. D a  nun  Ruhe war, offen erklären, daß ich, wenn solche A us­
verteilten sich die W agen in der S ta d t . schreitungen vorgekommen sind, wie sie der 
Ich  lasse hier einen Satz aus, der, wie mir Herr Oberbürgermeister angeführt hat, diese 
Herr Hirsch zugeben wird, unbedeutend ist. Ausschreitungen genau so, w enn nicht ent­
D a  sind n u n  die Leute in der schwierigsten schiedener verurteile als  der Herr Ober­
S itua tion  gewesen. S o  ist z. B . an einer bürgermeister.
S te l le  jenseits der S p ree ,  wo nicht viele be­
wohnte Häuser stehen, einer dieser schweren (S e h r  richtig! bei den Sozialdemokraten. —  Hört, 
W agen mit den darauf sitzenden drei Leuten hört!  bei den Liberalen.)
auf der S tra ß e  umgestürzt und in einen —  S eh r  richtig! D arau f  bitte ich zu achten: w e n n 
G raben geworfen worden. Die Leute sind s o l c h e  A u s s c h r e i t n n g e n v o r  g e k o m m e n  
blutig un te r  dem W agen hervorgezogen sind! —
worden. Es ist eine glückliche F ügung  
Gottes, daß hier kein Todesfall vorge­ Wir haben mit E lementen, die solche Roheiten 
kommen ist. M eine Herren, es ist nicht das begehen, die anderen Leuten Ziegelsteine an 
Verdienst derjenigen Leute, die dem Herrn den Kopf werfen u. dgl., genau so wenig 
August Gebert gefolgt sind, w enn hier kein zu tu n  wie der Herr Oberbürgermeister, 
Totschlag, w enn hier kein M ord  stattge­ und wir schütteln sie genau so ab wie er.
funden h a t ! (S tadv . Zietsch: S e h r  richtig!)
(S tad tv .  Zietsch: Furchtbare Ü bertre ibungen!) Aber, meine Herren, e s  s o l l  e r st e i n ­
—  Ich  sag e : e s is t  n i c h t  d a s  V e r d i e n s t  m a l  b e w i e s e n  w e r d e n ,  d a ß  a u c h  
d e r j e n i g e n  L e u t e ,  die dem Herrn August n u r  e i n  e i n z i g e r  F a l l  d a v o n  
Gebert gefolgt sind, wenn hier kein Totschlag, w a h r  ist. Ich  freue mich darüber, daß 
wenn hier kein M ord  stattgefunden h a t ! — Strafanzeige erstattet worden ist. Die ge­
Es hätte ebensogut durch einen S te in  einer richtliche V erhandlung wird ja hoffentlich 
erschlagen werden können, wie einem der Klarheit schaffen. Aber, Herr Oberbürger­
Arm gebrochen worden ist, und wie die meister, es ist schon M ännern ,  die an  höherer 
Leute blutig geschlagen worden sind. Also, Stelle  stehen, so ergangen, daß sie im P a r l a ­
meine Herren, ich sage nicht zu viel, daß durch m ent Fälle von angeblichem sozialdemo­
dieses verdam m ensw erte  Vorgehen der Leute, kratischen T erro r ism u s  vorgetragen haben, 
welche den Frieden zwischen Arbeitgebern und daß sich dann hinterher vor Gericht 
und Arbeitnehmern frevelhaft gestört haben, herausgestellt hat, daß alles nicht w ahr war, 
in einem Teile unserer S ta d t  an diesem sodaß sie sich genötigt gesehen haben, ihre 
T age der Zustand einer völligen Anarchie Anschuldigungen zurückzunehmen. Ic h  e r ­
geherrscht hat. Es sind dann Kutscher vom warte  von dem H errn  Oberbürgermeister, 
Bock heruntergeworfen, mit Stöcken ge­ daß, w enn die Gerichtsverhandlungen das 
prügelt worden —  kurz sie waren, n am en t­ Gegenteil von dem ergeben, w as er gesagt hat,
lich in einzelnen Teilen der S tad t ,  allen An­ —  d a s  G e g e n t e i l  v o n  d e m ,  w a s e r 
griffen ausgesetzt. g e s a g t  hat !  —
        
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