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Periodical volume 23. September 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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Stadtv. Br. Penzig: N ur wenige W orte! er möge für eine Beschleunigung des B aues sorgen 
W enn m an ein neues Fach einführen will, so D araus hat der Herr S tadtverordnete dann den 
findet m an natürlich bei allen denen, die das Alte Schluß gezogen: es scheint im M agistrat etwas 
verteidigen, den größten Widerstand. Ich  gestehe langsam in dieser Sache vorw ärts zu gehen. Darin, 
zu, daß es sich um  ein neues Fach handelt; denn meine Herren, muß ich einen Vorwurf erblicken, 
ich bin ganz und gar nicht -mit der Art und Weise und diesen V orw urf halte ich nicht für gerecht­
einverstanden, daß m an nur gelegentlich im deut­ fertigt und muß ihn zurückweisen. Es ist, seitdem 
schen Unterricht, M athematik- und Geschichts­ wir M ittel in der Anleihe vorgesehen haben, 
unterricht moralische Belehrungen erteilen sollte. wiederholt in der D eputation darüber verhandelt 
Es handelt sich tatsächlich um einen systematischen, worden; es sind gewisse Beschlüsse gefaßt worden, 
direkten Unterricht, der die jungen Leute in die welche eine Unterlage für das neue Projekt bilden 
sittlichen Verhältnisse unseres ganzen Lebens ein­ können; der neue Herr B aura t ist wiederholt er­
führen soll. Ich kann aber dem Herrn S ta d t­ sucht worden, in dieser Richtung zu arbeiten, und 
schulrat erwidern, daß, wie die Verhältnisse liegen, ich habe die Nachricht von ihm bekommen, daß das 
es sich augenblicklich nicht darum  handelt, in die geschieht. Es geht aber, da es sich hier um  ein 
obligatorische Fortbildungsschule ein obligatorisches ganz neues, umfangreiches Unternehmen handelt, 
neues Fach einzuführen, sondern nur darum, nicht so schnell, wie Herr S tadtverordneter Vogel 
fakultativ die Sache zu machen. Fakultativ würde vielleicht denken mag. Ich bitte, doch unserem 
ich die Sache um so lieber machen, weil m ir um Herrn S tad tbau ra t so viel Zeit zu lassen, daß er 
den Erfolg gar nicht bange ist. Überall, wo in der ein wirklich gutes Projekt vorlegt und nicht ein 
Schweiz, in Amerika, in Deutschland, in Belgien, überhastetes. Selbstverständlich haben wir den 
in Holland dergleichen Unterweisung bereits statt­ Wunsch, daß wir so schnell wie möglich ein eigenes 
gefunden hat, hat sich gezeigt, daß dies einem Gebäude für die obligatorische Fortbildungsschule 
ungeheuren Bedürfnis der jungen Leute entgegen­ bekommen, und nicht nur für diese, sondern auch 
kommt, daß die jungen Leute geradezu dahin für die anderen Fortbildungsschulen und erst recht 
stürmen, weil sie vollständig schütz- und führerlos für die Gemeindeschulen, wo wir im Rückstände 
in das Leben losgelassen worden sind. sind. Aber wir müssen doch mit den vorhandenen 
W enn nun der Herr Stadtschulrat meinte, Kräften rechnen. Unser Herr S tad tbau ra t ver­
daß der M agistrat sich von vorsichtigen Erwägungen sicherte m ir wiederholt, daß es nicht möglich ist, 
habe leiten lassen, unter anderen auch von der E r­ schneller zu arbeiten.
