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Periodical volume 26. Februar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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das hat seinen Grund darin, daß wir bisher, wie | der Gasanstalt hat zugekauft werden müssen,
viele andere, immer auf die Vorlagen gewartet verzinst und amortisiert werden muß. Und das ist 
haben, die der S ta a t und das Reich in Aussicht ein ziemlich erheblicher B etrag von 200 000 .Ü, 
gestellt haben, die bisher aber immer noch nicht ge­ welcher bei einem derartigen E tat mitwirkt. Bei 
kommen sind, von denen man aber tagtäglich der Gasanstalt kommt ferner in Betracht, daß wir 
hoffen kann, daß fie nun endlich kommen werden. ein sehr ungünstiges J a h r  für den Einkauf der 
Wir haben deshalb gewartet, weil wir glaubten, Kohlen haben; es wird S ie interessieren, zu hören, 
wir könnten vielleicht aus den Grundlagen, die in daß diese Sum m e, das M ehr allein, für Kohlen 
diesen Vorlagen vorgesehen sein werden, Vorteile einschließlich der Konsumzunahme bei der Gas 
haben oder sie vielleicht als Unterlage bei unseren anstatt 725 000 M. ausmacht.
Beratungen benutzen. Wenn freilich diese Vor­ (Hört, hört!)
lagen noch lange ausstehen, so werden wir ja unserer­ Es ist selbstverständlich, daß das auf der anderen 
seits Beschlüsse fassen müssen, wie wir uns zu dieser Seite nicht ganz ausgewogen wird durch die höheren 
Sachlage dann zu stellen und uns dann weiterhin Preise, die die Gasanstalt erzielt für Koks, Teer usw.
zu verhalten haben werden. Ich möchte bloß setzt Wenn S ie nun diese M omente zusammen­
schon feststellen, daß selbstverständlich eine so große nehmen, wenn S ie also die M ehrausgaben, auf der 
Sum m e wie 1 Million Ji für die Revision des einen Seite für die Kohlen, auf der anderen Seite 
N orm aletats einer der Gründe ist, welche gerade für die Verzinsung, auch einer sehr erhöhten P ro ­
diesen E tat besonders belasten. duktion gegenüberstellen — und wir haben die 
Der zweite Punkt, meine Herren, ist dann unser Produktion auf über 50 M illionen Kubikmeter im 
Schuldenetat. Es ist selbstverständlich, daß eine nächsten Jah re  gegen 45 M illionen Kubikmeter im
S tad t wie Charlottenburg, welche so viel Ausgaben vorigen Jah re  angenommen —, so erlangen S ie 
hat, nicht nur aus laufenden M itteln alles herrichten ; trotzdem nicht ein so günstiges Bild, wie S ie  es bei 
kann, daß sie Schulden machen muß, und es ist ebenso , ber Gasanstalt gern gewünscht hätten. Utib doch 
selbstverständlich, daß, wenn die S tad t in dem möchte ich — auch im Einverständnis mit dem 
schnellen Tempo wächst, wie sie bisher gewachsen! Dezernenten der Gasverwaltung — gerade von 
ist und, so Gott will, noch weiter wachsen soll, dann diesem Ressort sagen, daß die Einnahm en so hoch
die Schulden weiter wachsen müssen. Meine geschraubt sind, wie wir sie nur irgend glauben 
Herren, daß das nun in diesem Jah re  für uns gerade heraufsetzen zu können.
besonders fühlbar ist, hat seinen Grund darin, daß Bei der Gasanstalt muß man ganz besonders 
die Wirkungen von aufgenommenen Schulden sich ein M om ent berücksichtigen: nämlich den Nieder­
nicht immer sofort zeigen, sondern immer erst gang der wirtschaftlichen Konjunktur. Die G as­
einige Jah re  nachher kommen. I n  diesem Jah re  anstalt ist ein Institu t, welches bei einem derartigen 
werden wir dasjenige fühlen, was wir im Jah re  wirtschaftlichen Rückgang am allerersten antwortet. 
