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Periodical volume 13. November 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

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B erlin sind, unsere Koksvorräte sofort größer hat schon darauf hingewiesen, daß die uündcrbe- 
werden; in demselben Augenblick aber, wo wir güterten Leute Koks auf der Maschine, in der 
etw as unter dem Berliner Preise bleibe», erfolgt Küche verbrennen. D as ist richtig; der Koks kann 
ein Ansturm auf Koks, und die B orräte nehmen auch in den gewöhnlichen Kachelöfen gar nicht ver­
schnell ab. Wir müssen also vollständig mit Berlin brannt werden, es gehören dazu ganz besondere 
Hand in Hand gehen, und das geschieht auch. Roste; in den Küchen ist es möglich. Die Küche 
W enn wir nun die Einrichtung treffen wollten, wird gleichzeitig als W ohnraum benutzt, und dieser 
den minderbegüterten Bürgern den Koks billiger W ohnraum wird durch den Küchenherd mitge­
abzugeben, so müßte das doch natürlich m it einer heizt. Ich habe feststellen lassen, daß auf einem 
gewissen Kontrolle geschehen. Diese Kontrolle derartigen Küchenherde im ganzen Jah re  auch 
würde außerordentlich erschwert sein. Es ist fest­ unter Berechnung des Koks mit dem die Speisen 
gestellt, daß im Jah re  1906 — diese Zahlen liegen zubereitet werden, kaum 20 hl verbrannt werden. 
zunächst fest — zirka 120 000 Hektoliter Koks im Der Durchschnittspreis in den letzten Jah ren  be­
Tagesverkauf abgegeben worden sind, und hiervon trug ungefähr 1,10 bis 1,20 M; das ist eine Ausgabe 
etwa 60 000 Hektoliter in ganz kleinen M engen, von ungefähr 24 A  für eine derartige Feuerung. 
von y2 bis 3 Hektoliter. M an kann annehmen, Augenblicklich wird der P re is zwischen 1,40 und 
daß diese kleinen M engen gerade von minder­ 1,50 A  variieren; die Differenz ist also etwa 
begüterten B ürgern, die einen kleinen Haushalt 30 P f. pro hl oder eine Gesamtmehrausgabe von 
haben, abgenommen werden. Diese 60 000 Hekto­ etwa 6 M pro J a h r  oder 50 P f. pro M onat auf 
liter sind in etwa 50 000 Portionen abgesetzt das ganze J a h r  verteilt. Ich gebe zu, daß es 
worden, es sind also etwa 50 000 Leute auf der manchem schwer fallen wird, auch diese M ehraus­
Gasanstalt gewesen, welche diese kleinen M engen gabe zu tragen; aber, meine Herren, wenn bei 
dort entnommen haben. W enn S ie  nun eine den heutigen Lohnverhältnissen jemand tatsächlich 
Kontrolle ausüben wollten, dahingehend, daß so in Not ist, daß er nicht imstande ist, diese M ehr­
tatsächlich auch der billige Koks in die Hände dieser ausgabe zu leisten, dann sollte er sich wirklich an 
minderbegüterten Leute geht, so würden die Kosten den Magistrat um Hilfe wenden, entweder in der 
so groß sein, daß S ie den Koks wegschenken könnten. einen oder anderen Weise; dann wollen wir ihm 
Es besteht aber auch weiter die Gefahr, daß, helfend beispringen.
wenn wir wesentlich m it Koks im Tagesverkauf Darin stimmen der M agistrat und die G as­
billiger wären als im Großverkauf, sich ein Handel deputation überein, daß wir in dieser Weise helfen 
mit Koks herausbilden würde. Es besteht hierfür wollen. Andere Vorschläge können wir Ih n e n  
Erfahrung; m an hat in früherer Zeit in anderen unmöglich machen. Es würde undenkbar sein, 
S täd ten  auch schon derartige Versuche gemacht. daß wir in Charlottenburg den P reis für Koks 
Dieser ermäßigte Koks ist von allen möglichen herabsetzen, ohne daß die Nachbargemeinden ein 
Leuten abgeholt worden; alles, was Beine hatte, Gleiches tun. D enn die Folge wäre nur, daß 
vom Großvater bis herab zum kleinsten Knaben, nicht unsere B ürger die Vorteile hätten, sondern 
der schon den Kinderwagen schieben konnte, wurde die Nachbargemeinden.
