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Periodical volume 25. März 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

falsch unterrichtet haben. Ic h .m e in e , w enn wir (S ta d tv . Hirsch: Die M itglieder des Reichslügen­
e i n e  Lehre au s diesem ganzen V orfall ziehen, verbandes w o l l t e  ich a ls unanständige Menschen 
d ann  sollte es die sein, daß bei zukünftigen S tre itig ­ bezeichnen!)
keiten der M agistrat auf einseitige In fo rm a tio n e n  —  D ann , H err S tad tv . Hirsch, rufe ich S ie  zur 
verzichtet und daß er, w enn er überhaup t eingreift, O rd n u n g !
dann  beide P a rte ie n  hö rt: oder aber, w enn er nicht (B rav o !)
unterrichtet ist, soll er sich eines U rteils enthalten , 
nam entlich w enn sein U rteil in so schroffer Weise Stadtv . Gebert: M eine H erren, w enn ich
zum  Ausdruck kommt. über diese Angelegenheit spreche, so können S ie  
Aber, m eine H erren, noch ein anderer G rund m ir das vielleicht nachfühlen, da der H err O ber­
ist es, w arum  ich die A ngelegenheit hier zur Sprache bürgerm eister in der denkwürdigen Sitzung vom 
gebracht habe, und das ist das In teresse  m einer 15. M ai vorigen J a h re s  speziell m eine Person in 
P a r te i. S ie  wissen, daß der H err O berbürger­ ein Licht hineingestellt hat, welches —  na, sagen wir 
meister nam entlich bei dieser G elegenheit auf die gelinde —  nicht gut zu nennen  ist. Ich  bedaure leb­
sozialdemokratischen Hetzer und W ühler losge­ haft, daß der H err O berbürgerm eister nicht so freund­
donnert hat. E s ist I h n e n  allen ja  bekannt, daß sich lich w ar, sich an  die S te lle  zu wenden, die ihm  ganz 
in Deutschland bereits eine Zentralstelle gebildet ausführliche Berichte schicken konnte. D er H err 
hat, die alles M ateria l, das irgendw o gegen die O berbürgerm eister wird ja heute eines anderen  be­
Sozialdem okratie vorgebracht wird, m ag es nun lehrt w orden sein, weil er in der Zwischenzeit er­
w ahr oder u n w ah r sein, begierig sam m elt, um  es fahren hat, welche Personen  sich an  der S te lle  dieser 
u n te r  das Volk zu bringen, um  dem Volke auf diese Gesellschaft seinerzeit befunden haben. Ic h  will 
Weise eine ganz falsche Vorstellung von der Sozia l­ auf einen F a ll speziell noch hinweisen, den bereits 
dem okratie zu machen und um  womöglich neues m ein Kollege Hirsch anführte, es ist dies der F a ll 
M ate ria l zu einer Zuchthausvorlage zusam m en­ m it dem W agenum w erfen. I n  dem  G erichts­
zutragen. G erade desw egen hielten w ir es für te rm in  ist definitiv festgestellt w orden, daß eine 
nötig, um  von vornherein einem  derartigen  An­ A ussperrung stattgefunden hat. I n  der Sitzung 
griffe g ew ap p n e t gegenüber zu sein, den durch am  15. M ai und auch in  den letzten Sitzungen, die 
nichts begründeten B ehaup tungen  des H errn  O ber­ w ir hatten , w urde im m er behauptet, es sei ein 
bürgerm eisters die gerichtlich erwiesenen Tatsachen S treik  gewesen, S treik und Streik. E s ist aber ge­
gegenüberzustellen. Ob der Reichsverband zur richtlich festgestellt w orden, daß von einem  S treik 
V erleum dung der Sozialdem okratie, von dem  ich keine Rede sein konnte, sondern daß es sich um  eine 
hier gesprochen habe, von den B erichtigungen A ussperrung handelte. E s ist ein gew altiger U nter­
K enntn is n im m t, das weiß ich nicht; ich glaube es schied zwischen S treik  und A ussperung. D ie Leute 
nach dem, w as w ir bisher von dem V erbände erlebt sind von der Gesellschaft auf das S traßenpflaste r 
haben, nicht. Aber schließlich teile ich ja  die Berichti­ gesetzt w orden.
