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Periodical volume 13. Februar 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

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Berichterstatter Stadtv. Klick: M eine  H erren, E r  hegt daher S o rg e , daß beim eventuellen A usbruch 
nachdem w ir erst im  O ktober des vergangenen J a h re s  einer D iphtherieepidem ie sich u nhaltbare  Z ustände er­
zirka 1 8 0 0 0  zur V erstärkung des A rm e n e ta ts  be­ geben werden, die fü r die B evölkerung von schwer­
w illigt haben, sind jetzt w iederum  20  300  JC e rfo rder­ wiegenden F o lg en  begleitet sein können.
lich, um  eingetretene Überschreitungen des A rm eneta ts  M eine H erren . S ie  w erden sich erinnern , daß 
zu decken. 'G erad e  beim K apitel A rm enw esen werden w ir gelegentlich der vorjäh rigen  E ta tsb e ra tu n g  den 
sich ja  Überschreitungen sehr selten verm eiden lassen, A n trag  gestellt hatten , m it dem B a u  des A syls fü r 
da sich die A usgaben bei A ufstellung des E ta ts  sehr Obdachlose zu beginnen. D ie  P lä n e  und  Zeichnungen 
schlecht fixieren lassen. S ie  ersehen a u s  der der V o r­ fü r den B a u  w aren  fertig. Auch die S u m m e  von 
lage freigegebenen B eg ründung , zu welchen Zwecken 1 6 2 0 0 0  JC zum  B a u  desselben w ar in der letzten 
die einzelnen B eträge gebraucht werden. A nleihe m it en thalten . Unser A n trag  w urde d am als 
E rstens sollen 2000  JC m ehr eingestellt w erden abgelehnt.  Ic h  glaube, daß bei einer eventuellen 
fü r die U nterbringung  von Pflegekindern in den A n ­ W iederkehr unseres A n trages dieses G utachten u n s  
stalten. Diese S u m m e  ist eineste ils  durch die erhöhte veranlassen w ird, m it dem B a u  des Obdachlosen- 
A ufnahm efähigkeit des W aisenhauses Luisenandenken A syls zu beginnen; denn solche Z ustände sind doch 
entstanden: andererseits sind auch der P r in z  K arl- u nh a ltb ar. G erade C harlo ttenburg , d as  sich hinsicht­
S t if tu n g  m ehr K naben überwiesen w orden. W eiterw er­ lich seiner san itären  E inrich tungen  rühm en  kann, eine 
den 7000 c41 gefordert zu Pflegegeldern  fü r K inder, die der ersten S te llen  u n te r den deutschen G roßstäd ten  
sich in  F annlienverp flegung  befinden. D e r  M e h r­ einzunehm en, dürfte  solche Z ustände, wie sie dort 
bedarf erk lärt sich wohl hauptsächlich durch den B e­ herrschen sollen, nicht unbeachtet lassen.
schluß der D e p u ta tio n  fü r die W aisenpflege, die P flege­ I m  übrigen  kann ich n u r  beantragen , diese E ta ts -  
gelder der K inder im  ersten L ebensjahre von 21 aus 25 JC Überschreitungen zu bew illigen.
zu erhöhen. F e rn e r  sind fü r A rzneien  usw. bOOJC mehr (D ie  B era tu n g  w ird  geschlossen. D ie  V ersam m ­
ausgegeben w orden, sodann fü r M ilch 2000  „11 mehr. lung beschließt nach dem A n trage des M ag is tra ts , 
E s  werden monatlich 1200 JC gebraucht, und da in wie fo lg t:
den E ta t  n u r  1 2000  JC eingestellt w aren , sind weitere F olgende E ta tsn u m m e rn  des O rd . K ap ite l V  
2000  JC erforderlich um  die M ilch in der bisherigen fü r 1906 werden in Höhe der bei den einzelnen 
Weise abgeben zu können. F ü r  die U nterbringung  N um m ern  angegebenen B eträge  a u s  laufenden 
von unheilbaren  Lungenkranken in  A nstalten  sind M itte ln  des J a h r e s  1906 verstärk t:
3500  JC. erforderlich. E s  w ar u n s  bis jetzt nicht 1. O rd . V 1— 2 a  P flegegelder fü r  K inder
möglich, wegen der w eiten E n tfern un g , in  der sich in  A nstalten  . . . 2000  JC
diese L ungenheilstä tten  von C h arlo ttenburg  befinden, 1— 2b desgl. in  F am ilie n v e r­
Kranke dort h inzubringen . S e i t  der E rrichtung  der pflegung in C h arlo tten ­
A nstalt B u rg  D ab e i bei Wittstock ist es aber möglich, burg    7000  „
Lungenkranke in dieser A nstalt unterzubringen . D a s  2. O rd . V  3 — 5 a  A rzneien  p p   500  „
ist auch geschehen, zu r Z e it befinden sich dort 11 P a ­ 3 — 5b M i l c h  2000  „
tienten . D ie s  e rfo id ert eine M ehrausg ab e  von 3 500  JC. 3 . O rd . V  3— 9 U n terb ringung  von u n ­
D ie  zum  S ch luß  aufgeführte S u m m e  von 5300  JC heilbaren  L ungen­
ist zum  A usbau  der F am ilienhäuser notw endig . Ich  kranken in  A nsta lten  . 3 50 0  „
kann mich hier wohl auf d as  G utachten, das vom 4. O rd . V  6— 8 In s ta n d h a ltu n g  der F a -
S la d ta rz t  D r. S im so n  abgegeben w orden ist, beziehen, m ilienhänser - . . 5300  „
und  möchte I h n e n  einige seiner Beobachtungen hier insgesam t 2 0 3 0 0  M .)
