Path:
Periodical volume 11. März 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

D ann ist die komplizierte F rage zu entscheiden, i  I n  dem Antrage der S tad tv . Zietsch und Gen. 
ob den B eiträgen und den Unterstützungen zugrunde ist das W ort „Heimarbeiter" zu ersetzen durch 
gelegt werden soll der ortsübliche Lohn oder ein das W ort „Hausgewerbetreibende".
Prozentsatz des wirklichen Arbeitsverdienstes. F ü r 
letzteres Verfahren spricht, daß gerade bei den S tad tv . Lissauer: M eine Herren, ich wollte 
Hausgewerbetreibenden der verdiente Lohn den mich auch nach der ausführlichen Darlegung des 
einzigen Maßstab bildet für die Bemessung der auf­ Herrn Antragstellers darauf beschränken, zu 
gewendeten Tätigkeit. Auch würde sich dadurch die erklären, daß jedenfalls meine Freunde m it dem 
Haftpflicht des Arbeitgebers für seine Hausgewerbe­ Vorschlage und dem Antrage einverstanden sind. 
treibenden, Zwischenpersonen und deren Hilfs­ Aber es geht m ir genau so wie dem Herrn V orredner: 
personen sachgemäß durch einen Prozentsatz des auch ich fühle mich veranlaßt, die Motive des Herrn 
tatsächlich ausgezahlten Lohns beschränken, ohne Antragstellers etwas zu beleuchten. Ich glaube, 
daß ein Rückgriff des einen Arbeitgebers auf den es ist nicht praktisch, daß, wenn m an Anträge stellt, 
andern bei gleichzeitiger Beschäftigung sich als nötig die von allen Seiten  auf Zustimmung rechnen 
herausstellen würde. können, m an die Begründung m it einer derartig 
uti D as, meine Herren, sind nur einige wenige von scharfen Kritik durchsetzt, namentlich gegenüber einer 
den Fragen, die untersucht werden müssen. Sie sozialen Gesetzgebung wie der unsrigen, die einzig 
werden schon daraus ersehen, daß ich mit Herrn in der Welt dasteht. Herr Kollege Zietsch wird doch 
S tad tra t Voll die Schwierigkeit der M aterie durch­ wohl einräum en müssen, daß es kein anderes Reich 
aus anerkenne. Aber ich muß mich doch auf das in der Welt gibt als das Deutsche, das imstande ist, 
entschiedenste dagegen wenden, daß diese Schwierig­ täglich eine M illion Mark an Versicherungsrenten 
keit der M aterie ein Grund dafür sein soll, ihre und sonstigen Versicherungen zu zahlen. D as kann 
Ordnung hinauszuschieben, bis etwa das Reich dazu man, glaube ich, doch unterstreichen. Wenn damit 
übergeht, das seinerseits zu machen. Herr S tad tra t auch noch nicht das Allervollkommenste geschaffen 
Boll hat gesagt, die Heimarbeiter Charlottenburgs ist, um allen Jam m er und alles Elend der Welt zu 
leiden keinen Notstand. Ich meine, das ist ein beseitigen, so müssen das doch auch die Antragsteller 
M oment, das für uns gar nicht in Betracht kommen anerkennen.
kann. Denn es ist ja die Tendenz der Versicherungs­ Der Herr Antragsteller hat sodann von den­
gesetze, dem Notstände in kritischer Zeit vorzubeugen, jenigen Unternehmern gesprochen, die sich ihren 
dafür zu sorgen, daß alsdann durch die Versicherung sozialen Pflichten zu entziehen suchen. D a möchte 
der Notstand verhindert wird. Und wenn Herr ich m ir doch die Bemerkung erlauben, daß gerade 
S tad tra t Boll meint, daß bisher nur Berlin solche unter diesen sich ein sehr großer Teil von Zwischen­
Vorsorge getroffen habe, so gestatte ich mir, diesen meistern befindet, die, wenn sie sich ihrer sozialen 
I r r tu m  dahin zu berichtigen, daß außer Berlin Pflicht nicht entziehen wollten, es vollständig in der 
meines WissensAachen, Köln, Leipzig, Dresden und Hand hätten, für die Heimarbeiter, die sie be­
noch andere Kommunen ein Ortsstatut für die schäftigen, zu sorgen und die soziale Pflicht der V er­
Heimarbeiterversicherung bereits besitzen. sicherung zu übernehmen.

    
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.