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Periodical volume 11. März 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

Krem atorium s und einer Urnenhalte zu ver­ eines Krem atorium s gänzlich unabhängig sind: 
quicken verpflichtet ist, ebenso wenig ist man das ist einmal die kommunale Aufsicht über das 
genötigt, die Frage der Errichtung eines Begräbniswesen, die m an vollkommen ebenso 
Krem atorium s mit dem B au einer Urnen­ ausüben kann, auch wenn die Leichen auf konfes­
halle zu verbinden. Errichten S ie  doch Urnen­ sionellen Friedhöfen beerdigt werden, und ferner 
hallen, ohne die andere Frage, die Errichtung eines die Errichtung der Urnenhalle. Es ist deshalb 
Krematoriums, gelöst zu sehen! W enn S ie  Urnen­ durchaus nicht einzusehen, warum  uns nicht jetzt 
hallen errichten, so ist das an und für sich schon ein schon das M aterial über diese Dinge vorgelegt 
Protest gegen die rückschrittliche Kultur, die man in werden soll. Der Antrag Jolenberg scheint m ir 
Preußen jetzt vertritt. Es kommt dabei doch noch also ganz selbstverständlich zu sein, und ich möchte 
in Frage, daß der Gedanke der Feuerbestattung S ie dringend bitten, ihn anzunehmen, und den 
in weiteren Kreisen der deutschen und preußischen M agistrat auch dringend bitten, diesem Antrage 
Bevölkerung Fortschritte macht. Es lassen sich heute Folge zu geben.
viel mehr Leute in Gotha, Jen a , Hamburg usw. W as nun die Errichtung eines Krematoriums 
verbrennen, als es früher der Fall gewesen ist. anlangt, so gebe ich Herrn Kollegen Landsberger 
Ich  erinnere daran, daß kleine thüringische Städte, Recht, daß es nicht opportun wäre, heute das 
z. B . die meiningsche S tad t Pößneck m it 14 000 Krematorium zu bauen, wenn m an noch nicht 
Einwohnern, Verbrennungsöfen errichtet haben. weiß, ob man es benutzen kann.
Die Verbrennungen haben sich vermehrt und (S ehr richtig!)
werden noch zahlreicher werden. Es bedeutet nur Aber ehe das Krem atorium  gebaut werden kann, 
ein Entgegenkommen gegen diejenigen Bürger, sind gewisse Vorarbeiten notwendig,
die sich verbrennen lassen wollen, daß m an ihren (Sehr richtig!) 
Hinterbliebenen die Möglichkeit gibt, die Asche und diese Vorarbeiten — die Auswahl eines 
der verstorbenen Angehörigen in einer Halle oder Platzes, der Entwurf, die Kostenberechnung usw. 
einem Urnenhain aufzustellen, der nicht meilen­ — können ruhig gemacht werden, wie wir das 
weit von der Wohnung entfernt liegt. bei so und so vielen anderen B auten auch schon ge­
Aus diesen G ründen heraus möchte ich auch tan  haben, deren Ausführung wir dann trotzdem 
befürworten, später, wenn das M aterial vorliegt bis zu einem günstigen M om ent vertagten. Es ist 
und darauf Bezug genommen werden kann, den immerhin zu hoffen, daß das Oberverw altungs­
Antrag zu stellen, daß wir, unabhängig von der gericht in seinen Entscheidungsgründen sich den 
Errichtung eines Krem atorium s, m i t . dem B au Vorgerichten anschließen wird, und ich kann mir 
einer Urnenhalle oder eines Urnenheimes vor­ nicht recht denken, daß die preußische Regierung in 
gehen. solchen Fällen sich dann nicht ebenso verhalten 
sollte wie die sächsische Regierung, die früher genau 
Stadtv. Dr. Landsberger: Meine Herren, so wie die preußische sich dem geistlichen Einspruch 
dem Wunsche des Herrn Kollegen Stadthagen, gefügt hatte und vielleicht ganz froh war, nun einen 
daß wir einmütig seinem Antrage zustimmen, Grund zu haben, sich diesem Einsprüche zu ent­
kann ich bedauerlicherweise, soweit ich dazu bei­ ziehen. Ich  würde es jedenfalls für opportun 
tragen kann, nicht genügen. Ich  würde mich im halten, daß wir uns rüsten, um  im gegeben M om ent 
wesentlichen den Ausführungen des Herrn Kol­ m it der Errichtung des Krem atorium s vorgehen 
legen Zietsch anschließen können. Bestrebungen zu können. I n  diesem S inne möchte ich den Antrag 
für die Errichtung eines kommunalen Friedhofs S tadthagen empfehlen.
