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Periodical volume 18. März 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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wird m an seine Schlüsse ziehen können; oder so wird er es erleben, daß wir noch recht oft gegen 
wenn eine Antwort kommt, die uns nicht befriedigt, seine Anträge stimmen werden.
dann wird m an auch seine Schlüsse ziehen können. (Heiterkeit.)
Ich glaube, gestern in den Zeitungen gelesen zu 
haben, daß an die Schuldirektoren in Berlin ein Stadtv. Dr Stadthagen: Ich  kann nur be­
Rundschreiben erlassen ist wegen der schnellen stätigen — und ich glaube, im Namen der großen 
Leerung der Schulen bei Feuersgefahr; nach den M ehrheit des Ausschusses sprechen zu dürfen — , 
Ausführungen des Herrn Stadtschulrats würde daß wir nicht aus Gründen der Zuständigkeit die 
ja auch dann die Schuldeputation nicht befugt Resolution abgelehnt haben, sondern lediglich da­
gewesen sein, dieses Rundschreiben an die Direk­ rum, weil wir weder gegen unsere Direktoren 
toren zu erlassen; dann würde m an überhaupt noch gegen unsere Lehrer auch nur irgendein M iß­
keine M einung von sich geben können in bezug trauen auch nur in geringstem Umfange aus­
auf die Schulen. Ich bin der M einung, bei einer sprechen wollten. D as, glaube ich, war die S tim ­
derartig wichtigen Sache würde es durchaus nichts mung im Ausschuß. Bei allem Bedauern über 
verschlagen, wenn der Magistrat Veranlassung den Fall müssen wir daran festhalten und können 
nimmt, eine Erklärung abzugeben, ohne dadurch es auch hier nur tun, daß wir das weitgehendste 
gegen die städtischen Schuldirektoren ein M iß­ V ertrauen zu unsern Lehrern und Direktoren be­
trauen zu äußern. Ich bin der M einung, daß es kunden.
das Recht der S tad t Charlottenburg ist, wegen Ich möchte aber nun, um  nicht noch einmal 
ihrer eigenen Schulen eine Erklärung abzugeben, später das W ort ergreifen zu müssen, bei diesem 
die die Bürgerschaft beruhigt, und diese Erklärung Kapitel I I  noch einen Punkt erw ähnen; er betrifft 
w ar in diesem oder einem ähnlichem Antrage — die Frage, über die wir auch im Ausschuß debat­
es ist ja ganz gleich, wie er lautet — zum Ausdruck tiert haben, ob das S c h u l g e l d  f ü r  a u s ­
gebracht worden. Ich erkläre aber wiederholt: ich w ä r t i g e  S c h ü l e r  erhöht werden soll. Ich 
lege kein Gewicht auf Abstimmung, weil ich über habe im Ausschuß darauf verzichtet, einen Antrag 
das Schicksal der Abstimmung im klaren bin. zu stellen, weil die Angelegenheit in Berlin noch 
nicht geklärt war. Augenblicklich ist die S ituation 
Stadtv. Hirsch: M eine Herren, wenn im anders: wie ich im Ausschuß vorhergesagt, ist eine Vorlage in Berlin angenommen worden, nach der 
Ausschuß nur eine Resolution beantragt worden das Schulgeld für ausw ärtige Schüler von 140 M  
wäre, die nichts weiter besagt hätte als eine Er­ auf 180 M  erhöht wird, sodaß jetzt Berlin für aus­
klärung zur Beruhigung der Bürgerschaft, dann wärtige Schüler ein höheres Schulgeld erhebt als 
hätten meine Freunde vielleicht dafür gestimmt. Charlottenburg. Ich sehe davon ab, heute einen 
Aber in Wirklichkeit verhält es sich nicht so, sondern 
die Resolution, welche vom Herrn Kollegen Holz Antrag zu stellen, möchte aber den M agistrat bitten, doch die Frage im Auge zu behalten, ob 