vorführen.
E r  sagt, daß die S ä le  im  F am ilienhause zur Vorsteher Roscnberg: P u n k t 8 der T a g e so rd n u n g :
A ufnahm e der Obdachlosen vollständig ungeeignet 
sind, hauptsächlich deswegen, w eil sie zu stark belegt V orlage betr Verstärkung von Etats- 
sind. E s  befinden sich in  den einzelnen S ä le n  16 bis nnnunern des Ord. Kapitel VI für 1906. —
18 P ersonen , teilweise auch noch m ehr. D e r  vor­ Drucksache 55.
handene R au m  w ird  noch durch die A ufstellung von 
M öbeln  und H au sg erä ten  beengt. D adurch, daß zu Stadtv. D r. Landsberger: M eine H erren , wenn 
gleicher Z e it von 4 F ra u e n  in  den einzelnen S ä le n  auch ein  R eferent fü r diese A ngelegenheit nicht be­
gekocht w ird, w ird  die L uft sehr verschlechtert. G e­ stellt w ar, so möchte ich doch zu dieser F o rd e ru n g , 
radezu entsetzlich w ird  aber die L uft in  den Abend- die durch ihre Höhe vielen von u n s  e tw as auffällig  
und  N achtstunden infolge der A usdünstungen  und  der erschienen ist, ein p a a r  W orte sagen. D ie  geforderte 
nicht rechtzeitig beseitigten E ntleerungen  der K inder. N achbew illigung von 9000  JC ist im  wesentlichen 
E in  großer M iß stan d  liegt ferner darin , daß. wie durch den zw eiten T eil der geforderten  M e h ra u s ­
schon erw ähnt, sich die Kocheinrichtungen in  den S ä le n  gaben bedingt; 5000  JC sind eine S u m m e , die im  
befinden; außerdem  liegen die K losetts unm itte lba r Vergleich zu der ü berh aup t im  E ta t  festgestellten 
neben den einzelnen W ohnungen. D ie  einzelnen v on ' 6500  JC eine ungewöhnliche Höhe bedeutet. 
W ohnungen liegen im m er zu zweien zusam m en, und D ie  B eg rün du ng , die die M ag is tra tsv o rla g e  gibt, 
m an  m uß  von der einen in  die andere hineingehen. erscheint im  V e rh ä ltn is  zur Höhe der S u m m e  und 
E s  sind eigentlich also n u r  D urchgänge, w orin die zu den Unstimmigkeiten, die zwischen dem E ta ts a n ­
E inzelfam ilien  wohnen. D adurch, daß  eiserne O fen satz und  der Überschreitung sich geltend machen, e tw as 
sich in  den Z im m ern  befinden, liegt auch eine große gering, und  wenn auch die K ran kenh ausdep u ta tio n  
hygienische G efahr fü r  die K inder insofern vor, a ls  sie die Überschreitung fü r begründet erachtet hat. so m u ß  
sich sehr leicht verbrennen können. W eiter h a t der es doch Zw eifel erwecken, w oher diese enorm en M e h r­
A rz t beobachtet, daß, wenn in  einem S a a le  irgend ein ausgaben  gekommen sind. N u n  ist ja  a lle rd in gs von 
K ind  an  einer Infek tionskrankheit erkrankte, die vornherein  zu sagen, daß  die B elegung  der in  F rag e  
übrigen K inder trotz sofortiger Iso lie ru n g  des E r ­ kommenden A bteilungen in  dem K rankenhause Kirch- 
krankten von derselben K rankheit befallen w urden. straße nach der B eg rün du ng  der V orlage  vielfach
        
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