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Periodical volume 5. Juni 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

für die Ehrung durch seine Ernennung zum Stadt­ Ich, Heinrich Seeling. schwöre zu Gott dem 
ältesten seinen herzlichsten Dank ausspricht. Allmächtigen und Allwissenden, daß Seiner 
Die Magistratsassistenten hiesiger Stadt haben Königlichen Majestät von Preußen, meinem aller­
eine Bittschrift in Besoldungsangelegenheiten einge­ gnädigsten Herrn, ich untertänig, treu und ge­
reicht. Diese Bittschrift gelangt nach unserer Geschäfts­ horsam sein und alle mir vermöge meines Amtes 
ordnung durch die Beschlußfassung über die Vorlage obliegenden Pflichten nach bestem Wissen und 
unter Nr. 20 der Tagesordnung zur Erledigung. Gewissen genau erfüllen, auch die Verfassung 
Ich bitte die Versammlung, von dieser Eingabe gewissenhaft beobachten will, so wahr mir Gott 
Kenntnis zu nehmen und sie bei der Beratung der helfe!
Vorlage mit zu berücksichtigen. Ich bitte Sie, diesen Eid abzuleisten, indem Sie die 
rechte Hand erheben und mir die Worte nachsprechen: 
W ir kommen nunmehr zur Tagesordnung. Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe!
Punkt 1:
(Stadtbaurat Seeling leistet den Eid.)
Cinfnhrung des neugewählten Stadbaurats 
Seeling. Indem ich Ihnen die Anstellungsurkunde über­
reiche und Ihnen meinen Glückwunsch übermittele, 
Oberbürgermeister Schustehrus: Mein hochver­ heiße ich Sie nochmals herzlichst willkommen.
ehrter Herr Stadtbaurat! Sie sind von der Stadt­
verordnetenversammlung als Hochbaurat der Stadt Vorsteher Rosenberg: Herr Stadtbaurat! Auch 
Charlottenburg gewählt, vom Herrn Regierungsprä­ die Stadtverordneten begrüßen Sie freudigen Herzens 
sidenten als solcher bestätigt, und mir liegt nach den bei Ihrem Amtsantritt. Es ist eine große, einen 
Bestimmungen der Städterodnung nunmehr ob, Sie ganzen Mann und einen ganzen Künstler erfordernde 
am heutigen Tage inmitten der Stadtverordneten­ Aufgabe, vor die wir Sie gestellt haben. Je höher 
versammlung in Ih r  neues Amt einzuführen. das deutsche Volk in seiner Entwickelung und in 
Nahezu ein Jahr hat sich vollendet seit dem seiner Blüte steigt, um so mehr hebt sich das 
Tage, an dem Ih r  Vorgänger, Herr Professor Stadt­ Verlangen auch in den deutschen Städten, auf dem 
baurat Schmalz, einen Urlaub antrat, um seine an­ Gebiete der Pflege aller Künste etivas Tüchtiges zu 
gegriffene Gesundheit herzustellen, einen Urlaub, von leisten. Eine Stadt wie Charlolteuburg hat gerade 
dem er nicht mehr zurückkehrte, weil ein grausamer bei ihrem schnellen Wachstum in den letzten zwei 
Tod ihn, den charaktervollen Mann und feinsinnigen Jahrzehnten so viel in allen übrigen Zweigen einer 
Künstler, allzu früh aus unserer Mitte riß, was wir städtischen Regie schaffen müssen, daß ihr für die ' 
mit tiefer Trauer und Schmerz empfunden haben. Kunst wenig übrig blieb. Um so mehr regt es sich 
Es war keine leichte Aufgabe für die Stadtver­ jetzt auch hier an allen Enden, und wir fühlen tief 
ordnetenversammlung, einen Mann zu finden, der die Verpflichtung, nunmehr auch auf diesem Felde 
bereit und geeignet war, als sein Nachfolger an seine der städtischen Verwaltung einen großen Schritt 
Stelle als Hochbaurat unserer Stadt zu treten. Die vorwärts zu tun. W ir hoffen, daß w ir dabei auf 
Stadt Charlottenburg und wir mit ihr müssen der Ihren Rat und auf Ihre Tat rechnen können. Man 
Stadtverordnetenversammlung und ihrem Ausschuß, sagt ja, daß die Baukunst die Mutter aller Künste 
welchen sie zur Vorbereitung der Wahl eingesetzt sei. So möge es denn, mein sehr geehrter Herr 
hatte, den allergrößten Dank wissen, daß sie sich der Stadtbaurat, Ihnen vorbehalten und beschicken sein, 
mühevollen und verantwortlichen Arbeit mit großem unserer Stadt, deren Weichbild ja noch zum größeren 
Ernst unterzogen und die schwierige Aufgabe durch Teil der Bebauung harrt, ein künstlerisch schönes 
Ihre Wahl zu einem glücklichen Erfolge gebracht hat. Gepräge zu schaffen und, wenn es geht, Charlotten­
Sie, mein verehrter Herr Baurat, kommen zu burg selbst zu einem Tempel der Kunst zu machen. 