im Ausschuß beantragt worden war, war ein direk­ sich nicht d u r c h  e i n e  g e m e i n s a m e  B e ­
tes M ißtrauensvotum  gegen die Direktoren der s p r e c h u n g  m i t  w i c h t i g e n  G e m e i n ­
hiesigen Lehranstalten. d e n  G r o ß - B e r l i n s ,  i n  e r s t e r  L i n i e  
(S tadtv . Holz: Keine S p u r!) m i t  B e r l i n  s e l b s t ,  dieses gegenseitige Über­
Dazu lag keine Veranlassung vor. Es ist doch ein holen einmal beseitigen läßt. Ich halte es für keinen 
weiter Unterschied, ob ich einen Fall bedaure, oder gesunden Zustand, daß immer einer der großen 
ob ich aus Anlaß dieses Falles gegen einen ge­ Vororte nach dem andern kommt und das Schulgeld 
samten S tand , dem derjenige, dem der Fall zur über das der Nachbargemeinde setzt. Wir müssen 
Last fällt, angehört, ein M ißtrauensvotum  aus­ zu einem einheitlichen Zustande kommen, daß wir 
spreche. ein e i n h e i t l i c h e s  S c h u l g e l d  i n  g a n z  G r o ß - B e r l i n  haben, und daß a u c h  d a s  
Herr Kollege Holz sagte, meine Freunde S c h u l g e l d  f ü r  a u s w ä r t i g e  S c h ü l e r  
hätten im Ausschuß gegen eine Resolution ge­ e i n h e i t l i c h  erhoben wird. Sonst wird es 
stimmt, die unsern Direktoren das V ertrauen aus­ immer wieder vorkommen, daß Eltern ihre Kinder 
spricht. D as ist nicht der Fall. I n  dieser Resolution aus pekuniären Gründen in einen andern Vorort 
kam allerdings das W ort „V ertrauen" vor; aber gehen lassen, was pädagogisch jedenfalls nicht 
trotzdem w ar sie ein M ißtrauensvotum  schlimmster wünschenswert ist.
Art. S ie  lautete nämlich: die S tadtverord­
netenversammlung vertraut darauf, daß unsere Stadtschulrat Dr Ncufert: Vor wenigen T a­
Direktoren das nicht tun  werden. W enn wir eine gen ist allerdings in Berlin der Beschluß gefaßt 
solche Resolution annehmen würden, so würde das worden, das Schulgeld für ausw ärtige Schüler 
doch, obwohl es eingangs heißt: die „S tad tver­ von 140 M  auf 180 M  zu erhöhen. D as bedeutet, 
ordnetenversammlung vertraut darauf", invol­ daß zum erstenmal in Berlin ein Fremdenschul­
vieren, daß wir unter Umständen unseren Direk­ geldzuschlag eingeführt worden ist. Wir in Char­
toren oder auch unseren Lehrern ein solches Vor­
gehen zutrauen. Dazu lag für uns absolut keine lottenburg haben einen solchen Zuschlag genau von derselben Höhe bereits seit einer Reihe von 
Veranlassung vor. D as w ar der Grund, aus dem Jah ren , seit dem 1. Oktober 1903. D a nun Berlin 
wir — und ich glaube, auch die M ehrheit des Aus­ von Einheimischen und A uswärtigen bisher 140 M  
schusses — gegen den Antrag Holz gestimmt haben. nahm, so haben wir von den Berliner Kindern 
W arum  Herr Kollege Holz gerade meine F reun­ immer 20 M  mehr eingezogen als Berlin von 
de herausgreift, weiß ich nicht. Er scheint der den Charlottenburger Kindern.
M einung zu sein, daß wir verpflichtet wären, für D am als, als wir jenen Beschluß faßten, war 
alle seine Anträge zu stimmen. Eine solche Ver­ gesagt und mehrfach unterstrichen worden:
pflichtung sind wir nicht eingegangen, und wenn M it der M aßgabe, daß bis zum 1. April
Herr Kollege Holz nicht andere Anträge stellt, 1910 an allen höheren Lehranstalten, mit
        
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