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Periodical volume 26. Februar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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A rm enverw altung in  die Anstalten geschickt. D as m ag sehr schön sein; w ir billigen es durchaus, 
hat große Nachteile zur Folge. Ich  weiß das aus daß an eine solche Einrichtung gedacht w ird ; aber 
m einen E rfahrungen  in der A rm enverw altung w ir dürfen doch nicht vergessen, daß ein W ohnungs­
und auch sonst. E s  sind eine ganze M enge von am i an  sich doch eigentlich gar nichts bedeutet. E in 
Leuten bei m ir gewesen, die m ir geklagt haben: W ohnungsam t, eine W ohnungsinspektion und ein 
„Ich  bin um  Überweisung in eine Lungenheil­ W ohnungsnachw eis haben doch n u r dann eine 
stätte eingekommen, ich habe so lange K arten ge­ B edeutung , w enn Hand in H and dam it auch 
klebt, es ist alles in O rdnung, und jetzt kriege ich p o s i t i v e  M a ß n a h  m e n  zur F ö rderung  
die M itte ilung , daß ich entsendet w erden soll von des W ohnungsbaues gehen, und daß das n o t­
der A rm en v erw altu n g ! Lieber sterbe ich, a ls daß wendig ist, das geht au s  den V erw altungsberichten 
ich das tu e ! Von der A rm cnverw altung lasse ich des M agistrats hervor. I n  jedem J a h re  finden 
mich nicht hinschicken, da verliere ich ja das W ahl­ S ie  in dem Bericht der A rm enverw altung ein 
recht!" Ic h  habe M ühe gehabt, den Leuten klar Klagelied darüber, daß die W ohnungspreise in 
zu machen, daß sie dadurch das W ahlrecht nicht C harlo ttenburg  noch eine beträchtliche Höhe haben, 
verlieren ; die G em einde C harlo ttenburg  ist w eit­ und auch au s dem letzten Bericht, der Ih n e n  vor 
herzig genug, solchen L eu ten  das W ahlrecht zu lassen. w enigen T agen  zugestellt ist, klingt die gleiche 
Aber das können w ir u n s nicht verhehlen: w enn Klage hindurch. D a heißt es:
sich irgendein M itbürger findet, der einm al in D ie Preise fü r Arm en Wohnungen haben 
einem  Falle  die Klage beim O berverw altungs­ nicht nachgelassen, sondern im G egenteil, 
gericht einreicht, dann ist 1000 gegen 1 zu sie haben zum T eil w eitere E rhöhungen 
w etten, daß das O berverw altungsgericht dann gegen das V orjahr erfahren.
auch u n s  gegenüber so entscheiden wird, wie es E s heißt dann  w eiter:
andern  S tä d te n  gegenüber getan  hat, nämlich daß N aturgem äßizw ingen M ietspreise in dieserHöhe 
das a ls A rm enunterstützung anzusehen ist. Die kinderreiche Fam ilien , sich dauernd m it dem 
Folge ist dann, daß die M aßnahm en, namentlich geringsten noch möglichen R aum  zu begnügen 
auf dem Gebiete der Lungenfürsorge, völlig illu­ Ich  hielt es fü r notw endig, w ied erd arau f hinzu­
sorisch gemacht w erden. H ier m uß eine Ä nderung weisen, weil leider die W ohnungsfrage bei uns in 
Platz greifen. D as  Beste w äre, m an  stellt bestimmte C harlo ttenburg so gut wie eingeschlafen ist, und 
F on d s zur V erfügung, wie ja  auch der Reichs­ ich möchte dringend bitten, daß der M ag istra t m it 
kanzler einm al angeregt hat, und m an sorgt dafür, einer neuen V orlage kommt, vielleicht m it einer 
daß die Überweisung, soweit es sich nicht um  wirk­ V orlage, die sich auf demselben B oden bew egt 
liche Arm e handelt, die überhaup t bereits der wie die V orlage, die er u n s vor 8 J a h re n  u n te r­
A rm enverw altung zur Last gefallen sind, durch breitet hat. Ich  gebe mich der Hoffnung hin, daß 
eine andere D epu ta tion , vielleicht durch die G e­ der V orlage diesm al ein besseres Geschick be- 
sundheitsdeputation, erfolgt. Ich  behalte m ir vor, schieden sein wird.