würde ich möglichst fördern: ich würde auch Be­
strebungen auf Errichtung einer Urnenhalle nicht (Die Beratung wird geschlossen. Die Ver­
widersprechen, obwohl ich, wie ich früher schon au s­ sammlung stimmt den Anträgen der S tad tver­
geführt habe, Urnenhallen nicht gerade für Dinge ordneten Dr. S tadthagen und Jolenberg zu.)
halte, die zu fördern richtig ist; denn sie drohen Borsteher-Stellv. Dr. Hubatsch: Frage 16. — 
einem neuen Kult die T ür zu öffnen. Ich  halte Frage 17. — Frage 18 ist erledigt. — 19. — 20.
sie für entbehrlich: die Asche der Verstorbenen 
kann ruhig da verbleiben, wo der Rest des Ver­ Stadtv. Dr. Spiegel: Meine Herren, die Ver­
brennungsprozesses verbleibt. Indessen, m an kann kehrsmisere bleibt nach der Auskunft, die der M a­
sich ja manchen Bestrebungen gegenüber unbe­ gistrat zur Frage 20 gibt, bestehen, und zwar in 
dingt ablehnend verhalten, und wer die Urnen­ ihrer vollen Schärfe bestehen. Selbst wenn die 
hallen durchaus für erforderlich hält, wird schwer­ Verhandlungen über die eine geplante Automobil­
lich davon abzubringen sein. Dagegen spreche ich omnibuslinie zum guten Ziele führen, so hätten 
mich ganz entschieden dagegen aus, daß der M a­ wir dam it eine Verbindung, die für die wesent­
gistrat ersucht werden soll, geeignete Schritte zu lichsten Zwecke unserer Einwohnerschaft recht wenig 
unternehmen, um  ein Krem atorium  zu errichten. Neues bringt: wir hätten eine Verbindung vom 
K r e m a t o r i e n  a u f  V o r r a t  z u  b e ­ Charlottenburger Schloß zum Berliner Schloß, 
w i l l i g e n ,  b i n  ich n i c h t  g e n e i g t .  S o ­ mit der Ausnahme, daß diese Verbindung nicht 
lange nicht die gesetzliche Lage, sei es durch den mehr wie bisher auf dem geraden Wege durch die 
Spruch des Oberverwaltungsgerichts, sei es durch Berliner S traße, sondern erst durch die Kaiser- 
die Haltung der preußischen Regierung, geklärt Friedrich-Straße und dann über den Kurfürsten - 
ist, würde ich entschieden gegen die Errichtung dämm geht. D am it ist dem wirklichen Verkehrs­
von Krematorien, die m an nicht benutzen könnte, interessen unserer S tad t, namentlich dem B edürf­
stimmen. nis der arbeitenden Bevölkerung, von ihrem Wohn­
bezirk zum Arbeitsbezirk zu gelangen, gar nicht 
Stadtv. Dr. Spiegel: Meine Herren, es gibt gedient. Es hat nun auch schon der Vorstand vor­
hier zwei Dinge, die von der Errichtung eines Ge­ geschlagen, den Magistrat zu ersuchen, daß er 
meindefriedhofs und auch von der Genehmigung die Errichtung von Dampfomnibuslinien nach
        
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