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Periodical volume 13. November 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

preise in der letzten Zeit bedeutend in die Höhe Epoche insofern leben, als wir zurzeit mit einer 
gegangen, und es steht zu erwarten, daß diese P re is ­ außerordentlich günstigen Ausnutzung unserer 
steigerung mit Eintritt der kälteren Jahreszeit noch Werke rechnen können. Wir haben in früheren 
weiter vor sich gehen wird. Wenn wir die P re is ­ Jahren, vor etwa 10 Jahren ,  auf Vorrat gebaut; 
bewegungen in den letzten 10 Jah ren  auf dem diese Bauten werden jetzt wirtschaftlich ausgenutzt, 
Markte für Haus- und Küchenfeuerung verfolgen, die Amortisation, die Verzinsung der Werke geht 
so finden wir, daß gerade der Gaskoks die größte von J a h r  zu J a h r  herunter, und so befinden wir 
Preissteigerung erfahren hat. Bon dieser unge­ uns dauernd in einer aufsteigenden Linie in bezug 
heuren Preissteigerung werden in erster Linie auf die Erträge. Ich habe aber anläßlich der letzten 
doch die wirtschaftlich Schwachen, die ohnehin Etatsberatung bereits darauf hingewiesen, daß 
unter der anhaltenden Teuerung aller Lebens­ wir nun  ane inem Wendepunkt angelangt sind,
rnittel und der anderen wirtschaftlichen Bedürf­ daß wir jetzt ganz bedeutende Neubauten vorzu­
nisse zu leiden haben, am meisten getroffen. Es nehmen haben. Sie haben sich im letzten Jah re  
ist auch zumeist derjenige Teil unserer Bevölke­ ja damit beschäftigt und die Mittel bewilligt für 
rung, der sich den Koks in kleineren und kleinsten die Erweiterung der Wassergasanlage, für den 
Q uanten selbst von der Gasanstalt abholt. Die neuen Gasometer und vieles andere. S ie  haben 
Leute benutzen Koks für die Zubereitung ihrer zirka 3%  Millionen für Grunderwerb bewilligt. 
Mahlzeiten und zugleich auch zur Erwärmung der Zum großen Teil sind das Ausgaben, die zurzeit 
Küche, die ihnen ja vielfach als Wohnraum dient. nicht gewinnbringend arbeiten. S ie  werden bei 
Ich kann ja nun den kaufmännischen S tan d ­ der Aufstellung des diesjährigen Etats schon beob­
punkt unserer Verwaltung verstehen, möglichst achten können, daß ein ganz wesentlicher Rück­
hohe Überschüsse aus unseren gewerblichen Anlagen schritt gegen das Vorjahr zu verzeichnen sein wird.
zu erzielen. Aber wir haben doch auch beim Gas Der Herr Stadtv. Klick meinte, daß diese 
einen Einheitspreis, und das ließe sich auch mit augenblicklich günstigen Überschüsse uns den Luxus 
unserem Koks, soweit Charlottenburger in Betracht gestatten, die Kokspreise herabzusetzen. D as ist 
kommen, machen. Die Überschüsse aus der G as­ aber nach Lage der Dinge nicht der Fall. Aber, 
anstalt, die im letzten Jah re  bekanntlich 2 Millionen meine Herren, selbst wenn es möglich wäre, so 
Mark betragen haben, erlauben uns schon diesen würde doch das nicht erreicht werden, was die 
kleinen Luxus, daß wir einen Teil unseres Koks Anfrage will. Die Anfrage will, daß den minder­
billiger abgeben als zum Tagespreise. Wenn begüterten Bürgern Vorteile zuwachsen. Nun, 
wir die einzelnen jährlichen Überschüsse verfolgen, meine Herren, der Verkauf des Koks findet zur­
so sehen wir, daß sie stetig gewachsen sind: sie be­ zeit in verschiedener Art statt: durch den Groß­
trugen im Jah re  1901 pro 10 000 cbm abge­ verkauf, durch den Verkauf in größeren Mengen 
gebenes Gas nur 140,08 Mark und sind sukzessive nach freier Vereinbarung und durch den Tages­
bis zum Jah re  1905 aus 464,08 Mark pro 10 000 cbm verkauf. Auf den Großverkauf werden wir nicht 
gestiegen. D as ist eine Steigerung um  über das verzichten können, zurzeit wenigstens noch nicht. 
