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Periodical volume 17. April 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

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unsere 10000 J t vergleichen, so werden S ie zugeben handelt sich ja hier nicht um eine Fraktions-, sondern 
müssen, daß w ir uns gerade ungefähr in dem stier« um eine Zweckmäßigkeilsfrage, wie m ir scheint, und 
hättnis, wie sich Berlin  an dem Unternehmen be­ ich gehöre zu der stärkeren Hälfte im  Ausschuß, im 
te ilig t, auch nur beteiligen. Das ganze Unternehmen Gegensatz zu meinem verehrten Herrn Nachbar, und 
ist tatsächlich ein Groß-Berliner Unternehmen. W ir ich möchte Sie bitten, fü r  d ie  B e w il l ig u n g  der 
können nicht sagen, wieviel Vagabunden nun gerade g anzen  S u m m e  in  dem vom Herrn Berichterstatter 
von unseren Straßen hinweg nach Hoffnungstal vorgeschlagenen Sinne, der dem Ausschußantrage 
gebracht werden; aber daß in demselben Maße wie entspricht, einzutreten. Ich kann es m ir wohl ver­
in Berlin  auch bei uns die Vorteile zunächst einmal sagen. nachdem so viel Gründe fü r und wider an­
ideell sich Geltung verschaffen werden, das dürfen geführt worden sind, auf Einzelheiten einzugehen; 
w ir erwarten. Und wenn Berlin  die Sache fü r so ich möchte nur folgendes bemerken.
unterstützungswürdig hält, dann sollten w ir, meine H ä lt man die ganze Sache fü r ein der P rovinz 
ich, nicht zurückstehen. zugehöriges Unternehmen, so kommt man ungefähr 
Ich möchte Sie deshalb dringend bitten, den aus die Summe von 100000 Jt. W ir zahlen zu 
Ausschußantrag anzunehmen. den Provinzialabgaben, wenn ich nicht irre, 10 % ; 
cs würde also auch hiernach eine Summe von 
Stadtv. Sachs: Meine Herren, ich habe mich 10 000 Jt herauskommen. Nun wäre es ja  richtig, 
im  Ausschusse bereits gegen die Bewilligung dieser daß w ir an den 30 000 Jt, die eventuell von der Land­
10 000 J t ausgesprochen. Wenn Herr D r. Penzig schaft bew illigt würden, m it einem gewissen Prozentsatz 
gesagt hat, daß es sehr schwer nachweisbar sei, welche auch beteiligt werden würden. Aber hier kommt es 
Vorteile Charlottenburg davon habe, so glaube ich ja auch auf 1000 oder 2000 J t nicht an. Es handelt 
doch, daß w ir auf solchen Nachweis Rücksicht nehmen sich darum: • sollen w ir, wie im Anfang des Unter­
müssen. Denn 10000 Jt sind nicht eine so geringe nehmens, wieder nur 3000 J t oder sollen w ir, dem 
Summe, daß w ir fie fü r ein Unternehmen bei­ jetzigen weiteren Rahmen des Unternehmens ent­
steuern, von dem noch nicht der Beweis erbracht ist, sprechend, 10000 J t bewilligen? Ich bin der 
daß es zur Besserung unserer Verhältnisse beiträgt. Meinung, wenn w ir überhaupt ein gewisses Zutrauen, 
Ich glaube auch, die Vagabondage ist in Charlottenburg wenn auch keine absolute Zuversicht, dem Unternehmen 
nicht in  dem ausgesprochenen Sinne vorhanden —- entgegenbringen —  das müssen w ir  nach den V o r­
dafür sorgt schon die Polizei — ; sie entwickelt sich gängen; das müssen w ir. wenn w ir überhaupt etwas 
mehr auf der Landstraße Ebenso ist es m it der bewilligen — , dann müssen w ir die ganze Summe 
Bettelei; diese ist in  den Dörfern und in  den kleinen m it der M odifikation des Ausschußantrags bewilligen.
