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Periodical volume 18. Dezember 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

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5. D as Schulgeld in den neuen Oberrealschul- halb nicht stichhaltig, weil die Unfälle sich nicht nach 
unb Realschulklassen ist in derselben Höhe wie den Sprechstunden der Ärzte richten und gerade, 
in der bereits bestehenden Oberrealschule zu wenn m an einen Arzt nötig braucht, ein solcher iii 
erheben und beträgt in den Klassen V I— U II den meisten Fällen bekanntlich nicht sofort zu haben 
jährlich 80 M  und in den Klassen O I I —O I  ist. D as soll'durchaus kein Vorwurf für die Herren 
jährlich 120 M.  Auswärtige zahlen einen Arzte seilt; es liegt dies eben in der N atur der Sache.
Zuschlag von jährlich 40 M. Meine Herren, es bestehen in Charlottenburg 
6. Die Lehrkräfte sind nach M aßgabe des Nor-1 und an seiner Peripherie zurzeit bereits drei Unfall­
m aletats für die Leiter, Lehrer und Lehrerin­ stationen, welche von der S tad t eine Subvention 
nen an den städtischen Schulen vom 1. April erhalten : die eine ist Berliner S traße 48a gelegen, 
1905, genehmigt durch Verfügung des die zweite liegt am Kurfürstendamm auf dem 
Königlichen Provinzialschulkollegiums vom T errain  des Zoologischen G artens — die Direktion 
27. M ärz 1905 — I 2595 — zu besolden und hat die Räum e unentgeltlich zur Verfügung gestellt 
in die Ortsstatute über Gewährung von Ruhe­ — und die dritte H utten-S traße 11. Es ist daher 
gehalt und W itwen- und Waisengeld vom meines Erachtens ganz selbstverständlich, daß bei 
16./31. M ärz 1900 einzubeziehen. Begründung einer neuen S tä tte  erster Hilfe an die 
7. Hinsichtlich der Lehrpläne und der Anzahl Errichtung einer weiteren Unfallstation gedacht wird.
und Art der Lehrkräfte, sowie bezüglich des M eine Herren, ich w ar so frei, mich mit dem 
Aufbaues der beiden Anstalten durch An­ Kuratorium  der Unfallstationen in Verbindung zu 
fügung von Klassen und hinsichtlich der Be­ setzen, und habe dort eingehende In form ationen  er­
schaffung von Lehrmitteln sollen, wie bei den halten. Ich  möchte nicht verfehlen, Ih n e n  das 
übrigen höheren Lehranstalten, lediglich die Wichtigste mitzuteilen:
Anordnungen des Königlichen Provinzial­ Die Unfallstationen sind zwar ursprüng­
schulkollegiums maßgebend sein. lich auf berufsgenossenschaftlicher Basis auf­
8. D er Neuschaffung von gebaut, d. h. es werden in ihnen Unfall­
4 Oberlehrerstellen zum 1. April 1908 und verletzte der Berufsgenossenschaften zu be­
1 Oberlehrerstelle zum 1. Oktober 1908 stimmten Sätzen behandelt (irgend ein anderes 
wird zugestimmt. Verhältnis zwischen den Unfallstationen und 
9. Die zur Inbetriebnahm e der beiden Anstalten den Berufsgenossenschaften Üesteht nicht); die 
erforderlichen M ittel im Betrage von 25 997JC S tationen  haben sich jedoch in ausgiebigstem 
sowie die Kosten für die Erm ietung der Räum e M aße auch m it dem öffentlichen R ettungs­
sind in den nächstjährigen E tat einzustellen.) wesen beschäftigt, und es haben die in B erlin 
und den V ororten vorhandenen 17 S tationen 
Borsteher Kaufmann: Wir kommen zu im Jah re  1906 in mehr als 60 818 Fällen bei 
Punkt 4 der Tagesordnung: Unfällen und plötzlichen Erkrankungen außer­
halb und innerhalb der S ta tion  die erste Hilfe 
A n trag  der S ta d v  B o llm a n n  und tHen betr. geleistet.
