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Periodical volume 4. Dezember 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

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sind, so dürfte damit ein chemischer und physikalischer getreten, die Realschule in der Guerickeftraße zu 
A pparat sich nicht beschaffen lassen. einer Oberrealschule auszubauen? Aus technischen 
Ich  muß sagen, daß wir diesen Schwierigkeiten Gründen, meine Herren, hieß es. Es sei der Raum  
wohl am besten aus dem Wege gehen, wenn wir die für einen Umbau nicht geeignet, ein Korridor von 
Obersekunda zunächst in die Realschule in der 80 in Länge sei nicht übersehbar, durch den die 
Guerickeftraße bringen. Die Oberrealschule hat Schüler nach dem neuen Anbau hinübergehen 
zirka 1000 Schüler, und den Direktor weiter mit müßten. Es lagen uns in der D eputation für die 
einer neuen Klasse zu belasten, halte ich nicht für höheren Lehranstalten zwei P läne vor. Ich er­
angängig. I n  der Kaiser-Friedrich-Schule sind die laubte mir, dort den Antrag zu stellen, daß uns 
Verhältnisse ähnlich. I n  der Guerickeftraße ist P läne vorgelegt würden, welche veranschaulichten, 
die Schülerzahl dagegen geringer. D ort läßt wie es mit der Möglichkeit eines Umbaus unter 
sich auch vor allen Dingen von Ostern 1908 Kassierung des Direktorwohnhauses aussehe. D a­
bis Oktober 1908 ein Raum  schaffen, weil hier zu m als war der Herr S tad tbaurat, der die An­
Ostern eine Sexta eingeht, um einem im Oktober fertigung solcher P läne zusagte, nicht recht für den 
zu eröffnenden M ichaelis-Zötus Platz zu machen. Ausbau der Realschule zur Oberrealschule zu haben; 
Dadurch würde hier ohne weiteres der R aum  für ich habe aber heute zu meiner Freude gehört, daß 
die Obersekunda für ein halbes J a h r  vorhanden er und Herr Stadtbauinspektor Winterstein P läne 
sein, und damit gewännen wir Zeit für weitere gezeichnet haben — es sollen 4 sein — , die unter 
M aßnahmen. Auch ließen sich noch eine ganze Kassierung des Direktorwohnhauses recht wohl die 
Reihe von Räum en durch Verlegung der Reform» Möglichkeit zeigen, die Realschule in der Guericke- 
Realgymnasialklassen aus der Realschule in der straße zur Oberrealschule auszubauen. Und ich 
Guerickeftraße gewinnen, und wenn ich vor die muß sagen: das hat viel Verlockendes, es wäre bei 
Wahl gestellt wäre: „Soll zu Oktober 1908 die neue den großen finanziellen Aufgaben, die an uns heran­
Obersekunda einer Ober-Realschule oder die be­ treten, sehr wünschenswert. Der Ausbau der Real­
stehende Reform-Realqym nasial-Sexta aus der schule in der Guerickeftraße würde uns 300 000 J t  
Realschule in der Guerickeftraße herausziehen?", so kosten, eine neue Ober-Realschule dagegen über 
würde ich ohne weiteres für die Herausnahme der eine Million.
letzteren stimmen. Denn sie ist eine Unterklasse, Ich  glaube, für meine Freunde versichern zu 
die des chemischen und physikalischen A pparates der können, daß wir uns an den Mehrkosten nicht stoßen 
Anstalt nicht benötigt. würden, den Gesichtspunkt der Ersparnis als aus­
Aber auch dann könnten Sie, meine Herren, schlaggebend nicht ansehen würden solchen Forde­
immer noch davon absehen, sich für eine definitive rungen für die Schule gegenüber, die als unerläßlich 
Errichtung eines Oberbaus in der Guerickeftraße uns überzeugend nachgewiesen würden. Solange 
zu entscheiden. uns aber nicht nachgewiesen ist, daß die Angliederung 
Kann doch auch ich mich dem Verlockenden der Oberrealschule an die Realschule in der Guericke- 
des Gedankens nicht verschließen, daß eine zweite straße unmöglich ist, wage ich mich nicht für diese 
Oberrealschule in die M itte der S tad t gehört. Wie Vorlage auszusprechen.
