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Periodical volume 26. Februar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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„D er § 8 des Reichsgesetzes über die E rw erbung tre tung  der S tad tgem einde nach außen nicht m ehr 
und den Verlust der Reichs-- und S taa tsan g eh ö rig ­ als entscheidender G rund  fü r die alleinige Z u ­
keit vom 1. J u n i  1870 ist insbesondere in den Z if­ ständigkeit des G em eindevorstandes erachtet.
fern 2, 3 und 4 eine wörtliche Nachbildung des D ie G ründe des M inisterialerlasses vom 
Preußischen Gesetzes über die E rw erbung und den 30. J a n u a r  1844 treffen im  wesentlichen auch 
Verlust der preußischen Untertanschaft vom 31. D e­ heute noch zu. D ie A nhörung der G em einde ge­
zem ber 1842 (§ 7 ebendort). Dieser P a ra g ra p h  7 schieht behufs W a h r  u n g d e r  R e c h t e  d e  r 
des Gesetzes vom  31. D ezem ber 1842 schrieb vor, G e m e i n d e  i n  A n s e h u n g  d e r  A b w e h r 
daß die Landespolizeibehörden verpflichtet sind, it e tt e n t s t e h e n d e r  a r m e n r e c h t . l i c h e r  
vor E rteilung der N aturalisationsurkunden die V e r p f l i c h t u n g e  n. Die W ahrnehm ung 
Gem einde desjenigen O rtes, wo der Aufzunehm ende der Rechte der G em einde in diesem S in n e  ist ein 
sich niederlassen will, in B eziehung auf die E r­ Akt der laufenden  V erw altung  und steht gem äß 
fordernisse der Z iffer 2, 3 und 4 des jetzigen § 8 § 56 Ziffer 5 allein dem G em eindevorstand zu: 
des Reichsgesetzes zu hören und i h r e  E i n ­ denn nach § 35 der S täd teo rd n u n g  h a t die S ta d t­
w e n d u n g e n  z u  b e a c h t e n .  D ie Pflicht verordnetenversam m lung n u r über diejenigen An­
zur Beachtung der E inw endung besteht heute nicht gelegenheiten zu beschließen, die nicht ausschließlich 
m ehr. Schon bezüglich dieser Vorschrift, die zur dem M agistrat überw iesen sind. D as ist durch 
Zeit der G eltung der S täd teo rdnung  von 1808 § 56 Z iffer 5 fü r die Abgabe der erforderlichen 
bzw. der revidierten S täd teo rd n u n g  von 1831 Erklärung bei N aturalisationsgesuchen geschehen. 
bestand, herrschte S t r e i t ,  w er die betreffende E s läßt sich dies auch durch B ezugnahm e auf die 
Erklärung fü r die Gem einde abzugeben hatte . Ein gegenw ärtig  geltenden B estim m ungen des Frei« 
E rlaß des M inisters des In n e r n  vom 29. J u n i  1843 zügigkeitsgesetzes w eiter erhärten . D a s  F re i­
S . 216 des M inisterialblattes von 1843 erklärte zügigkeitsgesetz vom I. N ovem ber 1867 bestim m t 
„es um  so w eniger bedenklich, daß der M  a g i st r  a t im  § 4: „die G em einde" ist zur Abweisung eines 
als Gem eindevorstand die bezügliche Erklärung N euanziehenden befugt, w enn sie nachweisen kann, 
abgebe, als dieser die G em einde nach außen hin daß derselbe nicht ausreichende K räfte besitzt, um  
überall zu vertre ten  hat und eine Zustim m ung der sich und seinen nichtarbeitsfähigen A ngehörigen den 
G em einde-R epräsentation überhaup t n u r in dem notdürftigen L ebensun terhalt zu verschaffen. Es 
Falle  erforderlich ist, wo sie d as  Gesetz ausdrücklich ist anerkannt rechtens, daß die W ahrnehm ung der 
verordnet". M it Rücksicht auf diesen E rlaß haben aus dem § 11 des Freizügigkeitsgesetzes sich erge­
die K om m entatoren des Reichsgesetzes, insbesondere benden Befugnisse dem G e m e i n d e v o r s t a n d  
Kahn, u n te r wörtlicher A nlehnung an  den M iniste- obliegt (vgl. O ertel, 4. Aufl., Bem erkung zu § 565). 
