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Periodical volume 4. Dezember 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

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Aber noch eins: auch alle die sozialen Gründe, die der strikten Durchführung des Ministerialerlasses, 
die einst für die Gleichlegung der Volksschulferien wie für die S täd te überhaupt, so auch für Char- 
mit denen der höheren Lehranstalten ins Feld lotteuburg entgegenstehen. Ih n e n  allen ist bekannt, 
geführt worden sind, sprechen meines Erachtens in wie große Anstrengungen und Aufwendungen wir 
gleicher Weise g e g e n  die jetzt m it der Durch­ im allgemeinen hygienischen Interesse, im Interesse 
führung des Ministerialerlasses verbundene Ferien­ der Gesundheit unserer Volksschuljugend machen. 
verkürzung in den S täd ten . Werden doch dadurch S o  haben wir z. B. im E tat für 1907
die Ungleichheiten der verschiedenen Ferienarten für die Schulärzte . . . .  20 700 M  
— da nämlich der Ministerialerlaß die Mittelschulen für die Jugendspiele . . .  13 900 „ 
und die höheren Schulen ausdrücklich ausnim m t — für zwei Waldschulen . . 47 200 „ 
und die aus ihr sich -ergebenden so oft geschilderten für orthopädische Kurse . 3 800 „
sozialen Mißstände wieder von neuem, wenn auch für den Schwimmunterricht 670 „ 
in anderer Weise, herbeigeführt! für Ferienw anderungen . 500 „
Ich  glaube also, daß nicht nur eine Reihe ausgeworfen und als zweiten Teilbetrag zur E r­
gewichtiger hygienischer und pädagogischer, sondern richtung eines Spielplatzes die einmalige Ausgabe 
auch eine ganze Reihe gewichtiger sozialer Gründe von 10 000 M  vorgesehen. Dazu kommt, daß wir 
mindestens für eine Beibehaltung der Feriendauer den Ferienkolonien eine Unterstützung von 24 750 Jb 
in den S tädten , so wie sie jetzt besteht, spricht, und gewähren, daß wir in der Höhe von 9000 M  für 
daß alle Einwände, die gegen die Gewährung einer die Gewährung von Frühstück und eventuell 
längeren Feriendauer in den S tgdten ins Feld M ittagbrot für die Kinder der ärm eren Bevölkerung 
geführt worden sind, sich bei näherer P rüfung als sorgen, daß wir gemeinnützigen Vereinen auf dem 
nicht stichhaltig erweisen. Gebiete der Schulgesundheitspflege, z. B . dem 
Sehen wir uns nun aber den Erlaß des Herrn Kindererholungsheim 500 Jb und dem Verein für 
Ministers von 1904 daraufhin an, wie sich nach Kinderausflüge 600 M  bewilligen. M eine Herren, 
ihm die D auer der einzelnen Ferien verhalten soll, wenn S ie alle diese Sum m en zusammenzählen, 
so sehen w ir: Ostern 12 Tage, Weihnachten 10 so kommt eine ganz erkleckliche Sum m e heraus, die 
Tage, Pfingsten 6 Tage und Som m er- und Herbst­ wir aufwenden, weil wir überzeugt sind, daß wir, 
ferien zusammen 42 Tage. Greifen wir die Oster­ soviel es an uns liegt, uns bemühen müssen, den 
und Weihnachtsferien heraus, und vergleichen wir Schädigungen auf dem Gebiete der Schulgesund­
damit die Zeiten, welche der Hygieniker für die heitspflege, an denen ein Teil der ärm eren B e­
gleichen Ferien von seinem Standpunkt aus fordert; völkerung krankt, entgegenzusteuern. Deswegen, 
so fordert z. B. Eulenburg in seinem Referate für meine ich, haben wir nicht nur das Recht, sondern 
Weihnachten 3 Wochen, für Ostern 1% Wochen, auch als V ertreter von Charlottenburg die ernste 
das heißt dem Ministerialerlaß gegenüber bei den Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Aufmerksamkeit 
Weihnachtsferien eine Erhöhung um  11 Tage. auf die Bedenken hingelenkt wird, die der mit der 
Dies erscheint auch vollkommen berechtigt, Durchführung des Ministerialerlasses verbundenen 
wenn m an bedenkt, daß die Weihnachtsferien Schädigung der Volksschule entgegenstehen. D es­
zwischen den beiden längsten Schulabschnitten liegen. wegen haben meine Freunde und ich an den M agi­
Zum  mindesten dürfte aber keine Kürzung der jetzt strat die in der Tagesordnung enthaltene Anfrage 
bestehenden Feriendauer von 16Tagen auf 10 Tage, gerichtet, was er zu tun gedenkt, um  der den 
wie es der Ministerialerlaß vorsieht, eintreten. Charlottenburger Gemeindeschulen drohenden 
D enn aus Privatm itteilungen habe ich ersehen, Ferienverkürzung entgegenzutreten.
