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Periodical volume 12. Februar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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A ntrag lau tete , eine Beschlußfassung in der Weise A m t des Reiches gerichteten Berichte der V er­
vorzunehm en: bände ergeben, daß allein  in dem V ierteljahr 
D er Ausschuß em pfiehlt, die Unterstützung Oktober bis D ezem ber 1907 über 1 M illion  M ark 
derjenigen A rbeiterorganisationen, welche Ar* fü r Zwecke der Arbeitslosenversicherung aufge­
beitsloseuunterstützungen zahlen, ins Auge w endet sind. Es geschieht also tatsächlich auf dem 
zu fassen und den M agistrat um  eine en t­ Gebiete der Selbsthilfe außerordentlich viel. E s 
sprechende B orlage zu ersuchen. soll n u n  aber Prinzipiell anerkannt w erden, daß 
(S ta d tv . Holz: S eh r un rich tig !) nicht alles auf dem Gebiete der Selbsthilfe seitens 
Ich  habe, als ich heute zum ersten M al zum der A rbeiter zu geschehen hat, sondern daß die 
W orte kam, diese F rage  der Unterstützung der größeren V erbände m it einzutreten haben, und 
Gewerkschaften n u r gestreift, in  der Voraussicht, daß, wie H err Kollege Spiegel auch ausführte , 
daß dieser A ntrag, den w ir ja desw egen auch heute auch die A rbeitgeber zu den B eiträgen  heranzu­
nicht w iederholt haben, keine A nnahm e finden ziehen sind, e tw as, w as durch eine K om m une 
w ürde, weil S ie  heute —  na, m ir fehlt der richtige geschehen könnte, w as die Gewerkschaften natürlich 
Ausdruck — nicht ohne w eiteres machen können.
(R ufe bei den L iberalen: S ch ad e!) B ei H errn  Kollegen Spiegel berührt nun  
—  w enn der Ausdruck S ie  nicht b e le id ig t-------- allerd ings sehr m erkw ürdig der Widerspruch, daß 
(R ufe bei bett L iberalen: N ein!) er einerseits auch die Selbsthilfe betont, anderer­
—  weil S ie  heute nicht reif genug sind, seits aber w iederum  sagt: „nun  und n im m er kann 
(Große Heiterkeit —  R ufe bei den L iberalen: A ba! die S ta d t  lediglich an  O rganisationen Geld geben, 
—  S ta d tv . Zietsch: S eh r richtig!) denn dann  fallen ja  ganz weg die U norganisierten". 
den A ntrag bereits anzunehm en. D as  haben in  Wo bleibt denn da das gerühm te P rin z ip  der Selbst­
deutlicher Weise die A usführungen des H errn h ilfe?  S o ll das gerühm te P rin z ip  der Selbsthilfe 
Kollegen W öllm er bewiesen, n u r gelten für die O rganisierten und nicht auch für 
(Rufe bei den L iberalen: S eh r un re if!  —  H eiter­ U norganisierte? D as  ist ja  gerade der Umstand, 
keit) an  dem  die Versicherung der nicht O rganisierten  
und desw egen hat H err Kollege W öllm er indirekt scheitern w ird, weil diese indifferenten Leute, die 
für den A ntrag  gesprochen. gegenüber ihren  eigenen Klasseninteressen in ­
(S ta d tv . Holz: W öllm er ist reif, w ir sind u n re if! —  different sind, auch keine B eiträge  an die S ta d t  
Heiterkeit.) zahlen.