diese F rage  noch einm al anzuregen, und hoffe, N un noch ein W ort über die Kosten der 
daß alle M itglieder der V ersam m lung sich einer P  o l i z e i v e r  w a l t u n g. E s ist ja bereits 
solchen A nregung geneigt zeigen. von verschiedenen R ednern  darauf hingewiesen, 
Aber, m eine H erren, noch eins dürfen w ir nicht daß uns in Zukunft au s  der Polizeiverw altung  
vergessen: daß alle B em ühungen  auf dem Gebiete höhere Kosten erwachsen w erden. Auch die Un­
der Lungenfürsorge, so teu res Geld sie u n s auch sicherheit in den S tra ß e n  C harlo ttenburgs ist er­
kosten, fruchtlos bleiben werden, solange nicht Hand w ähnt w orden, und ich halte mich fü r verpflichtet, 
in  Hand dam it eine vernünftige W o h n u n g s ­ dem Wunsche der O berin  unseres B ürgerhauses 
f ü r s o r g e  geht. Ausdruck zu geben, die in einer ziemlich entlegenen 
(S e h r richtig !) Gegend w ohnt. S ie  wissen ja, daß das B ü rg erh au s 
D a m uß ich auf das lebhafteste bedauern, daß der ziemlich abgelegen ist, in der Soph ie-C harlo tten - 
M agistrat, wie au s  der V orlage vom D ezem ber S traß e . Ich  w ar in  m einer Eigenschaft a ls H aus 
hervorgeht, sich gezwungen gesehen hat, vor den kommissar dort, und da klagte m ir die O berin  ihr 
hausagrarischen Bestrebungen zu kapitulieren. W er Leid, daß überhaup t in  jener S tra ß e  Polizei­
die u n s vor langen J a h re n  — ich glaube, v o r8 Ja h re n beam te so gut wie gar nicht zu sehen sind. I h r e r  
—  zugegangene M agistratsvorlage über die B e­ Tochter ist es passiert, a ls sie eines Abends nach 
schaffung von W ohnungen fü r die M inderbem ittel­ 12 Uhr von einer K onzertprobe nach Hause kam, 
ten durchgelesen hat, w er sich der D ebatten  darüber daß sie dort überfallen , zu B oden gew orfen und 
erinnert, und w er n u n  die M agistratsm itteilung schwer verletzt w urde,
liest, daß auf diesem Gebiete alles der P riva ttü tig - (Hört, hört!) 
keit überlassen werden soll —  ich glaube, so ähnlich und trotz energischer H ilferufe w ar es ih r nicht 
heißt es — , der wird ein B edauern  darüber nicht möglich, polizeilichen Schutz zu erlangen . I n ­
unterdrücken können, daß diese Bestrebungen so folge dieses V orfalls hat der Arzt des B ü rg e r­
allmählich eingeschlafen sind. W ir haben allerdings hauses eine E ingabe an  die Polizeiverw altung  
eine D epu ta tion  zur E rörterung  der F rage  der gemacht, und es sollen jetzt auch am  T ag e  ein oder 
Beschaffung von W ohnungen; aber die D ep u ­ zwei Schutzleute dort pa trou illieren . Ic h  mache 
ta tion  steht n u r auf dem P a p ie r ; ich bin ja M itglied besonders darauf aufm erksam , daß sich dieser 
—  ich weiß nicht, wie lange ich nicht zur Sitzung V orfall zugetragen hat an einem  T age, wo sonst 
eingeladen bin. W enn m ir die Tätigkeit in jeder gar nichts los w ar, wo w eder ein patriotisches Fest 
D epu ta tion  so wenig Arbeit verursachte, nun, da gefeiert w urde
könnte m an  gleich 100 D epu ta tionen  und noch (Heiterkeit)
m ehr angehören. noch auch eine W ahlrechtsdem onstration stattfand. 
A llerdings stellt u n s  ja der M agistrat ein Selbst nicht an  solchen T ag en  verfügt die C har­
V orlage betr. Errichtung eines W o h n u n g s ­ lo ttenburger Polizei über genügend Schutzleute, 
a m t e s  in Aussicht. J a ,  m eine H erren, das um  fü r ausreichenden Schutz des P ub likum s zu
        
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