nach der Gasanstalt geschickt, um  dort die M engen, Auf einen Überschuß der Gasanstalten können 
die nur in Q uantitäten von % hl bis 3 hl abgegeben wir nicht verzichten. Ich möchte mir erlauben, 
wurden, in Empfang zu - nehmen, und in nicht 
weiter Entfernung von der Gasanstalt w ar der darauf aufmerksam zu machen, daß im laufen­
große Wagen aufgestellt, auf welchem der Koks den Jah re  die Kohlenbeschaffung ganz enorme 
sogleich wieder umgeladen wurde. Er ging an­ Schwierigkeiten gemacht hat. Der Bedarf an Kohlen wird sich auf etwa 150 000 Tonnen er­
statt in die Hände der Konsumenten in diejenigen strecken, und die M ehrausgabe, die wir haben 
der Händler, welche alsdann den Koks zu teueren werden, wird etwa 450 000 M betragen. Dieser 
Preisen verkauften. D am it würden wir absolut Ausfall von 450 000 A  muß gedeckt w erden; 
nichts erreichen. denn wenn S ie das in S teuern  umsetzen würden, 
Der Magistrat sowohl wie die G asdeputation würde das einen Aufschlag auf unsere Gemeinde­
haben den besten Willen, denjenigen, die wirklich steuer von etwa 7 %  bedeuten. Ich meine, von 
in Not und in Sorge sind, zu helfen, und wir helfen dem Grundsatz, daß die Gasanstalt nach kauf­
heute schon. Es werden der Armendirektion all­ männischen Grundsätzen verwaltet werden soll, 
jährlich größere M engen — bis 8000 hl — zur kann m an nicht abgehen. Nach Lage der Dinge 
Verfügung gestellt, welche denjenigen, welche in ist daher der Magistrat nicht in der Lage, Ih n e n  
Not sind, umsonst gegeben werden. Aber, meine positive Vorschläge wegen Herabsetzung der Koks- 
Herren, auch denjenigen, welche der Armen­ preise zu machen.
direktion nicht anheimfallen, auch den verschämten 
Armen wird geholfen. Der Verein gegen Ver­ (Auf Antrag des S tad tv . Hirsch erfolgt die 
arm ung wendet sich an uns, und wir stellen ihm Besprechung der Anfrage.)
größere M engen zur Verfügung, welche er an die 
verschämten Armen verteilt. Wir find bereit und Stadtv. Dzialoszynski: M eine Herren, es 
haben dem Verein das erklärt, ihm auch in diesem war sehr dankenswert von den Herren auf der 
Jah re , falls die Not größer werden sollte, größere äußersten linken Seite dieses Hauses, daß sie diese 
M engen zur Verfügung zu stellen; wir können Frage angeschnitten haben. Es handelt sich um 
also auch nach der Richtung hin helfen eintreten. eines der schwierigsten Problem e, die die S ta d t­
Nun, meine Herren, wollen wir uns doch ein­ verwaltung beschäftigen können. Aber ich glaube, 
mal die Frage vorlegen, ob denn wirklich für diese dieses Problem  wird so leicht nicht mehr von der 
minderbemittelten M itbürger aus den hohen Koks­ Tagesordnung der kommunalen Verwaltungen ver­
preisen ein so großer Nachteil entsteht, daß sie ihn schwinden. Wir können täglich beobachten, daß 
nicht allein tragen können. Herr S tad tv . Klick der Kreis der Aufgaben der Kommunen sich er-
        
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