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Periodical volume 12. Februar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

Aber, meine Herren, gerade wenn man dieses Ver­ gewissen Grade gebe ich das vollkommen zu 
trauen hat, hat kes keinen Zweck, diesen Antrag Ein Feinmechaniker muß darauf achten; es gibt auch 
anzunehmen. E r 'steht dann vollkommen in der andere Berufe, die darauf achten müssen. Aber 
Luft. Der Magistrat geht, wie ich überzeugt bin, die, Arbeitslosigkeit ist in diesem feinen Berufen 
gar nicht auf die Brücke, die ihm da gezeigt wird. sehr wenig vorhanden.
Nun hat Herr Kollege Borchardt bereits einen (Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) 
Antrag gestellt, der diese Nr. 2 etwas verändert. Feinmechaniker,die dabei an allererster Stelle stehen — 
Er w ill das Wörtchen „ob" verändern in „in  (Zurufe bei den Sozialdemokraten: Siemens und 
welcher Weise" und hat das damit begründet, daß Halste!)
die Stadtverordnetenversammlung bereits klar aus­ — ich kann aus meiner eigenen Kenntnis sagen, 
sprechen muß, w ir wollen städtische M itte l für die daß bei den Feinmechanikern heute noch der aller­
Arbeitslosenversicherung hergeben. Ich habe vor­ größte Mangel herrscht, noch heute im Februar 
hin ausgeführt, daß das Bedenken hat. Wie kann dieses Jahres. Ich bitte Herrn Kollegen Bor­
das überhaupt geschehen? Es kann geschehen, chardt, wenn er gute Kräfte auf diesem Gebiete 
wie Herr Kollege Borchardt angedeutet hat, indem weiß, sie m ir namhaft zu machen: ich werde ihnen 
man denjenigen Gewerkschaften, die die Arbeits­ nachweisen, wo sie Arbeit finden können.
losenversicherung bereits eingeführt haben, eine Wenn Herr Kollege Borchardt sagt, daß diese 
Beihilfe gibt. Meine Herren, in welchen Händen Leute nicht auf den Steinplatz gehen können, um 
diese Gewerkschaften sind, kann die Stadt nicht gute Hände zu behalten, dann, meine ich, tr itt 
untersuchen. die eigene Versicherung des Menschen ein, dann 
(Sachen bei den Sozialdemokraten.) muß er bei Zeiten, wo er Arbeit hat, etwas zurück­
Sie hat auch keine Möglichkeit, eine Kontrolle über legen. W e n n  e r  si ch n i c h t  a u f  d e n  
diese Gelder in einer Weise auszuüben, daß sie S t a n d p u n k t  s t e l l t ,  j e d e  A r b e i t  a n ­
sicher ist, daß diese Gelder im Sinne der Stadt ver­ z u n e h m e n ,  d a n n  w ü r d e  e r  z u r  
wendet werden, und wenn sie diese Möglichkeit r e c h t e n  Z e i t  e t w a s  z u r ü c k l e g e n  
hätte, dann würde sie diese Gewerkschaften im all­ m ü s s e n  f ü r  d i e  Z e i t ,  w o  e r  k e i n e  
gemeinen stärken, so daß deren M itte l an einer A r b e i t  ha t .  Meine Herren, ich würde es als 
andern Stelle frei werden für Zwecke, für die gelehrter Mann nicht verschmähen, Steine zu 
städtische M itte l nicht aufzuwenden sind. klopfen, und ich würde es für das Richtige halten, 
(Stadtv. Zietsch: Deshalb versäumt sie ihre daß die Arbeiter, denen Arbeit geboten ist, sie auch 
soziale Pflicht!) annehmen.
