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Periodical volume 11. März 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

beschnitten wirb, ist ihre und die Existenz der darauf verweisen, daß das Oberverwaltungsgericht 
Stadtsynode, die ihre Finanzen durch die spätere in dem Falle Hagen noch keine Entscheidung ge­
Übernahme in eigene Regie stärken will, gefährdet. fällt hat. S e it M onaten liegt die Sache beim Ober­
Deshalb wird sich unsere Regierung meines Erachtens verwaltungsgericht. Es kann ja sein, daß bald die 
auch n i c h t  entschließen, ihre schützende Hand den Entschei ung bezüglich des Krem atorium s in Hagen 
o r t h o d o x e n  Kirchenbehörden zu entziehen. fallen wird. Nehmen wir an, daß das Oberver­
D e s h a l b  s t r ä u b t  m a n  s i ch a u c h  g e g e n  waltungsgericht sich auf den gleichen Standpunkt 
d i e  E i n f ü h r u n g  d e r  — a u c h  n u r  stellt wie die übrigen Instanzen, daß das Verbot 
f a k u l t a t i v e n —L e i c h e n v e r b r e n n u n g .  der Regierung, dort Leichen verbrennen zu lassen, 
Ich  wünsche jedenfalls sehr, daß wir einen in ter­ zu Unrecht besteht, dann würde der Weg vollkommen 
konfessionellen Kommunalfriedhof bekommen. frei sein. Es wird aber von manchen Seiten  be­
zweifelt, daß es so kommen wird, sondern man 
Borsteher-Stellv. Dr Hubatsch: Frage 15. nim m t an, daß nach irgend welchen Richtungen 
von der Regierung Schwierigkeiten gemacht werden, 
Stabtb. Jolcnberg: Am 19. Dezember 1906 die die Verbrennung in Hagen nicht zur T at werden 
hat die Versammlung den M agistrat ersucht, E r­ lassen. T ritt der erste Fall ein, dann würden wir 
hebungen darüber anzustellen, welche Gemeinden alle Veranlassung haben, auch unsererseits an die 
sich der Aufsicht über das Begräbniswesen unter­ Frage heranzutreten, ob wir nicht auch i n u n - 
zogen und welche Gemeinden Leichenverbrennungs­ s e r e r  G e m e i n d e  e i n  K r e m a t o r i u m  
ösen und Urnenhallen oder Urnenhaine errichtet bauen und für die A u f st e l l u n g v o n U r  n e n- 
haben. Der M agistrat antw ortete darauf, daß h a l l e n  sorgen wollen, g a n z  a b g e s e h e n  
das M aterial gesammelt sei und vorgelegt werden v o n  d e r  F r a g e  d e s  G e m e i n d e f r i e d ­
könne. „Es ist bisher zurückbehalten worden, weil h o f s ,  die vielleicht noch Jah re  oder ein J a h r ­
es zweckmäßig erschien, vorerst das Ergebnis unserer zehnt spielen wird. I n  diesem Falle wäre es 
Anträge wegen landespolizeilicher Genehmigung zweckmäßig, wenn die Annahme des vorliegenden 
eines Gemeindefriedhofs abzuw arten". Diese Antrages auch durch den M agistrat jetzt erfolgte.
Antwort befriedigt mich nicht. Die Verhandlungen Nehmen wir an, die Sache würde sich nicht 
vom 19. Dezember 1906 m ußten auch beim M agi­ so leicht erledigen, dann stehen einige der Herren, 
strat den Eindruck hinterlassen, daß die S tadtverord­ die den Antrag unterschreiben haben, auf dem 
netenversammlung von dem Ergebnis der E r­ Standpunkt, daß es trotzdem richtig sein würde, 
hebungen so schnell wie möglich Kenntnis zu er­ ebenso wie Hagen die In itia tiv e  zu ergreifen zum 
halten wünscht. B au eines Krem atorium s. M eine Herren, wir 
Ich  möchte m ir nun die Anfrage an den haben die Ansicht, daß, wenn die S täd te den festen 
M agistrat gestatten, ob er bereit ist, der S ta d t­ Willen bekunden, für diejenigen ihrer Bürger, 
verordnetenversammlung das Resultat der E r­ die es wünschen, zur Leichenverbrennung über­
hebungen zugehen zu lassen. D ann würde m ir zugehen, und wenn erst viele S täd te  diesen Willen 
und auch Ih n e n  ein näheres Eingehen auf die durch den B au von Krematorien bekundet haben, 
damaligen Verhandlungen erspart bleiben. dann die Regierung nachgiebiger werden wird.