Dreifache. Sie wissen, daß die Gasproduktion während des 
Meine Herren, es kommt aber auch in Betracht, ganzen Jah res  fortdauert, daß wir auch in der 
daß die Selbstkosten bedeutend gefallen sind. Zeit, wo kein oder nur ein geringer Konsum für
Während wir im Ja h re  1901 noch an Selbstkosten j Koks vorhanden ist, sehr große Mengen Koks pro­
pro 10 000 cbm verkauftes Gas 1632,53 J i  Aus­ duzieren. Gerade in Charlottenburg ist ein außer­
gaben hatten und die Einnahme aus Gas, G as­ ordentliches günstiges Verhältnis im Gaskonsum, 
messermieten und Vermietungen von Gaskoch- und in Charlottenburg werden aus den Kopf der Be­
Heizungsapparaten 1273,06 M  betrug, also noch völkerung etwa 170 cbm Gas gebraucht gegenüber 
eine Differenz von 349,47 M  vorhanden war, einem Verbrauch in anderen S tädten, wie z. B. 
ist diese Differenz im Ja h re  1905 bis auf 2,25 M in München, von 100 cbm. D as  hängt mit der Ver­
gesunken. S ie  sehen also daraus, daß unsere G as­ wendung von Gas zu Kochzwecken zusammen. 
anstalt sehr rentabel arbeitet. Die Ursache davon ist, daß wir einen außerordent­
Gerade aus diesem Grunde möchte ich Ih n e n  lich großen Tageskonsum an Gas haben, und dieser 
empfehlen, unserer Anfrage den Rücken zu stärken, I Tageskonsum ist auch in den Sommermonaten 
den Magistrat zu veranlassen, zu erwägen, ob und vorhanden. Dieser Tageskonsum bewirkt nun, 
inwieweit er unserer Anfrage stattgeben und den daß wir auch in den Sommermonaten große Mengen 
Kokspreis ermäßigen will. Koks produzieren, und diese großen Mengen 
müssen untergebracht werden. S ie können nicht 
Stadtrat Cafsirer: Meine Herren, die Anfrage gelagert werden, deshalb nicht, weil wir nicht ge­
der Herren In terpellan ten .ließe  sich kurz dahin nügende Lagerplätze haben; aber auch wenn das 
beantworten, daß es den vereinten Bemühungen der Fall wäre, so wäre es nicht möglich, solche 
des Magistrats und der Gasdeputation nicht großen Mengen Koks lagern zu lassen, weil das 
gelungen ist, Ih n e n  irgendwelche greifbaren Vor­ unwirtschaftlich, unrationell wäre; der Koks würde 
schläge zu machen, wonach die Kokspreise für die durch Lagerung erheblich leiden. Also auf den Groß­
minderbegütcrten Bürgerherabgesetzt werden können. verkauf können wir unmöglich verzichten.
Der Herr Stadtv. Klick hat den Anspruch Was den Tagesverkauf betrifft, so würde durch 
damit begründet, daß die Überschüsse im Laufe eine Herabsetzung des Tagespreises dem Wunsche 
der Jah re  dauernd gewachsen und daß die Selbst­ der In terpellanten  nicht entsprochen werden. Wir 
kosten heruntergegangen sind. Meine Herren, müssen in bezug auf den Tagespreis mit unseren 
es ist richtig, daß wir in den letzten Jah ren  bei Nachbargemeinden Fühlung haben, mit ihnen 
der Gasanstalt günstig arbeiten. Es ist anläßlich Hand in Hand gehen. Die Erfahrung lehrt, daß in 
der Etatsberatung auch darauf hingewiesen worden, demselben Augenblick, wo wir z. B. mit Berlin 
daß wir augenblicklich in einer sehr günstigen nicht denselben Preis  halten, sondern teurer als
        
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