ria lerlaß  den M agistrat fü r berechtigt erklärt, die Auf demselben S tan d p u n k t steht der M inisterial­
betreffende gutachtliche Ä ußerung der L andes­ erlaß von 10. J a n u a r  1890 (S . 36 des M inisterial­
polizeibehörde allein zu erstatten. Die betreffende, b la ttes der In n e re n  V erw altung  von 1890). T rifft 
durch den Erlaß von 1843 auf eine Beschwerde be- sonach fü r das Freizügigkeitsgesetz aus dem  ange­
schiedene S tad tverordnetenversam m lung hat gegen gebenen G runde es zu, daß die Zuständigkeit des 
den E rlaß des M inisters vom 29. J u l i  1843 den M agistrats die bezüglichen Erklärungen allein  zu 
Weg der Jm m ediatvorstellung  beschulten. Durch geben hat, trotzdem das Freizügigkeitsgesetz sich 
Allerhöchste K abinettsordre vom 13. J u n i  1844 hat gleichfalls der W orte der Fassung bedient („die 
sich indes der König m it der Anschauung des M i­ G em einde" ist zur Abweisung befugt), so m uß auch 
nisters einverstanden erklärt und die Beschwerde dasselbe fü r die gem äß § 8 des Reichsgesetzes über 
als unbegründet zurückgewiesen. M it der B e­ den Erw erb und Verlust der S taa tsangehörigkeit 
kanntgabe dieser K abinettsordre hat der M inister abzugebenden E rklärungen gelten. D ie vom  M a ­
eine w e i t e r e  B e g r ü n d u n g  seines S ta n d ­ gistrat vertretene Anschauung ve rtritt Hue de G rais, 
punktes (S . 219/220 des M in .-B l. der In n e re n  der ausdrücklich erklärt: „über die N aturalisation  ist 
V erw altung  von 44) gegeben und in dem  be­ der Vorstand der G em einde oder des A rm enver­
treffenden Erlasse ausgeführt, daß das Gesetz über bandes zu hören". D ie E r k l ä r u n g  über die 
den Erw erb der Untertanschaft m it dem vom Unbescholtenheit des L ebensw andels w ürde im  
gleichen T age laufenden Gesetz über die A ufnahm e übrigen, soweit nicht der § 56 Z iffer 5 in  F rag e  
neu anziehender P ersonen  in V erbindung stehe, käme, dem M agistrat als O rtsobrigkeit gem äß § 5 6 1 
und daß in diesem Gesetz die Entscheidung darüber, der S täd teo rd n u n g  obliegen, da die Ausstellung 
ob dem  N euanziehenden der A ufenthalt in  einer von Leum undszeugnissen auch obrigkeitlicher N a tu r  
Gem einde zu _ gestatten oder au s  irgendeinem  ist und keine G em eindeverw altungsangelegenheit 
G runde zu versagen, n u  r  d e m  G e m e i n d e -  darstellt."
v o r s t a n d  o h n e  K o n k u r r e n z  d e r  M eine H erren, im  Ausschusse w urde dann  int 
S t a d t v e r o r d n e t e r :  zustehe. D enn  der Anschluß h ieran  gründlich erö rtert, ob und  inw ie­
§ 8 des Ausnahmegesetzes lege die Entscheidung in w eit der M agistrat fü r den inneren  Verkehr durch 
die Hände der P o l i z e i o b r i g k e i t ,  welche die S tad tvero rdnetenversam m lung  gebunden w erden 
in der Regel der M a g i s t r a t  sei, und der § 10 könne. D en n  daß der M agistrat nach außen  hin 
bestimme, daß da, wo die Polizeiobrigkeit von dem die Erklärung allein abgibt, darüber besteht kaum 
G em eindevorstand getrennt sei, die erstere vor der ein Zw eifel. E s herrschte im  Ausschusse darüber 
Entscheidung über die A ufnahm e des N euanzie­ Einstimmigkeit, daß jedenfalls eine Bestim m ung 
henden den „G em einde v o r  st a n d" m it seiner möglich w äre, nach der die S tad tv e ro rd n e ten v er­
Erklärung hören müsse. D er M inister verweist sam m lung von dem  M agistrat verlangt, daß der 
ferner darauf, daß der G em eindevorstand auch M agistra t in  jedem  F a lle  der N aturalisierung  die 
deshalb allein berechtigt sei, die Erklärung abzu­ S tad tvero rdnetenversam m lung  hört.
geben, w e i l  i h m  a l l e i n  a u c h  d i e  A n ­ E s w urde aber w eiter in  dieser A ngelegenheit 
n a h m e  n e u e r  B ü r g e r  obliege. I n  geprüft, wie die D inge tatsächlich heute liegen. 
diesem zw eiten M inisterialerlaß wird also die Ver- D abei stellte sich heraus, daß der W ahlausschuß n u r
        
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