daß bei der ungemein aufreibenden Lehrtätigkeit (B rav o !)
innerhalb einer Großstadt die jetzt bestehenden 
Weihnachts- und Osterferien zur Erhaltung der Stadtschulrat Dr. Neufert: Meine Herren, 
Gesundheit für Lehrer und Lehrerinnen kaum der Magistrat und die Schuldeputation haben seit 
ausreichen, ihre Kürzung also eine erhebliche einer Reihe von Jah ren  sich bemüht, dahin zu 
Schädigung bedeuten würde. Auch die Lehrkräfte, wirken, daß die Ferien der Gemeindeschulen ebenso 
die ich bisher weniger in den Kreis meiner Er­ bemessen sind wie die der höheren Schulen, und es 
örterungen gezogen habe, haben ein Recht, sich war uns eine Freude, vor einigen Jah ren  dieses 
gegen die geplante Verkürzung der Ferien zu wen­ Ziel zu erreichen. Nach unserer M einung hat sich 
den. Is t  doch die Lehrtätigkeit in der S tad t, be­ diele neue Einrichtung gut bewährt, und wir haben 
sonders in der Großstadt, so außerordentlich auf­ daher keine Veranlassung, eine Änderung herbei­
reibend und anstrengend, und ist es doch zum Wohle zuwünschen.
der Volksschule so unbedingt n ö tig /d aß  die Lehr­ Bei den früheren Verhandlungen des M agi­
kräfte sich mit ungeschmälerten Kräften nicht nur strats tra t freilich die Gleichlegung der Som m er- 
dem Unterricht, sondern auch ihrer eigenen Weiter­ fe ren  in den Vordergrund. D aran soll jetzt nichts 
bildung w'dmen können, daß man, meine ich, geändert werden; nur die Weihnachts- und die 
auch aus b;efem Grunde seine S tim m e gegen die Osterferien sollen verkürzt werden. Ich glaube, 
geplante Ferienvcrkürzung in den S täd ten  erheben auch dazu ist nicht genügende Veranlassung vor­
muß. Ich stimme daher ebenso wie Herr Professor handen. I n  der langen Zeit von den Michaelis- 
Eulenburg mit Herrn Professor Wychgram über­ bis zu den Pfingftferien, also von Anfang Oktober 
ein, „wenn er es für billig erklärt, in den großen bis Ende M ai, finden sich nur zwei kurze Erholungs- 
S täd ten  mit Rücksicht auf die hier obwaltende pauien: das sind eben die auf 14 Tage berechneten 
stärkere Nervenerregung und Nervenabspannung Weihnachtsferien und die ebenso langen Oster­
etwas mehr Ferien zu gewähren."* ferien. Wenn in  der unwirtlichsten Jahreszeit das 
Als Vertreter der S tad t Charlottenburg haben Weihnachtsfest naht, so sind die Kinder einer E r­
wir die Pflicht, auf alle die Bedenken hinzuweisen, holung bedürftig. I n  dieser Zeit drängen sich die 
Schulstunden möglichst auf die lichtstärksten S tunden 
* Vergl. „D ie Woche." W0 7 . Nr. 43. S .  1875. des Tages zusammen, und dennoch müssen viele
        
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