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Periodical volume 4. Dezember 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

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Schulkinder schon bei Dämm erung das Elternhaus sympathisch gegenüber, und er ist bereit, nach 
verlassen, und manchmal suchen sie erst, wenn die Kräften mit dahin zu wirken, daß es beim jetzigen 
Lampen angesteckt sind, das heimische Stübchen Zustande bleibt. Leider ist es uns nicht vergönnt 
wieder auf. Dazwischen liegt nur eine kurze gewesen, vor der Ausdehnung der neuen Ferien­
M ittagspause. Es bleibt ihnen also sehr wenig Ge­ ordnung auf Berlin und die Vorortgemeinden 
legenheit, sich in der frischen Luft zu ergehen; und unsere auf Kenntuis der örtlichen Verhältnisse be­
ein so gesundes Vergnügen wie das Eislaufen ist ruhenden Bedenken an zuständiger S telle aus­
vielfach nur auf die Sonntage und die Ferienzeit zusprechen. Wir sind nicht vorher gehört worden. 
beschränkt. M eines Erachtens ist es daher nicht zu Jetzt, nachdem der Erlaß bereits veröffentlicht ist, 
empfehlen, den Kindern diese Gelegenheit noch zu ist es natürlich viel weniger aussichtsvoll, mit 
verkümmern. Auch Ostern ist eine größere E r­ unseren Gegenvorstellungen etwas zu errechen. 
holungspause dringend nötig. Durch die lange und Aber vielleicht macht es einigen Eindruck, wenn 
anstrengende Arbeit des W inters sind die jungen Charlottenburg und die Nachbargemeinden sich zu 
Körper geschwächt, viele haben wohl gar wegen Er­ einem gemeinschaftlichen Schritte nach dieser Rich­
krankung in der Schule fehlen müssen. Da ist es tung vereinigen. Aus diesem Grunde haben wir 
wieder dringend wünschenswert, daß m an den beschlossen, an unsere Nachbargemeinden mit der 
Kindern Gelegenheit gibt, sich draußen im Freien Frage heranzutreten, ob sie geneigt sind, sich wegen 
zu tum m eln; und wenn die Frühlingsionne scheint, eines gemeinsamen Schrittes mit uns ins Benehmen 
wenn draußen in Wald und F lu r das erste Grün w  setzen. Ich hoffe, daß wir zustimmende Er­
wieder sprießt, dann tun sie es so gern. Der Herr klärungen bekommen werden. Ging doch in den 
Referent hat vollständig recht: in der Großstadt ist jüngsten Tagen durch die Zeitungen die Nachricht, 
d a s  doppelt und dreifach nötig. Ein Kind, das nur daß auch in einigen Nachbargemeinden die städtischen 
eine kurze Zeit — vielleicht 1 bis 2 S tunden — zur Körperschaften sich m it derselben Frage beschäftigt 
Verfügung hat, um  sich zu ergehen, kommt hier haben.
ja gar nicht recht in die frische, gesunde Luft hinaus. Zum  Schluß möchte ich nur noch meiner be­
Hier muß es oft eine S tunde gehen, bis es draußen sonderen Freude darüber Ausdruck geben, daß der 
in eine reine und ozonreiche Luft kommt, und der Herr Referent sich so gründlich mit dieser An­
Rückweg kostet ebensoviel Zeit. Unterwegs hat es gelegenheit beschäftigt hat, und daß er so viel 
sich in dem Lärm, dem Getümmel, der Aufregung Wärme für unsere Schuljugend und für die Lehrer­
und der Unrast der Großstadt zu bewegen. Ganz schaft an den Tag gelegt hat.
anders in  den kleinen S täd ten  und auf dem Lande. 
D a ist jede S tunde, die dem Spaziergange, dem (Auf Antrag des S tadtv. Otto tritt die Ver­
S piel oder dem S p o rt zur Verfügung steht, ohne sammlung in die Besprechung der Anfrage ein.)
