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Periodical volume 26. Juni 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

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Vorsteher Rosenberg: Punkt 15 der Tagesordnung: Zur Begründung beruft sich der Magistrat darauf, 
daß die Verkehrsverhältniffe einer Verbesserung an 
Vorlage betr. Entsendung eines Vertreters  der in Frage kommenden Stelle dringend erheischen, 
zu der Informationsreise der Zentralstelle daß sich erhebliche Mißstände herausgebildet haben, 
für Volkswohlfahrt. — Drucksache 315. welchen durch diese Vorlage abgeholfen werden soll.
Ich bin der Meinung, daß der Vorlage erheb­
(Die Beratung wird eröffnet und geschloffen. liche Bedenken entgegenstehen, daß die Annahme 
Die Versammlung beschließt nach dem Antrage des des Magistrats, es würbe den Mißständen, um 
Magistrats, wie folgt: welche es sich hier handelt, gesteuert werden, nicht 
Der Entsendung eines Vertreters zu der dies­ zutrifft.
jährigen Informationsreise der Zentralstelle für Worin bestehen die Mißstände, welche an jener 
Volkswohlfahrt wird mit der Maßgabe zuge­ Stelle vorhanden sind? Sie bestehen darin, daß 
stimmt, daß die erforderlichen Mittel dem eine ganz kolossale Verkehrsüberlastung an dem 
Dispositionsfonds zu entnehmen sind.) Schnittpunkt der Joachimsthaler und Hardenberg- 
Straße in der Gegend des Zoologischen Gartens 
vorliegt. Sie ist darauf zurückzuführen, daß die 
Das Protokoll vollziehen heute die Herren Stadtv. Hardenberg-Straße in der ganzen Länge zwischen 
Freund, Dr. de Gruyter und Holz. dem Kurfürstendamm und der Berliner Straße 
keinen Durchbruch hat. W ir haben ja hierüber 
Punkt IG der Tagesordnung: häufig verhandelt. Es ist ja ein Beschwerdepunkt, 
der immer und immer wiederkehrt, daß wir eine 
Vorlage betr. Herstellung einer Zufahrts- derartige Durchfahrtsstraße nicht erlangen können.
straffe auf der Nordwestseite des Bahnhofs  Wenn w ir die Tragweite der Vorlage richtig 
Zoologischer Garten nnd Regulierung der ermessen wollen, so müssen w ir ein wenig auf ihre 
Joachimsthaler Straffe. — Drucksache 316. Vorgeschichte zurückgehen. Da interessiert vor allem, 
meine Herren, ein Brief des Magistrats von Berlin 
Berichterstatter Stadtv. Dzialoszunski: Meine aus dem Jahre 1897. I n  diesem Briefe nimmt 
Herren, der Vertragsentwurf, der mit der Vor­ die Tiefbaudeputation des Magistrats von Berlin 
lage Oes Magistrats der Beschlußfassung der Ver­ bezug auf die Ablehnung der Durchlegung der 
sammlung unterbreitet wird, hat zum Inhalt die Fasanen-Straße durch den Tiergarten seitens der 
Anlegung einer Privatstraße auf dem Gelände der Tiergartenverwaltung Beziehentlich seitens des 
Westeisbahn zwischen dem Oberverwallungsgericht und Finanzministeriums und schlägt dem Magistrat von 
der Stadtbahn in einer Tiefe von 160 m von der Charlottenburg vor, es mögen die beiden Städte 
Hardenbergstraße, die Fortsetzung dieser Straße in gemeinschaftlich darauf hinwirken, daß die Joachims- 
Form einer Unterführung unter der Stadtbahn, die thaler-Straße durchgelegt wird von der Stadt 
Anlegung einer Straße im Zuge der Joachimsthaler­ Charlottenburg bis zur Kurfürsten-Allee, und von 
straße zwischen dem Zoologischen Garten und der der Stadt Berlin vom Garten-Ufer bis zur Kur- 