wägung, daß dann auch von der Seite der jetzigen 
Landtagsm ehrheit und von kirchlicher Seite weitere Stadtv. V ogel I: Einen Vorw urf habe ich 
Anforderungen an die Fortbildungsschule erhoben bent Herrn Stadtschulrat und dem Herrn S ta d t­
werden könnten, so würdige ich diese Bedenken baurat nicht machen wollen; denn ich weiß, wie 
vollständig. Ich  möchte nur, um  die Befürchtungen lebhaft sie sich dafür interessieren. Aber es hängt 
nicht allzu groß anschwellen zu lassen, noch be­ nicht allein vom Herrn Stadtschulrat und vom 
tonen, daß sich allerdings die Kirche in eine merk­ Herrn S tad tbau ra t ab; es sind auch noch andere 
würdige S tellung begeben würde, wenn sie für Mitwirkende dabei — Kämmerer usw.
diejenigen Schüler, die bereits die Konfirmation (Heiterkeit.)
hinter sich haben, nun noch Religionsftunden ein­ Ich  bin eben von dem Rektor und den Lehrern 
führen wollte. Die Kirche hat in unseren Elemen­ ersucht worden, ich möchte es anregen, daß so 
tarschulen bekanntlich 4 S tunden  wöchentlich, bei schnell wie möglich ein eigenes Gebäude errichtet 
40 Schulwochen sind das jährlich 160, bei 8 Schul­ wird.
jahren 1280 Religionsstunden; wenn sie in diesen (Die Beratung wird geschlossen.)
1280 Religionsstunden nicht dazu gekommen ist, 
den jungen Leuten vom 6. bis 14. Lebensjahr Berichterstatter Stadtv. Holz (Schlußwort): 
einen Führer durchs Leben beizugeben, so weiß Wir können Herrn Kollegen Zielsch sehr dankbar 
ich nicht, wie sie es motivieren will, daß sie bei sein, daß er meine kurzen Ausführungen über die 
den wenigen fakultativen S tunden, die für die langen Verhandlungen des Etatsausschusses wirk­
Fortbildungsschule noch verbleiben, dies nachholen sam ergänzt hat. Ich  freue mich auch, daß er auf 
könnte. Jedenfalls würde sie ja die Konfirmation, den vom Herrn Stadtschulrat vorgelegten S tunden­
durch die sie die jungen Leute für reif fürs Leben plan eingegangen ist, wenn ich auch nicht in allen 
erklärt hat, gewissermaßen annullieren. Es würde Punkten m it ihm übereinstimmen kann.
selbstverständlich der Theologie und der B ureau­ W as zunächst das Strafrecht anbetrifft, so 
kratie gelingen, sich auch über diesen direkten folgt ja schon aus den von dem Herrn Stadtschulrat 
Widerspruch irgendwie hinweg zu setzen. Ich angegebenen Daten, aus dem In h a lt  des S tunden­
möchte aber noch darauf aufmerksam machen, daß planes, daß eine derartige Differenzierung jetzt 
die Fortbildungsschulen dem M inisterium für Han­ schon vorhanden ist, daß es wirklich schwer ist, 
del und Gewerbe unterstehen und nicht dem Kultus­ so tief in die M aterien einzudringen, wie es Kollege 
ministerium; es müßte also auch da erst wieder Zietsch wünscht. Ich  kann es m ir auch vom 
eine Änderung stattfinden. pädagogischen Standpunkt überhaupt schwer vor­
Jedenfalls bitte ich, daß die Herren die Sache stellen, wie bei den fluktuierenden Klassen es 
durchaus im Auge behalten. S ie ist wahrlich des möglich sein soll, auf dem Gebiete des Rechtslebens 
Schweißes der Edlen und des ganzen Volkes wert. den Unterricht so zu erteilen, wie Herr Kollege 
(B rav o !) Zietsch es verlangt hat. Ich glaube daher, daß 
besonders der Unterricht auf dem Gebiete des 
Stadtschulrat Dr. Reusert: Wenn ich Strafrechts nur ganz unvollkommen sein würde. 
Herrn S tad tv . Vogel richtig verstanden habe, so Ich  für meine Person möchte noch besonders her­
haben sich Lehrer unserer obligatorischen F o rt­ vorheben, daß ich auf die Omission in dieser Be- 
bildungsschule an ihn gewandt mit einer B itte, zeihung gar kein Gewicht lege. Denn w as ein
        
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