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Periodical volume 17. April 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

Die Zcitungshändler werden nnrl) meiner M ei­ nun auch anderen Gesellschaften vorlegen und durch 
nung sehr wenig —  ich bin sogar der Auffassung: sie ausführen lassen, daß w ir mit anderen Gesell­
garnicht — in ihrem Gewerbebeliieb beeinträchtigt. schaften in Unterhandlungen treten oder gar eine 
Darum bitte ich Sie, die Rücksicht auf die Zeitungs- öffentliche Ausschreibung erlassen? Dieser Gesichts­
Händler fallen zu lassen. punkt ist zwar nicht ganz ausschlaggebend, aber er 
Im  übrigen möchte ich bemerken, daß zutreffend verdient doch einige Berücksichtigung, und, meine Herren, 
ist, was Herr Stadtv. Borchardt sagt: es sind in wenn w ir etwas'ausschreiben, werden w ir uns doch 
unseren Straßen etwa 10 bis 12 Zeitungshändler vor allen Dingen Zeit nehmen müssen und von 
vorhanden, und davon werden kaum 4 oder 5 durch anderen konkurrierenden Firmen verlangen, daß sie 
die Kioske betroffen. Es handelt sich also nur um in einer gewissen Zeit uns neue Projekte vorlegen 
eine geringe Zahl von ZeitungsHändlern, die aber usw. usw.
keineswegs so genau an den Stellen stehen, wohin Nun aber, meine Herren, komme ich auf die 
die Zeitungskioske kommen. Dies trifft nur auf eigentliche praktische Frage. 11 Zeitungskioske wollen 
einen einzigen zu, der genau an der Stelle steht, wo w ir hier errichten. Na, wollen Sie sich mal freund­
ein Zeitungskioske hinkommen soll; alle anderen stehen lichst überlegen, was ein Mensch an einem Zeitungs­
an einer anderen Stelle. kiosk verdienen kann und was er in 11 Zeitungs­
Wie wickelt sich der Zeitungsverkanf jetzt ab? kiosken das Jahr über verdienen kann! Glauben 
W ir sehen es alle Tage: des Morgens, wenn die Sie denn, es gäbe einen Unternehmer, der von diesen 
Herren nach Berlin fahrm, kaufen sie an der Stelle, 11 Zeitungskiosken bestehen oder gar Reichtümer 
wo sie einsteigen, die Zeitung. Da steht aber kein erwerben kann?
Kiosk —  die können nicht unmittelbar an der Straßen­ (Sehr richtig!)
bahnhaltestelle stehen — , wohl aber die Zeitungs­ Und da wollen Sie sich, bitte, einen Schluß machen, 
händler. Die Leute, die also Zeitungen kaufen, um wieviel Unternehmer sich an einer Submission be­
sie unterwegs zu lesen, haben die Zeitnngshändler viel teiligen werden.
näher und kaufen bei diesen. M it der Konkurrenz (Sehr richtig!)
der Kioske für die Zeilungshändler ist es also wohl Dieses Moment spricht sicher nicht für die Veran­
nicht zu arg bestellt. staltung einer Submission.
Ich komme zu dem anderen Punkt. Herr Sladto. (Sehr richtig!)
Braune sagt, man solle öffentlich ausschreiben, und Dem Herrn Stadtv. Holz kann ich daher nicht bei­
Herr Stadtv. Borchardt ist der Meinung, man solle stimmen. Ich glaube, er wird m ir auch Recht geben, 
vorher unterhandeln. Gegen diese Vorschläge sprechen nachdem ich ihn auf diesen Punkt hingewiesen habe. 
