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Periodical volume 4. Dezember 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

und der S tra ß e  zubringen m uß, w ährend das werden. D as  geschieht ja übrigens bereits und wird, 
Landkind in jeder freien M in u te  sich in Feld und w enn wirklich die G efährdung wachsen sollte, in 
W ald austum m eln  kann. im m er noch stärkerem M aße geschehen müssen.
W ie notw endig n u n  aber fü r die Großstadt­ D as im m er wachsende In teresse  der B e­
jugend eine ausgiebige E rholungszeit ist, in der auf völkerung an den erw ähnten  B estrebungen, die 
eine körperliche A usarbeitung W ert gelegt und S o rge  nachgewiesene im m er steigende Frequenz der T eil­
getragen w erden kann, das geht un ter anderem  auch nehm er an  den Jugendspielen , an  den F erien ­
aus den statistischen Erhebungen der H eeresver­ w anderungen und den Ferienkolonien setzt mich 
w altung  über die Diensttauglichkeit hervor. E inem  aber zugleich in  den S ta n d , auch noch einem  anderen 
in diesem J a h re  in der Zeitschrift für Schulgesund- E inw and gegen die längere F eriendauer in den 
heitspflege* erschienenen Aufsatze des C harlo tten­ S tä d te n  zu begegnen. Es ist gesagt worden, m it 
burger Schularztes Dr. Poelchau entnehm e ich, daß der längeren F eriendauer tue m an vielen E ltern 
in  B erlin  n u r 33 %  aller Gestellungspflichtigen gar keinen G efallen, viele w üßten gar nicht, w as 
brauchbar gewesen sind. Und w eiterhin m uß darauf sie m it den Kindern in den F erien  anfangen sollten, 
hingewiesen w erden, daß in  seinem V ortrage über und seien froh, w enn sie dieselben wieder in den 
die B edeutung der öffentlichen S p ie l-  und S p o r t­ Schulen w üßten. D em  gegenüber sollte es eigent­
plätze in M annheim  der R eferent, H err S a n itä ts ra t  lich genügen, auf folgende beherzigensw erte W orte 
Schm idt, im  J a h re  1905 sich wörtlich folgender­ des H errn Professor Eulenburg hinzuweisen:
m aßen geäußert h a t:
W enn wir,
W enn w ir . . .  sehen, daß nach ärztlichem —  sagt er —
U rteil die Z ah l der fü r ihr Lebensalter voll­ wie so augenscheinlich in der F erienfrage, 
kräftigen und gut entwickelten Kinder in den die Rechte des Hauses gegenüber einer Über­
verschiedensten S täd ten  unseres V aterlandes spannung der Schulgew alt bereitw illig ver­
fast nirgendw o auch n u r die H älfte aller tre ten , so m uß andererseits auch das H aus, 
beträg t, vielfach auf ein D ritte l, ein V iertel, die Fam ilie  sich der obliegenden erzieherischen 
ja auf noch niedrigere Bruchteile herabsinkt, Pflichten stets bew ußt bleiben und kann es 
so müssen w ir bekennen: es ist keine gesunde, nicht der Schule überlassen, sie davon, wie 
frische und arbeitstüchtige, sondern eher eine von einem  lästigen Z w ange zu befreien; und 
körperlich m inderw ertige Ju g e n d , die uns gewiß wird m an  der Schulhygiene nicht zu­
heute in unseren S tä d te n  heranwächst.** m uten dürfen, gegenüber den in bedrohlicher 
Z u  diesem Urteil ist H err S a n itä ts ra t  Schm idt Weise anwachsenden Erscheinungen körper­
auf G rund statistischer E rhebungen aus dem Ja h re  licher Hinfälligkeit und Erschöpfung bei einem 
1900 gekommen, und w enn nun  auch in  den letzten ansehnlichen Bruchteil des Schülerm aterials 
