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Periodical volume 15. Mai 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

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hoffentlich werden in acht Tagen die B auten  so weit Am 10. A pril hat dann eine zweite Sitzung 
gefördert sein, daß sie bezogen werden können. Noch des Arbeiterausschuffes stattgefunden, in welcher nun 
heute ist auch die M üllvertadehalle nicht fertiggestellt; die Lohnforderungen, die Geschäftsordnung fü r den 
das liegt nicht an der Gesellschaft, sondern daran, Arbeiterausschuß und auch eine A rbeitsordnung, die 
daß der H err Regierungspräsident in  P o tsd am  noch entworfen morden w ar, definitiv festgestellt worden 
immer nicht die Genehmigung zu dieser M üllverlade- sind. Also, meine Herren, am 10. A pril waren 
halle. die die Eisenbahndirektion u n s  zur Verfügung Arbeiter und Arbeitgeber einverstanden über den 
stellen wollte, erteilt hat. Jnfolgedeffen ist der B e­ Lohn und über das ganze A rbeitsverhältnis, das in 
trieb für die Beseitigung der Speisereste, namentlich der A rbeitsordnung festgelegt worden ist. E s  war 
aber fü r die der Asche und der übrigen S toffe heute in  dieser Hinsicht ‘ vollständiger Friede zwischen den 
schwieriger, a ls  er sein wird, wenn die Verhältnisse de- beiden Parteien . I m  übrigen hat auch —  das hat 
finitiv sein werden. D an n  aber, wenn die V erhält­ der H err In te rp e llan t richtig hervorgehoben —  dieser 
nisse definitiv geordnet sind, w ird an eine Neu­ H err Gebert den Ausschußsitzungen beigewohnt.
regelung des L ohntarifs heranzugehen sein. Heute Meine Herren, die Bestimmungen über den 
liegen die Verhältnisse schwieriger, a ls  sie nach der Arbeiterausschuß sind demnach von der Gesellschaft 
definitiven O rdnung liegen werden. Heute werden richtig befolgt worden —  m it A usnahm e des einen 
auch täglich drei F uhren  geleistet, d. h. täglich drei Fehlers, den sie gemacht hat. daß sie. entgegen dem 
Touren müssen die W agen hin und her machen. V ertrage, den H errn  Gebert zu den Arbeiterausschuß- 
D a s  ist der Gesellschaft auch vom M agistrat vorläufig sitzungcn zuließ.
nachgelassen, obwohl sie nach dem Vertrage n u r zwei N un kommt der zweite Absatz des § 14, der 
F uhren  leisten soll. W enn n u r zwei F uhren  geleistet lautet:
werden, dann verm indern sich die Schwierigkeiten, Z u r Schlichtung etwa entstandener S tre itig ­
erleichtern sich die Arbeiten. Also der Lohntarif keiten, die zu einem S tre ik  zu führen drohen, 
konnte noch nicht definitiv sein, und alle wußten, daß hat der Unternehmer in jedem F a lle  und so 
er nu r für die jetzt bestehenden Verhältnisse aufge­ schnell wie möglich das Gewerbegericht in 
stellt worden ist. Charlottenburg a ls  E in igungsam t anzurufen. 
