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Periodical volume 30. Oktober 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

dieser S telle , bei der Zusammensetzung der Schul- durch die Landesgesetzgebung und durch M inisterial- 
deputation  die sehr dankensw erte A nregung der vorschriften so enge Grenzen gezogen sind, daß eine 
H erren S tad tv . Dr S tad th ag en  und G en. auszu­ wirklich ersprießliche Tätigkeit auf den G ebieten, die 
führen. der H err Antragsteller erw ähn t hat, von ihnen nicht 
ausgeübt w erden kann.
Bürgerm eister M atting: M eine H erren, w as (S e h r richtig!)
die zukünftige Zusammensetzung der Schuldeputa- W ir haben eigentlich n u r  einen Zw eig, in dem 
tion oder die Zusammensetzung der zukünftigen die F ra u e n  sich genau so betätigen  können wie die 
Schuldeputation anbetrifft, so glaube ich nicht, M änner, das ist die A rm enpflege. Aber dam it hört 
daß H err S tad tv . Dr Penzig  e tw as N eues gesagt es auch aus. B ere its  in  die D epu ta tion  fü r die 
bzw. m eine A usführungen berichtigt hat. Ich  W agenpflege sind w ir nicht imstande, F rau en  m it 
habe ausdrücklich darauf hingewiesen, daß eine Leh­ b e s c h l i e ß e n d e r  S tim m e zu w ählen. D a 
rerin  zw ar in die Schuldeputation  hineingew ählt werden also die D am en, die dort tätig  sind und 
w erden kann; aber da hört es auch auf, andere F rau en  genau so gut arbeiten  wie die M änner, im m er n u r 
können in die Schuldeputation jedenfalls nicht h in­ M itglieder zw eiter Klasse sein.
eingew ählt werden. W as nun  die Gebiete betrifft, die der A ntrag 
I m  übrigen aber bebaute ich, daß H err S tad tv . selbst berührt, so ist ja bereits darauf hingewiesen 
Dr. Penzig nicht schon längst M itglied der Schuldepu­ w orden, daß der Tätigkeit der F ra u  auf dem G e­
tation  ist, biete des Schulwesens äußerst enge G renzen ge­
(B ra v o ! zogen sind. D am it ist dem Antragsteller doch kaum 
w as ja auch im allgem einen sehr w ertvoll w ä re ; im  be­ gedient, daß einm al eine Lehrerin in die Schul­
sonderen aber w ürde er sonst wissen, daß die Schul­ depu tation  gew ählt w ird, sondern er will, daß w ir 
deputation , wo sie n u r die Möglichkeit gehabt hat, die Fähigkeiten der F ra u e n  auf dem Gebiete des E r­
sich den R a t sachverständiger F rau en  einzuholen, ziehungswesens voll ausnutzen können. D azu sind 
auch w enn sie nicht L ehrerinnen w aren, diesen sich w ir aber nach den bestehenden Gesetzen nicht in der 
nicht hat entgehen lassen. Ich  kann darauf h in­ Lage.
weisen, daß w ir bei der Errichtung der M ädchen­ D as, w as der H err Kollege Dr Penzig über 
fortbildungsschule I  sehr eingehend nicht bloß m it die Schulkommissionen gesagt hat, ist durchaus be­
den dam als im Bereinsvorstande beteiligten F rau en , herzigensw ert. Aber ich glaube auch, daß dam it 
sondern auch m it anderen F rau en  konferiert haben, noch nicht der Zweck des A ntrags "erfüllt ist. D enn 
daß, als w ir die H aushaltungsschulen einführten, w enn ich den Antragsteller recht verstanden habe, so 
w ir den R a t sachverständiger F ra u e n  eingeholt und will er ja doch den F rau en  dieselben Rechte ge­
darauf im  wesentlichen unsere w eiteren D isposi­ w ähren wie den M ännern . D azu aber sind wir, 
tionen begründet haben. Und auch neueren  D atu m s wie gesagt, au f G rund der bestehenden Gesetze nicht 
kann ich H errn  S tad tv . Dr Penzig  bestätigen, .daß imstande. E s genügt auch nicht, daß die Schul­
wiederholt bei passenden G elegenheiten der H err depu tation  oder eine andere D ep u ta tion  den R at 
S tadtschulrat den R a t sachverständiger F rau en  ein­ sachverständiger F rau en  einholt. Gewiß, es ist sehr 
geholt hat, teils au s  Lehrerinnenkreisen, teils außer­ erfreulich, w enn das geschieht; aber betätigen können 
halb dieser Kreise. sich die F rau en  dann  im m er noch nicht, und der H err 
Ob es sich nun  aber em pfiehlt, lediglich zum A ntragsteller will doch zweifellos, daß die F rau en  
Zwecke der B etätigung  von F rau en  im  E rziehungs­ auf allen G ebieten sich genau so betätigen können, 
wesen neben unserer Schuldeputation  und u n ter genau so ihre K räfte in den Dienst der G esam t­
unserer Schuldeputation  auch Schulkommissionen heit stellen können wie die M änner.