Städten vielmehr vorhanden als in  Charlottenburg, 
ganz abgesehen von den Häusern, die nur durch Stadtv. Kaufmann: Meine Herren, nach den 
P förtner geöffnet werden können. Das Interesse gründlichen Ausführungen des Herrn Referenten und 
der S tad t Charlottenburg muß doch darauf gerichtet des Herrn Bürgermeisters M a ilin g  würde ich gar 
sein, wie diese 10000 Jt verwendet werden, und ich nicht das W ort genommen haben, wenn nicht der 
vermag nicht einzusehen, daß gerade die städtischen Antrag des Herrn Kollegen. Sachs gekommen wäre, 
Verhältnisse dadurch eine wesentliche Besserung er­ die Summe von lo o o o  auf' 3000 Jt zu reduzieren 
fahren sollen, daß mau arbeitsscheue Leute, die man Entweder handelt es sich um eine Sache, die der 
hier auf der Straße aufliest, nach Hoffnungstal Unterstützung wert ist —  und dann müssen w ir sie 
hinausbefördern läßt Das w ird auch fast unmöglich unterstützen — , oder das Unternehmen ist nicht unter« 
sein. W ir  haben ja  eine ganze Menge W ohlfahrts­ stützilngswert —  dann können w ir den Beitrag ganz 
bestrebungen. die w ir unterstützen, welche außerhalb versagen. Das halte ich im jetzigen S tad ium  fü r 
unserer lokalen Verhältnisse liegen; aber alle halten viel richtiger, als die eim tm e herabdrücken zu wollen. 
sich doch im Rahmen einer bestimmten und nicht so Es ist hier das erste M a l die Gelegenheit, einen 
hohen Summe. Ich meine immer, daß ein solches Zweckverband der Provinz zu unterstützen. S o  sehe 
Unternehmen Aufgabe des Staates und der Provinz ich die Sache an Es ist ein Zweckoerbaud zur B e ­
sein muß. Wenn nun gesagt wird, daß die Provinz kämpfung der Vagabondage und der Bettelei. W er 
Brandenburg bereits eine erhebliche Beisteuer leistet, die Einrichtung in Hoffnungstal selbst hat in  Augen­
und wenn w ir nun infolge des erhöhten Beitrags schein nehmen können, wie es die M itg lieder Ih re s  
der P rovinz —  denn diese ist es, die dafür zu Ausschusses im  vorigen Jahre zu tun Gelegenheit 
sorgen hat — auch zu einem höheren Beitrage heran­ hatten, der w ird den Eindruck empfangen haben, 
gezogen würden, so würde dieser lange noch nicht die daß dieses Geld vortrefflich angelegt ist. D ie Kolonie 
10oöo M  erreichen, die w ir  hier beisteuern sollen. .hat nach meiner Auffassung wesentlich den Charakter 
Der alte einmalige Satz von 3000 M  wäre nach einer Trinkerheilstätte. D ie meisten Leute, die aus 
meiner Meinung für unsere Verhältnisse ausreichend. der Vagabondage herkommen, sind durch den Alkohol 
D ie  anderen 7000 J t könnten wahrlich fü r manche so weit heruntergebracht, daß sie nicht mehr arbeiten 
Wohlfahrtseinrichtung in  Charlotlenburg zutreffender können. W ir  hatten zu beobachten Gelegenheit, daß 
und besser verwendet werden als fü r  die doch noch nach wenigen Wochen der Tätigkeit draußen die Leute 
nicht ganz sichergestellte Entwickelung dieser Kolonie. schon wieder einen frischen und gesunderen Eindruck 
M an ist übrigens in  sehr vielen Kreisen auch in der machten, und daß sie sich dort äußerst wohl fühlten.
Gegend, wo Herr Pastor v. Bvdelschwingh zunächst Meine Herren, w ir  sollten nicht engherzig ab­
die Kolonie gegründet hat. durchaus nicht von deren wägen: hat Charlottenburg direkt einen V o rte il aus 
Entwicklung oder von alledem, was er damit er­ einer solchen Bew illigung? D ie Allgemeinheit hat 
reichen w ill, überzeugt- Es gibt auch dort Leute, daraus, daß man der Vagabondage abhilft, einen 
die das sehr zweifelnd ansehen. Ich möchte deshalb großen, nicht zu unterschätzenden Vorte il. Ich  bitte 
den Antrag stellen, daß nur eine einmalige Bewilligung S ie : stellen S ie sich auf den etwas weiteren S tand­
von 3000 J t ausgesprochen w ird. punkt. und bewilligen Sie. entsprechend dem Ausschuß- 
antrage. ioooo Jt, nicht, wie es der Antrag Sachs 
Stadtv. Dr. Stadthagcn: Meine Herren, es iv ill, nur 3000 M.
        
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