J a h re n  in den S tä d te n  auf G rund der verm ehrten ihre w ohlbegründeten A nforderungen solchen 
Bestrebungen auf dem Gebiete der Volksgesundheits­ E inw endungen zu Liebe herabzustim m en oder 
pflege manches besser gew orden ist, so darf m an darauf zu verzichten.*
m eines Erachtens nicht vergessen, daß auch in  dem ­
selben Z eitraum  die A nforderungen des Lebens Dieser E inw and ist aber nun  ferner ebenfalls 
an  Schüler und Lehrer m indestens in gleichem schon früher in den langjährigen K äm pfen der B e r­
M aße gestiegen sind. Von m einem  S tandpunkte  als liner und C harlo ttenburger Lehrerschaft um  die 
Arzt aus m uß ich also auch noch heute für eine ver­ Gleichlegung der Volksschulferien m it denen der 
m ehrte F eriendauer in den Großstädten plädieren. höheren Lehranstalten erhoben w orden, weil durch 
S ehen  w ir u n s nun  die E inw ände an, die eine solche Gleichlegung eine V erlängerung  der S om m erferien  in den Volksschulen e in tra t. I n  
gegen eine solche verm ehrte F eriendauer erhoben zahlreichen R esolutionen und P e titio n en , in  häufigen 
w orden sind. Nicht stichhaltig ist m eines Erachtens Auslassungen der Tagespresse hat sich aber bereits 
der gegen die längere F eriendauer in den S tä d te n  1899 die Bevölkerung gegen die Auffassung ge­
geltend gemachte E inw and, daß durch die längere 
F eriendauer eine sittliche G efährdung der Ju g en d  w endet:
e in trä te , die in  den S tä d te n  einer genügenden daß etw a die ärm eren F am ilien , welche am 
Aufsicht entbehre. Dieser E inw and ist übrigens T age wenig Z eit haben, sich m it den K indern 
in  anderem  Zusam m enhange bereits früher, als zu beschäftigen, n u r ungern  eine w eitere 
es sich um  die Gleichlegung der Volksschulferien A usdehnung der F erien  sehen w ürden.**
m it denen der höheren Lehranstalten handelte, Und auch aus den statistischen Erhebungen, 
des öfteren erw ähnt und widerlegt w orden, so die hier in  C harlo ttenburg 1899 darüber angestellt 
zuletzt noch im J a h re  1895 und 1899. Dieser E in ­ w orden sind, wieviel Kinder von der in diesem J a h re  
w and m üßte logischerweise zu einer Beseitigung der versuchsweise stattgehabten V erlängerung  der 
F e rien  überhaup t führe». Dieser Gedankengang S om m erferien  auf 5 Wochen Nutzen gehabt haben, 
führt natu rgem äß  zur Aufstellung folgender F o r­ ergibt sich, ein wie großes In teresse und V erständnis 
derung : nicht die F erien  müssen verkürzt werden, dieser F erienverlängerung  auch von der ärm eren . 
u n t die Ju g e n d  vor etw a ein tretenden sittlichen Bevölkerung entgegengebracht ist. Berichtete doch 
G efahren zu bew ahren, sondern w enn wirklich dam als unsere Schuldeputation : 
sittliche G efahren in  der längeren F eriendauer daß
vorhanden sind, so müssen diese G efahren durch —  ich zitiere wörtlich —
geeignete M aßregeln, wie z. B . durch u n ter Aufsicht einer überraschend großen Z ahl von K indern 
stattfindende Ferienspiele und Jugendw anderungen  aus dieser V erlängerung ein S eg en  er­
oder durch Ferienkolonien, nach Möglichkeit bekämpft wachsen ist.
* Nr, 6. 1907. S .  86. * Vergl. „Die Woche". 1907. Nr, 43. S .  1875.
** Vergl. Vierteljahrsschrift für öffentl. Gesundheitspflege. ** Vergl. die „Jahresberichte d. Berl. Lehrervereins". 
Bd. 38. 1906, S .  72. 1892 u. 1899.
        
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