zu bilden, das möchte ich doch sehr dahingestellt sein M eine H erren, der zweite P unkt, der in dem 
lassen. Schulkommissionen sind vielleicht bei einem A ntrage berührt w orden ist, ist die F rag e  der W oh­
großen Schulwesen wie in B erlin  ganz am  Platze; nungsfürsorge. J a ,  w as w ir dam it u n te r den augen­
bei u n s haben wir hier ja sogar schon die F rage  sehr blicklichen Zuständen sollen, weiß ich nicht. W ir 
lebhaft diskutiert, ob die Schul d e p u t a t i o n  haben ja gar keine W ohnungsfürsorgc! W enn wir 
noch am  Platze ist, ob sie noch Arbeit hat, und w enn wollen, daß die F rau en  auf diesem Gebiete Arbeit 
S ie  schon zugeben müssen, daß diese F rage  eine leisten, dann m uß doch zunächst m al eine W ohnungs­
ernsthafte B edeutung hatte, so w erden S ie  m ir auch fürsorge eingerichtet w e rd e n ! Ich  bedaure, daß der 
zugeben müssen, daß die F rage  der Errichtung von H err B ürgerm eister die A nfrage m eines F reundes 
Schul k o m  m  i s s i o n e n  kaum diskutabel ist. Vogel, wie es m it dieser u n s  versprochenen V orlage 
Aber ich glaube sagen zu können, daß die A n­ steht, nicht bean tw orte t hat. I m  übrigen möchte 
regungen des H errn S tad tv . Dr Penzig, soweit die ich bei dieser G elegenheit auch H errn Kollegen Vogel 
zukünftige Zusammensetzung der Schuldeputation sagen, daß er gar keinen G rund hat, sich darüber zu 
in F rage  steht, durchaus auf wohl vorbereiteten w undern , daß auch andere Fraktionen sich für die 
B oden gefallen sind. Ich  fü r m eine Person kann Errichtung einer W ohnungsinspektion einlegen. 
ohne w eiteres erklären, daß ich durchaus der Auf­ D as Recht hat zweifellos jede Fraktion. W ir w ür­
fassung des H errn S tad tv . I)r Penzig zustimme und den uns freuen, w enn der A ntrag, der von u n s da­
von E rlaß des neuen Schulgesetzes an  bereit gewesen m als ausgegangen ist, einm ütig von der V ersam m ­
bin, nach den gleichen Gesichtspunkten zu verfahren. lung angenom m en w ürde. Und w enn H err Kollege 
Vogel etw a seine V erw underung auf das F lugb la tt 
S tad tv . Hirsch: M eine H erren, H err Kollege beschränkt —  ja, m eine H erren, über F lugb lä tter, 
Vogel hat bereits erklärt, daß m eine F reunde dem die w ährend des W ahlkam pfes verbreitet w erden, 
A ntrage zustimmen w erden. Ic h  möchte aber doch w undere ich mich schon lange nicht mehr.
keinen Zweifel darüber lassen, daß w ir u n s von dem (Heiterkeit.)
A ntrage, der von der V ersam m lung ja sicher ange­ Ich  möchte zum Schluß nur noch eine B em er­
nom m en werden wird, keinen großen Erfolg ver­ kung machen. Ich  möchte den H errn Antragsteller 
sprechen. W ir wissen alle, daß derTätigkeit der F rau en dringend bitten, nicht auf halbem  W ege stehen zu
        
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