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Periodical volume 5. Juni 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

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und daß kein Beamter es wagen darf, einen Sozial­ Behauptungen aufgestellt. Das nennt der Herr 
demokraten zu wählen Also es wäre ein vollkommen Oberbürgermeister den Nachweis von unwahren Be­
vergebliches Bemühen, wenn ich mich hier hinstellen hauptungen! So liegt doch die Sache nicht. Ich  
wollte, um etwa um die Gunst der Beamten zu habe mich doch nicht hingestellt und hier aller Welt 
buhlen. Im  übrigen bin ich allerdings der Meinung, erzählt, daß in Charlottenburg die Revolution ge­
daß wir die Interessen der Beamten wahrnehmen, herrscht hat? Das war der Herr Oberbürgermeister! 
daß wir überhaupt die Interessen der Gesamtheit Ich  habe doch keine Geschichten erzählt von angeb­
wahrnehmen. lichem Terrorismus, der verübt worden ist? Das 
Nun hat der Herr Oberbürgermeister sich in war der Herr Oberbürgermeister! Wenn also diese 
seiner zweiten Erwiderung bereits etwas gemäßigt. Sachen sich nachher durch die Gerichtsverhandlung 
Er hat nicht mehr davon gesprochen, daß ich unwahre als nicht wahr erweisen sollten, dann bin ich nicht 
Behauptungen aufstelle, sondern gesagt, mein Urteil derjenige, der unbewiesene Behauptungen aufgestellt hat, 
sei falsch. Meine Herren, auch das Urteil des Herrn sondern dann sind diese unbewiesenen Behauptungen 
Oberbürgermeisters kann ab und zu mal falsch sein; von einem andern aufgestellt worden.
das kann nämlich jedem Menschen passieren, daß er Bezüglich des Normaletats hat auch der Herr 
falsch urteilt. Das Urteil, das der andere hat, und Oberbürgermeister wieder eine Behauptung zu wider­
das dem eigenen entgegensteht, bezeichnet man immer legen versucht, die ich gar nicht aufgestellt hatte. 
als falsch. Er sagt: die Anträge auf Erhöhung der Gehälter
Der Herr Oberbürgermeister sagt aber weiter, sind nicht vom Magistrat ausgegangen, sondern von 
er hätte mir Unwahrheiten nachgewiesen bei der der Stadtverordnetenversammlung aus. Meine Herren, 
Interpellation über die Vorfälle beim Schillertheater­ ich habe gar nicht gesagt, von wem die Anträge aus­
bau und in der vorigen Sitzung. Meine Herren, bei gegangen sind. Aber das steht doch fest, daß der
der Interpellation über die Vorfälle am Schillertheater Magistrat den Anträgen zugestimmt hat.
hat der Herr Oberbürgermeister auch mit keinem 
Worte mir Unwahrheiten nachweisen können, sondern Vorsteher Rosenberg: Ich schließe die Debatte. 
es hat sich da Aussage gegen Aussage gegenüber­ Es wird nun noch einmal über Nr. 20 der Tages­
gestanden. Der Herr Oberbürgermeister war so ordnung abgestimmt. Ich bitte diejenigen Herren,
unterrichtet, ich so. und es ist heute noch nicht die die Magistratsvorlage annehmen wollen, die Hand 
nachgewiesen worden, kann auch nicht nachgewiesen zu erheben.
werden — es handelte sich um einen Gerüstbau, das (Geschieht.)
Gerüst ist nicht mehr vorhanden —, wer von beiden Das ist einstimmig.
recht hat. Und in der vorigen Sitzung gar will der 
Herr Oberbürgermeister — ich nehme an, er meint Punkt 21 und 22 sind bereits erledigt.
die Interpellation über die Aussperrung der M ü ll­ Gegen die Vorschläge des Wahlausschusses sind 
kutscher — mir Unwahrheiten nachgewiesen haben! Einwendungen nicht erhoben worden.
Meine Herren, was war denn in der vorigen Sitzung? Die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung ist 
Da hat der Herr Oberbürgermeister Behauptungen erledigt.
aufgestellt, und ich habe darauf erwidert, daß ich an Ich schließe die öffentliche Sitzung.
diese Behauptungen so lange nicht glaube, bis sie 
bewiesen sind. Ich selbst habe durchaus keine (Schluß der Sitzung 8 Uhr 25 Minuten.)
Druck von Adolf Gertz, @. m. b. H., Tharlottenburg.
        
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