(Zuruf: Hoffentlich! — Heiterkeit.)
Bürgermeister M ailing: Selbstverständlich —  Hoffentlich! — Insofern  würden wir also auch 
ist der M agistrat bereit, Ih n e n  das M aterial vor­ dann den Antrag nicht für verfrüht halten, sondern 
zulegen, das fix und fertig gesammelt vorliegt, wir erachten es für notwendig, in jedem Falle auf 
wenn S ie  den Wunsch aussprechen. Aber ich möchte dem Wege vorzugehen.
wirklich meinen, daß wir vorläufig doch erst einmal M eine Herren, ich darf noch dem Wunsche 
die grundsätzliche Entscheidung wegen des Ge­ Ausdruck geben, daß die Regierung nicht den zweit­
meindefriedhofs abw arten sollten, ehe wir in die genannten Weg beschreiten und weitere Schwierig­
F rage eintreten, ob wir auf dem Gemeindefried­ keiten machen wird. Ich spreche die Hoffnung 
hofe — anders kann ich es m ir nicht denken — aus, daß, wenn das Oberverwaltungsgericht günstig 
derartige Urnenhallen einrichten wollen. Die E r­ entschieden hat, dann auch die Regierung keine 
richtung selbständiger Urnenhallen scheint m ir nicht weiteren Schwierigkeiten bereiten wird. Ich  hoffe 
wünschenswert zu sein. W enn S ie sich aber die auch, daß, selbst wenn das Oberverwaltungsgericht 
M ühe machen wollen, diesen Gegenstand heraus­ ungünstig entscheiden sollte, d i e  R e g i e r u n g  
zuschälen und besonders zu bearbeiten, dann stelle i n  d i e s e r  F r a g e  d e n  l i b e r a l e n  F o r ­
ich anheim, so zu beschließen. D as M aterial wird d e r u n g e n  d e r G e g e n w a r t  e n t g e g e n ­
Ih n e n  dann vorgelegt werden. k o m m e n  w i r d .  Ich  hätte gewünscht, daß 
m an das getan hätte, e h e  überhaupt das Ober­
Borsteher-Stellv. Dr Hubatsch: Es ist ein verwaltungsgericht zu dieser F rage S tellung nahm. 
A ntrag eingegangen, unterschrieben von den Herren Hier hatte die Regierung wirklich Gelegenheit, 
S tadtverordneten Dr S tadthagen, Jachm ann, den kommunalen Wünschen einmal in  liberaler 
Jo lenberg , Wöllmer, Otto usw.: Beziehung entgegenzukommen, ohne eine solche 
Es wird beantragt, den M agistrat zu ersuchen, Sache bis zum Oberverwaltungsgericht zu treiben. 
a) für Anlage eines Verbrennungsofens, Ich bedauere, daß das bisher nicht geschehen ist; 
b) für Anlage einer Gemeindeurnenhalle mit vielleicht geschieht es noch.
Gedächtniskapellen (gegebenenfalles unter Ich bitte S ie  also, meine Herren, möglichst 
der Erde in zentraler Lage der S tad t) einstimmig unsern Antrag anzunehmen. Alle die 
die geeigneten Schritte zu tun. Punkte, die seinerzeit bei dem einen oder andern 
Kollegen noch Bedenken erregt hatten, sind heraus­
Stadtv. Dr Stadthagen: Meine Herren, gebracht worden. Ich hoffe daher auf möglichst 
ich will es möglichst kurz machen und will S ie  nur einstimmige Annahme.
        
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