F ü r  die jetzt bestehenden Verhältnisse besteht Diesen Absatz hat der M agistat in den V ertrag hin- 
nun dieser Lohntarif in folgender Höhe: D ie Kutscher eingesetzt, um soviel wie möglich dabei mitzuwirken, 
erhalten einen Lohn von 37,50 M  pro Woche; dieser daß ein S treik  nicht entsteht. E s  fo llte jia c h  der 
Lohn ist aber in Wirklichkeit höher; denn die Gesell­ Bestimmung des M ag istrats  folgender Tatbestand 
schaft träg t allein alle Jn v a lid itä ts -  und A ltersver- vorliegen: es müssen Streitigkeiten entstanden sein 
sicherungsbeiträge und die Krankenkassenbeiträge; das zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, und diese 
macht pro Kutscher und pro Woche 1 M aus. Diese Streitigkeiten müssen so geartet sein, daß sie zu 
Beiträge, die sonst zur Hälfte von den Arbeitnehmern einem S treik  zu führen drohen; in diesem Falle, 
zu entrichten sind, also v o r  einem S treik, in einem S tad iu m , das vor 
(Zurufe bei den Sozialdem okraten: Z u  einem D rittel!) dem Ausbruch eineö S tre ik s liegt, im F a lle  ent­
bezahlt in  diesem F a lle  der Arbeitgeber auch. Die standener Streitigkeiten ist die Gesellschaft verpflichtet, 
Kutscher und die M itfahrer haben ferner Nebenein- das E in igungsam t anzurufen. E s  ju irb _  nun zu 
nahm en, so daß sich ih r Lohn in Wirklichkeit ans prüfen sein, meine Herren, ob der Tatbestand und 
40 M  die Woche stellt. Wenn ich aber auch nur die Voraussetzungen dieser Bestimmung in unserem 
37,50 JC rechne, so ist das ein Lohnsatz von 1950 M Falle vorliegen ober nicht, und dieser P rü fu n g  hat 
pro J a h r ,  «sie werden m ir zugeben, daß das ein sich der M agistrat unterzogen.
äußerst anständiger A rbeitslohn ist. der weit die D ie D inge lagen, wie ich Ih n e n  sagte: voller 
Arbeiterlöhne übertrifft, die sonst bei u n s in  C har­ Friede zwischen Arbeitern und Arbeitgebern, volle 
lottenburg gezahlt werden. Uebereinstimmung über Lohntarif, volle Ueberein­
(S e h r richtig! bei den Liberalen und der Freien stimmung über das A rbeitsverhältnis auf G rund der 
Vereinigung.) anerkannten A rbeitsordnung. S o  lag die Sache bis 
D ie M itfahrer bekommen einen Lohn von 34,50 M zum M orgen des 25. A pril. D a  erhält die Gesell­
nominell, der sich auch wieder durch jene Leistungen schaft folgendes Schreiben, datiert: „C harlottenburg, 
erhöht, die die Gesellschaft trägt. D ie Kutscher der den 24. A pril, Rosinenstraße 2" —  das dürfte, wenn 
Speiserestewagen, die es leichter haben als die Kutscher, ich mich recht entsinne, das H au s sein, das die sozial­
die die Asche verfrachten, bekommen einen Lohn von demokratische P a r te i für ihre Zwecke gebaut hat —  
31 M fü r die Woche, und die M itfah rer der Speise­ (Zurufe bei den Sozialdem okraten: N ein, das 
restewagen, die ganz junge Menschen von 16, 17, ist N r. 3!)
18 Ja h re n  sind, bekommen 16 M pro Woche. Auch 
dies, meine Herren, ist ein Lohnsatz, der in hohem —  dann habe ich mich ge irrt; also ein anderes H aus, 
M aße ausreichend zu nennen ist. wenn m an bedenkt, aber es liegt doch ganz dicht dabei, darin  habe ich 
daß z. B- die M ilchhandlung von Bolle den jungen mich nicht geirrt! (Heiterkeit.)
Menschen, die die Milchwagen begleiten und die 
etwa in demselben Alter stehen, 10 bis 12 M pro —  N un. dieses Schreiben ist unterzeichnet „Hoch­
Woche zahlt. D a s  find in der Hauptsache die A rbeits­ achtungsvoll" von dem „Zentralverband der Handels-, 
löhne, die in Übereinstimmung m it dem Arbeiter« T ransport- und Verkehrsarbeiter Deutschlands. D er 
autzschnß in der Sitzung vom 27. M ärz d. I .  fest­ Bevollmächtigte der O rtLvcrw altung" —  soll wohl 
gestellt worden sind. heißen: „Charlottenburg —  August G ebert." D a s  
I n  derselben Sitzung hat auch die Geschäfts­ Schreiben lautet:
ordnung fü r den Arbeiterausschuß vorgelegen, und A n  die
diese sowie die Lohnfestsetzungen sind in einer V er­ Allgemeine M üllververw ertungsgesellschaft  
sammlung der Arbeiter von den M itgliedern des nt. b. H .
Arbeiterausschuffes vorgelegt und von diesen genehmigt C harlottenburg, Hardenbergstraße 25.
worden. —  D a s  ist das Geschäftshaus der Gesellschaft. —
        
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