Path:
Periodical volume 26. Februar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

inspektor gekommen, später natürlich nicht, undi möchte ich Bezug nehm en aus eine Erklärung des 
zw ar aus dem einfachen G runde, weil in alleni M inisters für H andel und G ew erbe in der Budget- 
diesen F ä llen  der Hausinspektor gar nicht in der Lage: kommission des A bgeordnetenhauses am  24. J a n u a r  
w ar, eine Auskunft zu erteilen. Ich  glaube, daß; d. I .  D ie M itte ilung  ist von großer Wichtigkeit. 
der Hausinspektor m it seinem Assistenten im  großeni D er M inister führte au s :
ganzen keine andere Tätigkeit entwickelt hat wie- W ährend bei Einstellung des F o n d s in  den
eine — vielleicht e tw as umfassendere — A uskunfts­ E ta t im J a h re  1904 
tafel im Vestibül des R athauses angebracht ist, ani —  ich w ies einleitend darauf hin —  
der m an sich inform ieren kann, wo die einzelnent n u r  6 gemeinnützige unparteiische Rechts­
' Auskunftsstellen für diese oder jene Sache sind, beratungsstellen in P reußen  bestanden, be träg t 
eine umfangreiche e A uskunftstafel, die auch auf ihre Z ahl zurzeit bereits 75. Von den 28 
die Polizei und sonstige O rganisationen hinweist. preußischen G roßstädten über 100 000 E in ­
Jed en fa lls  ist das, w as dam als geschaffen ist, w ohner haben gegenw ärtig  bereits 21, also drei 
nicht das, w as in dem A ntrage S te in  lag. D ie V iertel, eine solche E inrichtung. I n  3 w eiteren 
M ängel dessen, w as geschaffen w urde, liegen G roßstädten steht die Einrichtung u n p a r­
erstens m al in den M om enten , die ich hier bereits teiischer R echtsberatungsstellen in Aussicht.
bezeichnet habe, dann aber auch darin , daß dieser'  — S odaß  also von 28 G roßstädten 24 m it solchen 
Hausinspektor nicht zu den S tu n d en  zur V er­ S te llen  versehen sind oder in unm itte lbar nächster 
fügung des Publikum s steht, in denen dieses gerade Z eit w erden versehen sein. —
Auskunft wünscht. D er Hausinspektor schließt V on den m ittle ren  G em einden von 100 000 
seine S tu b e  um  3 Uhr, soviel ich weiß, oder um  bis 50 000 E inw ohnern  besteht solche Einrich­
4 U hr; er steht jedenfalls nicht gerade zu der Zeit tung zurzeit bereits in  14 G em einden. E iner 
zur V erfügung, die für die arbeitende Bevölkerung w eiteren G em einde ist eine S taa tsbeih ilfe  
in B etracht kommt. D ann  aber fehlen —  ich für die Errichtung einer R echtsberatungsstelle 
wiederhole das —  überhaup t alle die Auskünfte, bereits zugesagt. W eiter weisen gem ein­
die sich auf die F rage des P rivatrech ts bezieht. nützige und unparteiische R echtsberatungs­
Ich  werde hierauf noch zurückkommen; denn es ist stellen au f:
eine interessante Beobachtung bei allen Rechts­ 18 G em einden von 50 000 bis 20 000 E in ­
auskunftsstellen, daß gerade das G ebiet, das m an w ohnern ; einer solchen G em einde ist
zunächst vollständig glaubte ausschließen zu können, außerdem  bereits eine S taa tsbe ih ilfe  für
nämlich das G ebiet des P rivatrech tes, in Wirklich­ die geplante Errichtung einer A uskunfts­
keit eine sehr große Rolle spielt, stelle zugesichert,
(B ürgerm eister M a ttin g : D azu ist doch die S ta d t 17 kleinere G em einden,
nicht d a !) 5 Landkreise.