gung auch nicht jenen H erren m it, sondern ich spreche D er H err O berbürgerm eister w ar so freundlich, 
n u r fü r anständige Leute, und die gehören bekannt­ in seinen A nführungen am  15. M a i folgendes zu 
lich nicht dazu. sagen, a ls die F rage  aufgew orfen w urde, ob der 
M eine H erren, ich komme dam it zum Schluß V ertre te r der O rganisation, der ich seinerzeit w ar, 
und  möchte S ie  dringend bitten, daß auch dann, berechtigt gewesen ist, an  den B era tu n g en  m it der 
w enn es sich bloß um  A rbeiter handelt, hier im Geschäftsleitung teilzunehm en: „zu welchemZwecke 
S a a le  eine gewisse Gerechtigkeit geübt wird und daß diese Person  an  den B era tu n g en  teiln im m t —  doch 
m an  es künftig u n te rläß t —  sowohl auf S e iten  des nicht etw a, um  F rieden  zwischen die P a rte ie n  zu 
M agistra ts a ls auf S e ite  der H erren Kollegen — , bringen, sondern um  U nfrieden zu stiften." —  M eine 
bei jeder G elegenheit, wo irgendw ie D ifferenzen Herren, so lange ich mich in der allgem einen B e­
zwischen A rbeitnehm ern und A rbeitgebern vor­ w egung befinde, habe ich stets und ständig verm ittelt 
kommen, sofort auf die A rbeitnehm er loszuhauen und zum  F rieden  gewirkt. D as  beweist auch das 
und die haarsträubendsten D inge über die A rbeiter Z u trau e» , das m ir m eine W ähler entgegengebracht 
zu erzählen. W enn w ir alle in diesem S in n e  zu haben, indem  sie mich in  das S ta d tp a r la m e n t h inein­
handeln bestrebt sind, dann, hoffe ich, w erden in dirigiert haben. D a s  ist ein Z u trau en , auf das ich 
Zukunft derartige unangenehm e D ebatten , wie w ir mich wohl stützen kann.
sie am  15. M ai gehabt haben, nicht w ieder stattfinden. E s ist aber dann  noch von seiten des H errn  
O berbürgerm eisters behaup te t w orden, die O rgani­
Vorsteher Kaufmann: Ic h  glaube, daß der sation hätte  sich in diesen B etrieb  h ineingedrängt. 
H err Kollege Hirsch seine sonst so ruhigen A us­ Ic h  will I h n e n  einen Ausspruch des H errn  D irektors 
führungen am  Schluß m it einer kleinen Entgleisung W erner zum Besten geben, der folgenderm aßen 
ausgestattet hat. Ic h  kenne nicht die H erren, die lau te t: E s ist im m er besser, w enn ein V ertre te r von 
dem  V erbände zur B ekäm pfung der Sozialdem o­ Ih n e n  anwesend ist, weil m it den ungebildeten 
kratie angehören. L euten  sich schlecht verhandeln läßt. —  Hier w ar es 
(Z u ru f: E r hat gesagt „zur V erleum dung"! —  also die Gesellschaft selbst, welche verlangte, daß ein 
S tad tv . Hirsch: D as w ar keine Entgleisung, das V ertre ter an  den V erhandlungen  teilnehm en sollte. 
w ar Absicht!) S ie  w erden dann  w eiter in  den abgeschlossenen 
E s ist'von Ih n e n  gesagt w orden, S ie  teilen das n u r Protokollen stets die N am en der V ertre te r m einer 
fü r anständige Leute m it. O rganisation finden. I n  allen V erhandlungen, 
(S ta d tv . Hirsch: Nein, ne in ! —  Z u ru fe . Ja w o h l!)  die w ir seit dem J a h re  1902 m it dieser Gesellschaft 
Ic h  kenne die H erren nicht, möchte aber hier fest­ gepflogen haben, haben w ir im m er im  besten E in­
stellen, daß dieser Ausdruck nicht passend ist fü r einen vernehm en gestanden und haben den besten Weg 
V erband, dessen M itglieder ich zw ar nicht kenne, die zum  F rieden  gefunden. S ie  sehen also daraus, 
w ir aber hier nicht a ls nicht anständige. Menschen be­ m eine H erren, daß der H err O berbürgerm eister voll­
zeichnen dürfen. ständig falsch unterrichtet w ar.
        
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