uns, nachdem Sie in einem reifen Leben voll reicher So'heiße ich, so heißt diese Versammlung Sie in 
Arbeit sich eine Stellung als Mann wie als Künstler ihrer Mitte herzlich willkommen.
errungen haben, nachdem Sie sich durch eigene Kraft 
einen Namen geschaffen haben, dessen Klang hell tönt Stadtbaurat Seeling: Sehr geehrter Herr Ober­
im Kreise der edlen Baukunst und bei allen Männern, bürgermeister! Hochverehrter Herr Stadtverordneten­
die mit ihr in Berührung stehen und Beziehungen vorsteher! Ich danke Ihnen herzlich für die freund­
haben. M ir  ist es eine aufrichtige Freude, Ihnen lichen, liebenswürdigen und aufrichtigen Worte, die 
an dieser Stelle die Versicherung geben zu können, Sie an mich gerichtet haben, indem Sie mich hier 
daß das große Vertrauen, welches die Stadtverordneten­ willkommen heißen. Der heutige Tag ist für mich 
versammlung Ihnen durch Ihre Wahl bekundet hat, ein schwerer, vielleicht der schwerste, aber auch wieder 
in vollstem Maße auch von allen Mitgliedern des einer der freudigsten meines Lebens. Erlassen Sie es 
Magistrats geteilt wird. Auch wir vertrauen, daß mir, heute hier eine Rede zu halten; ich glaube, wenn 
Sie mit Ihrer Kraft und Ihrem künstlerischen Können ich Ihnen eine Vorlage zu machen habe, so werde ich 
die großen Aufgaben, welche Ihnen die städtische Ver­ ie vertreten können und werde schlagfertig zu 
waltung jetzt und in Zukunft stellen wird, zu einem entgegnen wissen. Ich bitte mir aber zu erlassen, 
glücklichen Ende führen und glücklich lösen werden. leute weiter zu reden, und sich mit den Worten 
Deshalb kann ich Sie heute im Namen des Magistrats ,erzlichsten Dankes und mit der Versicherung zu 
in unserer städtischen Verwaltung als den jetzigen begnügen, daß ich mit Leib und Seele meine Pflicht 
Hochbaurat unserer Stadt freudigen Herzens begrüßen tun werde und mein ganzes Können und Wissen 
und Sie aufrichtig willkommen heißen. einsetzen werde zum Wohle der Stadt.
Den Staatsdienereid haben Sie noch nicht ge­
leistet. Es erübrigt also noch, daß Sie als mittel­ (Bravo!)
barer Staatsbeamter in Ihrem Amte als Stadtbau­
rat diesen Eid in meine Hand ablegen. Der Eid Vorsteher Rosenberg: Punkt 2 der Tages­
lautet: ordnung :
        
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