H err W öllm er betonte die A rbeitslosenver­ (Z uru f bei den L iberalen: D as  städtische G eld!)
sicherung auf G rundlage der S elbsth ilfe! Je d e  
Arbeitslosenversicherung, m eine H erren, wird a u s ­ Die O rganisierten versichern sich bei den G e­
gehen müssen von der Selbsthilfe. G erade das ist werkschaften,' die U norganisierten dagegen sollen 
auch der G rund , daß keine Arbeitslosenversicherung, ohne jede Selbstversicherung e tw as bekommen.
m ag sie gestaltet w erden, wie sie wolle, wird vorbei­ (W iderspruch bei den L iberalen.)
gehen können an den durch die Selbsthilfe ge­ N ein, m eine H erren, u n te r derartigen  B edingungen 
schaffenen A rbeiterorganisationen der Gewerk­ gegebene städtische G elder w ürden die Gew erk­
schaften, nicht einm al, w enn sie geschaffen wird schaften sicher ablehnen.
von L euten, die so mißtrauisch den Gewerkschaften (Na, n a ! bei der F re ien  V ereinigung. —  R ufe bet
gegenüberstehen wie H err Kollege S tad th ag en , den L iberalen : D an n  ist es ja  gu t!)
der m ein t —  m it der ganzen U nbefangenheit, welche D as  einzige, was Ih n e n  übrig bliebe, w enn S ie  
völlige Unkenntnis der Verhältnisse verleiht — , dieses P rin z ip  der Selbsthilfe betonen, w äre eben, 
(Heiterkeit) für die U norganisierten eine städtische A rbeitslosen­
daß eine Unterstützung, eine Z uw endung städtischer versicherung einzufhüren, au s  welcher Kasse n u r 
M itte l an  die Gewerkschaften die M itte l, die die solche U norganisierten unterstützt werden, bie zu 
Gewerkschaften sonst haben, irgendw ie stärken bestim m ten B edingungen B eiträge dazu leisten 
könnte. W er eine solche M einung ausspricht, der müssen. D as  ist der W eg, den m an überall versucht 
gibt eben dam it der Auffassung Ausdruck, daß bei hat, wo kom m unale Arbeitslosenversicherungen ein­
den Gewerkschaften so eine Kassenwirtschaft, solch geführt sind neben den gewerkschaftlichen; das ist 
ein K uddelm uddel herrscht, daß m an  alles durch­ der W eg, der auch da überall versagt hat. Übrig 
einanderw irft, daß die Buchführung alles zu geblieben ist in all den S tä d te n  —  sie sind zum T eil 
wünschen übrig läß t; schon genann t w orden —  im m er n u r die Z uw endung  
(Widerspruch des S ta d tv . Dr. S tad th ag en ) an  die Gewerkschaften, weil eben die U norganisierten 
der gibt eben der M einung Ausdruck, daß die die an  sich die schlechtesten E lem ente der A rbeiter­
Arbeitslosenversicherung der Gewerkschaften keine schaft sind,
Versicherung ist, sondern daß das Geld m ittenm ang (Lebhafter Widerspruch bei den L iberalen)
genom m en wird, m it herausgenom m en wird von —  ja, m eine H erren, so ist es! —
dem Gelde, das zu anderen Zwecken gegeben wird. (S ta d tv . Dr K rüger: B loß in den Gewerkschaften 
Sonst könnte unmöglich H err Kollege S tad th ag en  sind die braven  L e u te !)
m einen, eine Z uw endung an  diese Kassen könnte 
die Gewerkschaften in ihren andern  Einrichtungen —  Nicht n u r in den Gewerkschaften, auch in den 
irgendw ie stärken. Eine Z uw endung an die Kassen G ew erkvereinen und in den christlichen Gewerk­
der Gewerkschaften w ürde nichts w eiter bedeuten schaften sind O rganisierte; w enn ich hier von G e­
als das prinzipielle A nerkenntnis der A ufw endung werkschaften gesprochen habe, so ist es ja selbstver­
städtischer M itte l zu den Leistungen, die auf dem ständlich, daß es nicht eine bestimmte G ruppe  ist, 
Wege der Selbsthilfe bereits geschehen sind. W enn die sich der Z uw endungen  erfreuen  soll, sondern 
S ie  die neueste N um m er der Sozialen  P rax is  auch die G ew erkverein usw .; m ir lag der Ausdruck 
oder des R eichsarbeitsblatt einsehen, so werden „Gewerkschaften" n u r  näher.
S ie  d a rau s ersehen, daß die an  das Statistische ( S ta d tv . Dr C rü g e r: D a s  glaube ich!)
        
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