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Periodical volume 26. Februar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

aufgew orfen w erden kann: welche V eran tw ortung  Am tsgericht besteht eine solche R echtsberatungs­
ergibt sich fü r die S ta d t  C harlo ttenburg  h ie ra u s?  stelle —  ich weiß nicht, ob sie noch besteht — , die 
Ic h  nehm e Bezug auf den Aufsah der Juristischen einen sehr hübschen N am en führte : sie hieß nämlich 
Wochenschrift, den ich bereits angezogen habe, Wochenstube.
in dem m it vollem Recht auch u n te r  H inw eis auf (Z urufe.)
alle diese E rw ägungen  darauf aufmerksam gemacht M eine H erren, eine derartige Gerichtsstelle, in 
ist, daß in eine solche R echtsberatungsstelle in der in R echtsfragen ein R eferendar fungiert, w ird, 
erster Linie ein Ju r is t  h inein gehört. glaube ich, gerade die F rag en , um  die es sich hier 
D er H err O berbürgerm eister h a t int J a h re  1904 handelt, nicht in erschöpfender Weise behandeln 
die B edürfn isfrage  verneint. J a ,  m eine H erren, können. A ußerdem  handelt es sich dort in  der Regel 
ich glaube, auf die B edürfn isfrage  hier heute ein­ um  E ingaben, die direkt fü rs Gericht bestimmt 
zugehen nach dem Z ah lenm ateria l, das ich Ih n e n  sind. Aber der M inister hätte  ja  möglicher­
m itgete ilt habe, e rübrig t sich vollkommen. W enn weise den Am tsgerichten ein erw eitertes T ä tig ­
von den 28 G roßstädten über 100 000 E inw ohner keitsfeld geben können! M eine H erren, das hätte  
in  P reu ß en  24 derartige R echtsberatungsstellen der M inister auch schließlich bei den K aufm anns­
eingerichtet haben, ich m eine, daß darau s sich ohne gerichten und bei den G ewerbegerichten tun  können; 
w eiteres die B ejahung der B edürfn isfrage ergibt, er h a t es aber vorgezogen, es nicht zu tu n  und die 
und daß w ir nicht viel zu p rü fen  haben, ob für A ngelegenheiten an  die K om m unen abzuschieben. 
C harlo ttenburg ein besonderes B edürfn is  vorhanden S o llen  w ir n u n  in den K om m unen m it diesen 
ist. Ic h  m üßte im  übrigen alle die M om ente noch­ A ngelegenheiten w arten , bis der M inister sich eines 
m als vortragen , die im  J a h re  1904 hier für die bessern besinn t?  Ich  glaube, w ir w erden sehr 
E inrichtung der Rechtsberatungsstelle geltend ge­ lange w arten  können. D an n  w erden Rechts­
macht w orden sind; ich glaube, zurzeit wenigstens beratungsstellen dem Publikum  ü b erh au p t n iem als, 
nicht nötig  zu haben, das zu tu n . W ir w erden überh au p t n irgends zur V erfügung gestellt w erden. 
ja wohl später noch G elegenheit haben, u n s m it Ic h  weise w iederum  auf die vorhin angegebenen 
der Sache um gehend zu beschäftigen. Z ahlen  hin, und ich m eine, daß die S ta d t  C har­
Es w urde von dem  H errn  O berbürgerm eister lo ttenburg , obgleich sie doch sonst auf sozialem 
dam als das In te resse  der S ta d t  geltend gemacht. Gebiete, nach verschiedenen R ichtungen hin geradezu 
M öglicherweise, m ein te  er, könnte eine solche vorbildlich wirkend, a ls P io n ie r angesehen werden 
R echtsberatungsstelle benutzt w erden, um  A us­ kann, auf diesem Gebiete nachgehinkt ist, und hoffe, 
kunft und R a t zu erteilen in Prozessen gegen die daß m an sich eines besseren besinnen und  dem 
K om m une; n u n : möglicherweise! Aber es kann Beispiele der übrigen 24 S tä d te  folgen wird.