die Haupt-Äadettenanstalt in Groß-Lichterfelde den Ich komme daher zu dem Schlüsse, S ie zu 
realgymnasialen Oberbau bildet für die Kadetten­ bitten, die Vorlage einem Ausschuß von 11 M it­
anstalten, so könnte die zentrale Lage eines Real- gliedern zu überweisen.
schuloberbaus für Charlottenburg wünschenswert 
erscheinen, denn eine so gelegene Oberrealschule Stadtschulrat v r .  Neufert: M eine Herren, der 
wäre für alle Aspiranten an unseren Realschulen Herr Vorredner hat sich darüber gewundert, daß 
bequem zu erreichen. Es würde andererseits durch der Magistrat diesmal nicht zu dem Ausbau einer 
die zentrale Lage die Frequenz eines Oberbaus der schon bestehenden Realschulen zur Oberreal­
durch Einheimische am besten gesichert sein, da ja schule, sondern zum Neubau einer Oberrealschule rät. 
die Nachfrage nach einem Platz in den Oberklassen Seinerzeit ist freilich hier., auf Anregung des Herrn 
immer geringer sein wird als die nach einem solchen S tadtv . Schwarz der Beschluß gefaßt worden, den 
in den Unterklassen. Ausbau einer der bestehenden Realschulen zur Ober­
Nach alledem haben meine Freunde mit mir realschule in die Wege zu leiten. Aber in der Be­
Bedenken, so ohne weiteres der Vorlage zuzu­ gründung — Herr Kollege Schwarz möge das nach­
stimmen. G etrennt nach Unterklassen und Ober­ lesen — ist nur die Rede davon gewesen, daß ein 
klasse scheint m ir ihr In h a lt  annehmbar zu sein. Bedürfnis nach der Obersekunda und den Prim en 
Wenn m ir das Bedürfnis zwingend nachgewiesen vorhanden ist. D as einfachste M ittel, dieses Ziel 
werden sollte, hätte ich nichts dagegen einzuwenden, zu erreichen, schien zu sein, die drei Klassen auf eine 
daß in zentraler Lage ein B au  errichtet würde, um Realschule aufzubauen, sodaß die Oberrealschule 
eine neue Schule aufzunehmen: ob das eine Ober­ dann fertig wäre. .Zweck und M ittel bitte ich hier 
realschule oder Realschule sein müßte, will ich auseinanderzuhalten.
dahingestellt sein lassen. Dagegen aber müßte ich Es zeigte sich nun bald bei der P rüfung, ob 
mich sträuben, daß einer neu zu gründenden Schule die Realschule am Savignyplatz oder die in der 
in M ietsräum en die Obersekunda angegliedert Guerickeftraße ausgebaut werden sollte,daß keineRede 
würde. Nach reiflichster Überlegung scheint es m ir davon sein könne, der Realschule an der Kaiser- 
richtiger zu sein, diese Obersekunda zunächst in die Friedrich-Schule noch drei Klassen hinzuzufügen. 
Realschule in der Guerickeftraße zu verlegen, wo Auf die Gründe brauche ich hier nicht einzugehen, 
bereits ein chemischer und physikalischer Apparat da der Herr Vorredner das auch nicht getan hat. 
vorhanden ist. Was dann die Zukunft bringt, können Wir traten also dem Gedanken näher, die Schule in 
wir ja noch abwarten. der Guerickeftraße weiter auszubauen. Es ist 
Es ist nun noch ein Gesichtspunkt von m ir nicht weidlich daran gearbeitet worden; Projekt auf 
erwähnt, der von großer finanzieller Bedeutung ist: Projekt ist angefertigt worden — aber alle haben 
warum ist der Magistrat von dem Gedanken zurück­ uns nicht befriedigt. Nun, meine Herren, werden
        
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