1905 getan haben: nämlich die erste Tilgungsrate Wenn S ie die Statistiken der früheren Jah re  ein­
der Anleihe, die wir im Jah re  1905 aufgenommen sehen, meine Herren, so werden S ie sehen, daß, 
haben, zeigt sich im nächsten Jah re  mit 546 000 M.. während die Gasanstalt in Jah ren  Zugänge hatte, 
Nicht diese ganze Sum m e belastet den E tat; denn die sich über 10% erhoben, ich glaube: sogar bis 
die einzelnen Werke, die daran partizipieren, zu 16%, plötzlich in einem Jah re  ein Rückschlag 
müssen selbstverständlich beitragen; immerhin ist es auf einen Bruchteil dieser Zunahm e folgte, so 
ein sehr großer Teil davon. Dazu kommt ferner z. B., ich glaube, 1901, und nachher hob 
eine große Sum m e für Zinsen, die die allgemeine sich die Entwicklung erst wieder langsam.^ Das 
Verwaltung belasten, wie für Schulen, für Brücken können wir bei der Gasanstalt unter Umständen 
und andere Dinge, so daß der Schuldendienst als auch erwarten, daß der Rückgang sich wesentlich 
das zweite M om ent bezeichnet werden muß, schneller und schärfer zeigt, als wir es bei den anderen 
welches den E tat besonders belastet. Allerdings, Ressorts, in erster Linie bei den S teuern, zu er­
dieses M om ent belastet ihn nicht so einmalig, wie warten haben werden.
das vorige; denn jenes kehrt nicht wieder. Der D as vierte M om ent für die Schwierigkeit des 
Schuldendienst wird selbstverständlich auch im E tats sind sämtliche anderen Ressorts zusammen 
nächsten Jah re  noch mehr Anforderungen an Sie gewesen. Gemeinsam kehrt überall wieder die 
stellen; es ist aber zu erwarten, daß diese nicht so Teuerung sämtlicher Verhältnisse, sämtlicher B e­
sprungweise sein werden, weil im nächsten Jah re  dürfnisse, und insbesondere auch die Teuerung der 
keine weitere Tilgungsrate hinzukommt, sondern Brennm aterialien spiegelt sich in allen Ressorts 
die T ilgungsraten sich einstweilen in derselben wieder. Infolgedessen sind die Anforderungen aller 
Hohe halten wie schon in diesem Jahre . anderen Ressorts auch wieder höher gewesen.
Ich  sagte vorhin: ich muß auf die Verhältnisse Trotz alledem möchte ich das Eine hier kon­
der Gasanstalt noch näher eingehen. Ich  muß das statieren: daß der Magistrat alle Ausgaben, die von 
jetzt tun; denn dies ist der dritte Punkt, der uns den Deputationen verlangt worden sind für Schul­
gewissermaßen im nächsten Jah re  eine Enttäuschung den, für Bildungszwecke oder für soziale Aufgaben, 
bringt. Die Gasanstalt hat sich in den letzten Jah ren  bewilligt hat,
vorzüglich entwickelt; das kann jedenfalls nicht be­ (Bravo!)
stritten werden. Aber die Verwaltung der G as­ daß d i e s e  Forderungen nicht gestrichen worden 
anstalt hat Ih n e n  gerade während der Beratung sind. Freilich haben wir an anderen S tellen 
des vorigen E tats immer und immer wieder gesagt: ziemlich erheblich streichen müssen, und manches, 
diese Verhältnisse kommen auch mal anders — und, was wir vielleicht gern gewünscht hätten, hat 
meine Herren, dieses „Anders" tritt jetzt ein, in­ zurückgestellt werden müssen, weil es eben nicht 
sofern, als die Anlagen, die gemacht worden sind, unbedingt notwendig gewesen ist.
und aus denen wir Nutzen ziehen, amortisiert Von diesen anderen E tats erwähne ich kurz, 
werden müssen und höhere Zinsbeträge erfordern, wie im mer in früheren Jah ren , die Schulver­
und als der Grund und Boden, der zur Erweiterung waltung, die das Meiste von uns erfordert. Die
        
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