Stadtbahn, gleichfalls in einer Tiefe von 160 m. fürsten-Allee. Der Magistrat von Charloltenburg 
Die Regulierung und die dauernde Unterhaltung der beantwortete dieses Schreiben, er gebe sich nicht der 
Straße auf der nordwestlichen Seite der Stadtbahn Hoffnung hin, daß nach Ablehnung der Durchführung 
soll vom Fiskus vorgenommen werden, während die der Fasanen-Straße auch noch die Verlängerung der 
Anlegung und die Unterhaltung der Verlängerung Joachimsthaler Straße gestattet werden würde, er 
der Joachimsthalerftraße auf Kosten der Staot Char­ sei aber im Prinzip mit dem Vorschlage der Stadt 
lottenburg erfolgen soll. Dem Vertrage sind eine Berlin unter der Bedingung einverstanden, daß die 
Reihe von Bedingungen beigefügt: die Stadt Char­ Hälfte der Anliegerkosten der Joachimsthaler Straße 
lottenburg soll den Widerspruch gegen die Anlegung von der Hardenberg-Straße bis zur Kurfürsten- 
dieser Straße sowie von Ausgängen nach derselben Allee, da die daran angrenzende Seite des Zoolo­
fallen lassen usw. Das Gelände in der Joachims­ gischen Gartens zu Berlin gehört, von Berlin 
thalerstraße will der Fiskus der Stadt umsonst über­ getragen würde. Die Anregung, die von der Stadt 
eignen. Weitere Bedingungen bestehen darin, daß Berlin ausgegangen ist, ist ohne Erfolg geblieben.
die Stadt vier Verträge übernehmen soll, welche der Inzwischen vergrößerte sich der Verkehr durch 
Staat hinsichtlich des abzutretenden Geländes ab­ den weiteren Ausbau Charlottenburgs und Wilmers­
geschlossen hat, und zwar einen Vertrag mit der dorfs. und man sah sich im Jahre 1899 in Char- 
Straßenbahn, einen Vertrag mit der Gemeinde W il­ lottenburg veranlaßt, in dem Fluchtlinienplane eine 
mersdorf, einen Vertrag mit den Elektrizitätswerken Straße auf dem Gelände der Westeisbahn zwischen 
und einen Vertrag mit dem Aklienverein Zoologischer der Stadtbahn und dem jetzigen Oberoerwaltungs- 
Garten. Die letzterwähnten beiden Verträge sind ohne gericht bis zur Kurfürsten-Allee festzusetzen. Man 
Bedeutung. Der Vertrag mit Wilmersdorf ist auch ging davon aus, daß dann auch wohl Berlin die 
von geringer Bedeutung. Es handelt sich um einen Fortsetzung dazu schaffen würde. Demnächst hat man 
Regenauslaß, für welchen eine Ancrkennungsgebühr versucht, mit dem Zoologischen Garten eine Ver­
von 250 jK  gezahlt wird. Hingegen ist der Vertrag einbarung dahin zu treffen, daß der Zoologische 
mit der Straßenbahn von einer erheblicheren Be­ Garten einen Teil seines Geländes abtreten sollte 
deutung. Die Straßenbahn hat einmal die Ver­ zur Verbreiterung der geplanten Fortsetzung der 
pflichtung übernommen, den Fiskus von etwaigen Joachimsthaler Straße.
Anliegerbeiträgen zu liberieren, die im Falle der Alle diese Projekte sind aber gescheitert. Im  
Regulierung der Joachimsthalerftraße an die Stadt Jahre 1904 wurde nach mehrfachen Versuchen die 
zu leisten sind. Außerdem ist die Straßenbahn ver­ Stadtverwaltung von Charlottenburg von dem 
pflichtet, jederzeit die Endstelle zu verlegen, falls ihr Finauzminister verständigt, daß an eine Durch­
von seilen des Fiskus gekündigt wird. Auch dieser legung dieser neuen im Fluchtlinienplane vorgesehenen 
Vertrag soll auf die Stadt Charloltenburg übergehen. Straße bis zur Kurfürsten-Allee nicht zu denken sei.
        
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