U nfallstation . — Drucksache 498. Jed e  S ta tion , welche aus einem W arte­
raum , einem Verb and raum , einem Zimmer 
Der Antrag lautet: für den wachhabenden Arzt, tunlichst einem 
Stadtverordneten-Bersam m lung wolle R aum  für Bewußtlose und Alkoholvergiftete 
beschließen: Der Magistrat wird ersucht, sich und den nötigen Nebenräum en besteht, unter« 
b a l d m ö g l i c h s t  mit dem Eisenbahnfiskus steht der Leitung eines dirigierenden Arztes, 
in Verbindung zu setzen behufs Einrichtung welcher ebenso wie die Hilfsärzte vom Kura­
einer Unfallstation im  B a h n h o f s g e ­ torium  der Berliner Unfallstationen vom 
b ä u d e  (S tu ttg a rte r Platz) oder in unm ittel­ Roten Kreuz fest angestellt sind und besoldet 
barer Nähe desselben. werden. Die Einnahm en der S tationen, 
welche sich aus den Honoraren der Hilfe­
Antragsteller Stadtv. Bollm ann: Meine suchenden zusammensetzen, fließen dem Kura­
Herren, der vorliegende Antrag ist auf vielfache An­ torium  der Berliner Unfallstationen vom 
regungen zurückzuführen. Ich  habe die m ir ge­ Noten Kreuz zu, welches auch sämliche Aus­
machten Angaben sorgfältig nachgeprüft und mich gaben der S tationen, als M iete, Heizung,
überzeugt, daß die Einrichtung einer S tä tte , in der . Beleuchtung, Arzthonorare, Telephonge­
jederzeit ärztliche Hilfe mit Sicherheit zu erlangen bühren usw. trägt. D as alljährliche erheb­
ist, für den um den Stadtbahnhof Charlottenburg liche Defizit der S ta tionen  wird durch frei­
gelegenen S tad tte il eine d r i n g e n d e  N o t ­ willige Beiträge, wie Kommune, P rivate 
w e n d i g k e i t  ist. Die Entfernung nach dem usw., aufgebracht.
nächst belegenen Krankenhaus ist recht erheblich. I n  den S ta tionen  wird j e d e m  H i l f e ­
Außerdem herrscht in dieser Gegend viel Berkehr, s u c h e n d e n  o h n e  R ü c k s i c h t  a u f  
und auch Groß- und Kleinindustrie beginnt sich dort Z a h l u n g s f ä h i g k e i t  oder Z a h ­
anzusiedeln. Als wichtiges M om ent kommt noch l u n g s u n f ä h i g k e i t  die erste Hilfe ge­
hinzu, daß der Betrieb des Bahnhofes Charlotten­ währt und ebenso seitens der S ta tionen  jedem 
burg, welcher täglich von ca. 1500 Zügen passiert Ruf nach außen Folge geleistet. Nach der 
wird, eine große Unfallsgefahr in sich schließt, und Hilfeleistung wird festgestellt, ob der B e­
daß ferner der Werkstättenbetrieb in Grunewald, treffende selbst zahlungsverpflichtet und zah­
der eine große Zahl von Arbeitern beschäftigt, eben­ lungsfähig ist, oder ob eine Krankenkasse oder 
falls ein großes Interesse daran hat, in Bahnhofs­ sonst ein Verband für ihn einzutreten hat. 
nähe m it Sicherheit ärztliche Hilfe finden zu können, j Nachweislich Unbemittelte erhalten die Hilfe 
Der vielleicht zu machende Einwand, daß sich unentgeltlich. Es wird in den S tationen, ab­
dort auch vjele Arzte niedergelassen haben, ist des­ gesehen von den vertraglich verpflichteten Be-
        
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