ja  durch entsprechende O rganisation einem  solchen Ich  komme nun  zu der F rag e , in welcher Weise 
M ißbrauch der Rechtsberatungsstelle entgegen­ wohl die S ta d t  C harlo ttenburg am  besten die An­
gewirkt w erden. I m  übrigen halte ich es sogar gelegenheit zu ordnen imstande sein w ird, und da 
für möglich, daß u n te r  U m ständen, w enn in ver­ möchte ich von vornherein schon —  und das ist 
ständiger Weise auch in Prozessen gegen die S ta d t  ja  auch in dem A ntrage zum  Ausdruck gebracht —  
eine Rechtsauskunft e rte ilt w ird, dies vielleicht den E inw änden  die Spitze abbrechen, die dahin gehen: 
fü r die S ta d t  gar nicht unerw ünscht sein kann, es darf die K om m une a ls  solche nicht sich m it der 
indem  mancher, der heute die S ta d t  m it Beschwerden Sache befassen. Ich  möchte auch nicht, daß die 
und P e titio n en , womöglich noch gar m it Prozessen K om m une als solche die gemeinnützige Rechts­
bestürm t und bedroht, durch die R echtsberatungs­ beratungsstelle einsetzt, sondern ich möchte, daß 
stelle auf den richtigen W eg gewiesen w ird, sodaß die K om m une sich m it dem Gem einnützigen V erein 
die S ta d t  nicht zu befürchten braucht, daß ihr fü r Rechtsauskunft in V erbindung setzt und ihn 
In teresse  gefährdet w erden könnte. veran laß t, hier eine gemeinnützige R echtsberatungs­
D an n  hat der H err O berbürgerm eister gesagt: stelle einzusetzen. M eine H erren, dieser G em ein­
keine B evorm undung der B ürger. Selbstverständlich nützige V erein fü r R echtsauskunft ist im  J a h re  1907 
vollständig m ein S ta n d p u n k t! Ic h  w ürde der gegründet und hat heute in  G roß-B erlin  schon eine 
Letzte sein, der irgendeine M aßregel treffen  w ollte, Anzahl S te llen , in denen unentgeltlich R echtsaus­
die zur B evorm undung der B ürger führen könnte. kunft erte ilt w ird ; das sind S te llen  in der S tr e ­
Aber ich kann n u r den bevorm unden, auf den ich icher S tra ß e , in der G orm annstraße, in der O ranien- 
einen gewissen Z w ang ausübe, in der einen oder straße, in Rixdorf in der S te inm annstraße , bei 
anderen  Richtung tä tig  zu sein oder eine Tätigkeit dem schwimmenden Schifferheim , und in Aussicht 
zu unterlassen. H ier wird selbstverständlich kein steht eine Rechtsberatungsstelle in  Schöneberg; 
Z w ang ausgeübt, daß A oder 9) zu der gem ein­ wahrscheinlich wird dieser Gemeinnützige V erein  
nützigen Rechtsauskunftsstelle kommt, sondern es noch eine ganze Anzahl derartiger S te llen  in  G roß- 
ist sein vollkommen freier W ille. V on B evor­ B erlin  etablieren, und ich glaube, daß S tä d te  wie 
m undung  ist also keine Rede, ebensowenig, wie C harlo ttenburg  das lebhafteste In teresse  daran 
w ir m it der Volksbadeanstalt die B ürger bevor­ haben, den G em einnützigen V erein auch fü r die 
m u n d en ; w ir treiben sie ja  nicht direkt ins Wasser eigene K om m une zu gew innen, w as natürlich 
h in e in ! Ebenso w ürden w ir m it der Rechtsbe­ in der besten Weise dadurch geschieht, daß dem 
ratungsstelle  die B ü rg er nicht bevorm unden; denn V erein eine S u b ven tion  gew ährt ist. D er V erein 
w ir treiben sie auch nicht in die R echtsberatungs­ ist tatsächlich ein unpolitischer, ist tatsächlich ein 
stelle hinein, sondern überlassen es der einsieht vollständig gem einnütziger; die N am en  der P e r ­
eines jeden, ob er sich der Rechtsberatungsstelle sonen, die an  der Spitze des V ereins stehen, bieten 
bedienen will. die vollste G aran tie  dafür, daß keinerlei M ißbrauch 
Endlich hat der H err O berbürgerm eister au s­ von diesem V erein ausgehen könnte: da steht z. B . 
gesprochen, der M inister hätte  sich hübsch an die an  der Spitze der O berlandeskulturgerichtsrat 
Am tsgerichte w enden sollen. I h m  schwebte wohl O rtm an n , der R ixdorfer B ürgerm eister Kaiser, 
die K önigsberger E inrichtung vor. Bei dem dortigen ein R echtsanw alt, dann  gehören zu den Besitzern
        
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