Abzug eine wirkliche Erholung; es herrscht Tag für 
T ag dieselbe Ruhe, ringsum  flutet die beste Luft. S tad tv . Schwarz: Meine Herren, nach den 
Schon aus diesem einzigen Grunde, meine ich, ist gründlichen Ausführungen sowohl über die hygie­
es grundfalsch, zu sagen: in den kleinen S täd ten  und nische als über die pädagogische Seite erübrigt es 
in den Großstädten müssen die Ferien gleich sein, sich, auf die M aterie des näheren einzugehen. Ich 
und es darf nicht geduldet werden, daß die Groß­ möchte nur ein'ges wenige hinzufügen.
stadt gegenüber der kleinen S tad t durch längere F ü r mich ist dieser Regierungserlaß eigentlich 
Ferien bevorzugt wird. Ich fürchte, eine Ver­ ganz unverständlich gewesen. Ich habe mich ge­
kürzung der Ferien in der Großstadt wird sich an fragt: was kann der Gesichtspunkt sein, aus welchem 
der Gesundheit der Kinder rächen; die jetzt schon beraus er erlassen ist? Liegt er im Interesse unserer 
ungünstigen Gesundheitsverhältnisse werden noch Jugend, oder liegt er vielleicht im Interesse der 
schlimmer werden. Administration; wollte m an etwa gar dam it etwas 
W eiter unterschreibe ich jedes Wort, das der ausschalten, was den Lehrern auf dem Lande als 
Herr Referent über die Gefahr für die Lehrer gesagt besonderer Vorzug der S tad t erscheinen könnte, 
hat. Der Lehrerberuf ist sehr anstrengend, be­ die größeren F erien? Ich habe eine Antwort 
sonders für den Hals und noch mehr für die Nerven; darauf nicht gefunden und muß den Ausführungen 
und wir sehen es ja, wie trotz der jetzigen reichlichen des Herrn Kollegen Nöthig vollständig beipflichten.
Bemessung der Ferien so viele diesen Anstrengungen Nur die finanzielle Seite möchte ich noch an­
nicht gewachsen sind, besonders im Winter. Zu den deuten. Bei den großen Ausgaben der Arm en­
Zahlen, welche der Herr Referent angegeben hat, direktion in jedem Jah re  muß es natürlich erwünscht 
möchte ich noch eine hinzufügen. 39 000 M  stehen sein, Prophylaxis zu üben und die Kinder dadurch 
in unserem Etat für Vertretungen von Lehrern zur möglichst gesund zu erhalten, daß wir ihnen möglichst 
Verfügung, und sie werden gebraucht. Dabei viel Licht, Luft und Sonne gönnen. J e  mehr die 
handelt es sich zum weitaus größten Teil um  Ver­ Kinder sich erholen, um  so weniger kosten sie die 
tretungen erkrankter Lehrer. Wenn S ie nun beden­ S tad t. Als Lehrer kann ich nur bestätigen: je aus­
ken, daß eine Vertretungsstunde nur 1,25 M  kostet, geruhter die Kinder sind, m it denen wir zu tun 
so werden S ie  ermessen, eine wie ungeheure Zahl haben, um  so besser können wir m it ihnen arbeiten.
Vertretungsstunden alljährlich nötig sind. Jede Dieser Erlaß trifft aber nicht nu r. diejenigen 
Beurlaubung aber bedeutet eine S törung  des Eltern, die jetzt Kinder auf der Gemeindeschule 
Unterrichts, eine Schädigung der Schule. Die haben. S ie, meine Herren, sind im Begriff, einen 
Weihnachts- und Oster-Ferien sind ein vorzügliches bedeutsamen Schritt zu tun : S ie sind im Begriff, 
prophylaktisches M ittel gegen die Berufskrank­ höhere Lehranstalten ohne Vorschulen zu gründen. 
heiten der Lehrer. Verkürzen wir sie,'so wird es, I n  welche Lage kommen wir n u n ?  Manche Eltern 
befürchte ich, m it der Gesundheit der Lehrer noch werden sich dann sagen: nein, wenn mein Kind so­
mehr zurückgehen. viel weniger Ferien dort haben soll, gebe ich es gar 
D er M agistrat steht aus diesen Gründen der nicht auf die Gemeindeschule, — und diejenigen 
In terpella tion  und der Petition  der Lehrerschaft Eltern, die ihr Kind trotzdem auf die Gemeinde-
        
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