Die Frage brauchen w ir wohl nicht zu erörtern, 
ob w ir von Charlottenburg aus eine städtische S tadtra t S am tcr: Meine Herren, der
Arbeitslosenversicherung wollen; dazu würde sich Magistrat hat im  Ausschuß den Standpunkt ver­
die Stadtverordnetenversammlung wohl nicht ver­ treten, der in den letzten Worten der Z iffer I  des 
stehen. Ausschußbeschlusses zum Ausdruck gekommen 
Es ist angedeutet worden, man müsse Groß- ist: daß die Lage auf dem Arbeitsmarkte zwar ernst 
Berlin heranziehen. Demgegenüber stehe ich aber, ist und m it aller Aufmerksamkeit verfolgt werden 
wie auch im Ausschuß von verschiedenen Seiten muß, daß aber heute noch kein Anlaß vorliegt, da­
der Mehrheit erklärt wurde, auf dem Standpunkt, von zu sprechen, daß wenigstens für Charlottenburg, 
daß das Richtige die Versicherung auf Grund des eine Krise vorliegt.
Reiches ist. Das haben die Sozialdemokraten ja Daß der Magistrat den Arbeitsmarkt auf­
auch zugegeben, und auch ein Teil der Herren, merksam verfolgt, werden Sie aus den Tabellen 
die der Resolution zugestimmt haben. ersehen haben, die Ihnen heute vorgelegt worden 
Nun erklärt Herr Kollege Wöllmer, diese Ver­ and. Und wenn Sie einen Blick auf die graphischen 
sicherung müßte immer basieren auf der eigenen Darstellungen werfen, so werden Sie bestätigt 
Versicherung der Arbeiter. Bis zu einem gewissen finden, daß auch heute kein Anlaß vorliegt zu einer 
Grade wird das immer der Fall sein. Das ist auch verändertenStellungnahmedesMagistrats gegenüber 
bei den Gewerkschaften der Fall. Es würde auch den Ausführungen, die er damals gemacht hat. Ich 
bei der städtischen Arbeitslosenversicherung der möchte auf diesen Punkt aber nicht näher ein­
Fall sein müssen und ebenso bei der Reichs-Arbeits­ gehen, sondern auf etwas anderes. Herr Stadtv. 
losenversicherung. Dr. Borchardt hat Bezug genommen auf eine Er­
Ich möchte die Sache aber etwas anders auf­ klärung, die ich im Ausschuß abgegeben habe. Ich 
gefaßt wissen m it Rücksicht auf die Beispiele, die -möchte diele Erklärung heute ergänzen. Der 
Herr Kollege Borchardt gab. Er sagte: die Arbeiter Magistrat kann, soweit der Armenverwaltung M a­
können nicht auf den Steinplatz gehen, wenn sie terial vorliegt, sich auch heut nicht auf den Stand­
nichts zu tun haben; er drückte sich sogar so aus, punkt stellen, daß eine Krise auf dem Arbeitsmarkt 
es wird doch keiner dahin gehen, der bessere Arbeit vorliegt. Ich habe im Ausschuß erklärt, daß seit 
finden kann. einer Reihe von Jahren eine Statistik geführt 
(Widerspruch des Stadtv. De Borchardt.) wird über die Untcrstützungsgesnche, die wegen 
Meine Herren, wenn einer bessere Arbeit finden Arbeitslosigkeit eingehen. Ich gebe zu, daß diese 
kann, dann gehört er nicht zu den Arbeitslosen Statistik kein absolut richtiger Maßstab ist; aber 
(Erneuter Widerspruch des Stadtv. De Borchardt.) wenn man eine Reihe von Jahren eine solche 
— das ist wörtlich gesagt worden; ich habe selbst Statistik durchgeführt hat, wird man vergleichen 
mitstenographiert. Es wird sich nachher ja aus dem und beurteilen können, ob ein größerer oder ge­
Stenogramm ergeben. — Es wird nun behauptet, ringerer Grad von Arbeitslosigkeit vorhanden ist 
die besseren Arbeiter können sich nicht dazu her­ oder nicht. Ich kann nun erklären, daß die Zahlen im 
geben, Steine zu klopfen, weil sie dadurch ihre Dezember 1907 — heute habe ich auch die Zahlen 
Arbeitskraft für ihren besseren Beruf, der feinere für Januar 1908 — daß also die Zahlen für De­
Hände verlangt, vermindern würden. Bis zu einem zember und Januar wesentlich niedriger sind als
        
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