—  Ob die S ta d t  dazu da ist, darauf werde ich m ir M eine H erren, dieses Z ah lenm ateria l ist von 
nachher noch m it einigen B em erkungen zurück­ ganz außerordentlicher B edeutung . Es zeigt uns, 
zukommen gestatten. in welchem Um fange insbesondere in den G roß­
W as steht n u n  heute denjenigen, die Auskunft städten die gemeinnützigen Rechtsauskunftsstellen 
haben wollen, zur V erfügung? Zunächst ist es E ingang gefunden haben, und zw ar E ingang ge­
die Rechtsanwaltschaft, und es w ar ja  dam als auch fundenh aben u n te r dem E influß und der M it­
von verschiedenen S e iten  darauf aufm erksam  ge­ wirkung der betreffenden K om m unen.
macht, daß möglicherweise sich die R echtsanw alt­ E s hat sich dann auch das preußische Ab­
schaft durch eine derartige Auskunftsstelle beein­ geordnetenhaus in diesem J a h re  m it der A n­
trächtigt fühlen könnte. Ich  möchte da Bezug gelegenheit beschäftigt. Ic h  will S ie  nicht mit 
nehm en auf einen Aufsatz, der an  der Spitze der einer ganzen Reihe von Z ita ten  von den ver­
Juristischen Wochenschrift vom 1. F eb ru a r 1908 schiedenen R ednern  erm üden. Ic h  begnüge mich, 
steht, der von einem  F rankfurter Ju ris ten  verfaßt festzustellen, daß die sämtlichen R edner, die zu 
ist, be tite lt: „Schädigen die Rechtsauskunftsstellen die der Sache gesprochen haben, sich in  durchaus 
Rechtsanwaltschaft in wirtschaftlicher B eziehung?“ sympathischer Weise dazu verhalten  haben.
I n  diesem Aufsatz wird dies rundw eg verneint, M eine H erren, ich möchte dann  noch m it einigen 
nnd der Verfasser spricht sogar den Wunsch aus, W orten auf die Bedenken zu sprechen kommen, 
daß in dieser Rechtsauskunftsstelle Ju ris ten  sitzen die der H err O berbürgerm eister im J a h re  1904 
mögen. R un  m eine ich, daß, w enn die Fachschrift gi egen die E inrichtung einer solchen Rechtsbe­
der Rechtsanwaltschaft, die Juristische Wochenschrift, ratungsstelle un ter dem P ro tek torate  der S ta d t  
ohne jede redaktionelle V erw ahrung  an ihrer ig eltend machte. E r w ies dam als vor allen D ingen 
Spitze einen solchen Artikel bringt, sicher heute ai uf die V eran tw ortung  hin: belaste sich nicht die 
nicht behauptet werden kann, daß in diesen Rechts- K, om m une m it einer ganz außerordentlichen V er­
auskunftsstellen eine G efahr fü r die R echtsanw alt- ai n tw ortung  ? N un, bisher ist wohl kein einziger 
schaft gesehen werden kann. I m  übrigen, w enn F; a ll zur K enntnis gekommen, in dem sich für die 
S ie  die Berichte der gemeinnützigen Rechtsbe- 1R echtsauskunftsstelle, für die V erw altung , für 
ratungsstellen verfolgt haben, so w erden S ie  auch id ie Kom m une oder für irgendeine andere O rgan i­
z. B . einer Anzahl B erliner Ju ris ten  begegnet sein, ss ation eine Regreßklage ergeben hat, und ich m eine, 
die der Sache ihre lebhafteste S y m p ath ie  ent- di aß, w enn die K om m une n u r in der A usw ahl 
gegengebracht haben. Ich  stelle hier also fest, daß di er betreffenden R echtsauskunftspersonen die ge­
in der Juristischen Wochenschrift sogar der Wunsch ni ügende S o rg fa lt w alten  läßt, sie auch vollkommen 
geäußert w ird, Ju ris ten  in den R echtsauskunfts- gc esichert ist gegen irgendwelche Regreßansprüche. 
stellen zu haben, und zw ar im  In teresse der Rechts- J' a ,  ich m uß gestehen, daß, w enn die S ta d t  C har­
Anwaltschaft und zu deren Entlastung. llo ttenburg  einen H ausinspektor und einen Assi­
Welche V erbreitung diese gemeinnützigen ss tenten gewissermaßen offiziell a ls eine Rechts­
Rechtsauskunftsstellen gefunden haben, dafür acuskunftsstelle etablierte, dann viel eher die F rage
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.