einige ganz gewichtige Gründe. W ir schreiben zwar Bauarbciten und sonstige Lei­
Wollen Sie zunächst das moralische Moment, stungen und Lieferungen aus. aber derartige Objekte 
wenn ich es so nennen darf, ins Auge fasten! Im  wie das vorliegende nicht. Dieses Objekt ist nicht 
Jahre 1906 trat die deutsche Kioskgescllschaft an uns für eine Ausschreibung geeignet. Nur die deutsche 
mit der Frage heran, ob w ir ihr gestatten wollen, Kioskgesellschaft. welche ja schon ihre Geschäfte in 
hier Zeitungskioske zu errichten. Ich muß offen gestehen Berlin hat, kann dabei auf ihre Kosten kommen, aber 
— das ist auch schon im Ausschuß hervorgehoben — , nicht ein einzelner Unternehmer, den w ir einzig und 
wir wollten damals gerade selcht diese Frage an­ allein für diesen Zweck heranziehen. Deshalb ist der 
schneiden, nachdem mir das Vorbild in Berlin gesehen Antrag des Herrn Stadtv. Braune nach meinem 
halten. W ir haben mit der deutschen Kioskgesellschaft Dafürhalten nicht gangbar und ebensowenig der Haupt­
viele Monate verhandelt und haben im Verein mit antrag des Herrn Stadtv. Dr. Borchardt.
ihr an dem Grundriß herumgearbeitet; w ir haben die Nun hat Herr Stadtv. Dr. Borchardt einen 
Telephonzellen hineingebracht, die Schreibstube, wir Zusatzantrag für den Fall der Annahme der Magistrats­
haben — und darauf lege ich einen ganz besonderen vorlage gestellt: die Gesellschaft soll verpflichtet fein, 
Wert —  die öffentlichen Uhren hineingebracht! W ir über die Arbeitsverhältnisse ihrer Angestellten sich m it 
haben nunmehr Hand in Hand mit der deutschen dem Magistrat zu verständigen. Ich glaube nicht, daß 
Kioskgesellschaft etwas geschaffen, was nach unseren der Magistrat gegen diesen Antrag irgend etwas ein­
heutigen Begriffen wohl als vollkommen bezeichnet zuwenden hat;' ich stelle daher anheim, danach zu 
werden kann. Dabei haben w ir uns der Hilfe der beschließen.
deutschen Kioskgesellschaft bedient, die ihre Beauf­ Ferner hat Herr Stadtv. Dr. Borchardt gesagt, 
tragten damit befaßt hat. Grundrisse, Bilder, An­ ob es nicht angängig sei, die Zeitungskioske mit 
sichten zu schaffen, und zwar, wie ich gleich vorweg selbstregistrierenden atmosphärischen Apparaten zu 
bemerke, im Einverständnis m it dem leider verstorbenen versehen, und hat die Anregung gegeben, man möchte 
Stadtbaurat Schmalz. Dieser ist mit den ihm vor­ wenigstens an einer Stelle der Stadt ein Häuschen 
gelegten Entwürfen vollständig einverstanden gewesen. mit derartigen Apparaten aufstellen. Ich begrüße 
Wenn ick nicht irre, behauptete Herr Stadtv. Spiegel, die Anregung m it großer Freude, ich werde die An­
die Entwürfe seien nicht schön, ja sogar mangelhaft; gelegenheit im Magistrat vorbringen, und der M a­
er mag sich merken, daß diese Projekte im Einver­ gistrat wird erwägen, ob und wie es möglich sein 
ständnis mit dem verstorbenen Stadlbanrat Schmalz wird, der Anregung nachzukommen.
hergestellt worden sind. (B ravo!)
Und nun. meine Herren, wollen Sie nach diesen 
Vorgängen, daß w ir außer mit der Kioskgesellschaft Stadtv. Dr. Borchardt: Meine Herren, ich hätte 
noch mit anderen Gesellschaften verhandeln sollen sehr gewünscht, daß Herr Kollege Zepler seinen Aus­
und daß die anderen Gesellschaften nunmehr gleichfalls führungen hinzugefügt hätte, daß er lediglich in 
Entwürfe beschaffen sollen ? Ja, meine Herren, werden seinem eigenen persönlichen Namen spricht,
mir denn nicht verlangen müssen, daß die anderen (Stadtv. Zepler: Habe ich getan!) 
Gesellschaften uns neue Vorschläge machen? Is t es während ich den Standpunkt meiner Freunde ver­
fa ir und nett, wenn wir das, was w ir jetzt durch die treten habe.
Hilfe der deutschen Kioskgesellschaft errungen haben, (Zurufe bei der Freien Vereinigung: Hat er getan!)
        
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