Path:
Periodical volume 17. April 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

3000 für Errichtung von Werkstätten für gelernte Ziele führt uns jedenfalls der vom Herrn Stadt­
Arbeiter bestimmt werden. Ja, meine Herren, das verordneten Vogel gestellte Antrag, hier in Charlotten 
wird nicht verhindern, daß nach wie vor der größte bürg ein Obdachlosenasyl zu errichten, nicht entgegen, 
Teil der dort Aufgenommenen in der Steinklopfbude so notwendig dieses Asyl auch sein mag; Sie haben 
weiter beschäftigt wird. Im  vorigen Jahre hat in ja übrigens einen ähnlichen Beschluß auch bereits 
dieser „gemütlichen" Steinklopfbude ein Schuhmacher gefaßt. Es ist zweifellos das Richtige: das eine tun 
— nicht einmal ein Schneider — beim Stcinklopfen und das andere nicht lassen Deshalb möchte ich 
einen Blutsturz bekommen. Das ist die Gemütlich­ Sie dringend bitten, den Bodelschwinghschen Zielen 
keit! Natürlich ist der Mann sehr bald heraus­ nicht von vornherein m it einem Achselzucken zu be­
genommen worden. Sie sehen aber, was für Unglück gegnen und zu sagen: ach Gott, w ir haben gar kein 
geschehen kann, wenn die Leute ohne Wahl da hinein­ Interesse daran, und wer weiß, ob die ganze Sache 
kommen. Ein Arzt untersucht doch die Leute nicht; gehen wird. Der Herr Referent hat schon ganz 
es kommt bloß auf den Hausverwalter an. Zu dem richtig hervorgehoben: man muß den Mann doch 
Posten nimmt man gewöhnlich etwas energische erst in die Lage setzen, zu zeigen, daß es geht. Für 
Leute, und die wählen nicht lange, — so ähnlich wie ein so großes Unternehmen ist die Summe von 
in den Irrenanstalten. loooo \4 l, die von uns bewilligt werden soll, 
Dann möchte ich noch darauf hinweise», daß sicherlich nicht allzu groß; man kann sogar sagen, 
jetzt auch vom Staate ein Wanderarbeitsstätten- sie ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Meine 
Gesetz in die Wege geleitet worden ist; es ist im Herren, Sie wissen ja aus den Vorgängen, daß, 
Abgeordnetenhause schon in erster Lesung durch­ wenn ich nicht irre, eine Summe von 90 000 JC 
gegangen. Ich glaube doch, es würde zweckmäßig gedeckt werden soll, wozu w ir einen Beitrag von 
sein, wenn man das abwartete und lieber hier in 10000 J i zeichnen sollen. Ich möchte schon aus 
Charlottcnburg ein Obdachlosenasyl möglichst bald dem Gesichtspunkte bitten, diese 10 000 J f heute zu 
errichtete. Dann wissen wir, wie die Wirkung ist; bewilligen, damit w ir einen Anreiz für diejenigen 
w ir können dafür sorgen, daß die Einrichtung eine geben, die an der Aufbringung dieser 90 uoo J( 
wirkliche Wohltat für die Menschen wird, und weiter beteiligt sind, auch ihrerseits das zu tun, was 
brauchen nicht zu befürchten, daß die Leute in geschehen muß. Da denke ich in allererster Linie 
der Steinklopfbude Schaden nehmen müssen. an die Verwaltung, die diese schöne Teilung auf­
gestellt hat, die Landesverwaltung, die für die Stadt 
Bürgermeister Matting: Meine Herren, ich möchte Charlottenburg, wenn ich nicht irre. 15 000 M  aus­
Sie dringend bitten, die Angelegenheit von großen gerechnet und für sich selbst einige 30 000 Jl aus­
Gesichtspunkten aus zu betrachten, von denen aus geworfen hat. Nach den Feststellungen, die ich —  aller­
der Herr Referent heute die Sache beleuchtet hat. dings nur flüchtig —  habe machen können, ist die 
Es hat allerdings sicherlich der Angelegenheit nichts Landesverwalltin i  mit der Aufbringung dieser Summe, 
geschadet, daß der Herr Referent ' in  'der  vorigen die sie selbst für ihre Verwaltung ausgerechnet hatte, 
Sitzung aus kleinere Gesichtspunkte eingegangen ist; noch ziemlich im Rückstand. Deshalb möchte ich 
aber schließlich müssen doch die großen Gesichtspunkte meinen, daß w ir auch aus diesem Grunde mit gutem 
ausschlaggebend sein. Als das Ergebnis und als ein Beispiel vorangehen sollten.
fruchtbares Ergebnis dieses Eingehens auf kleinere Sodann möchte ich m ir erlauben, die Herren 
Gesichtspunkte ist meiner Ansicht nach der Beschluß auf die unlängst in der Stadtverordnetenversammlung 
des Ausschusses zu betrachten, eine Summe von zu Berlin am 25. März d. I .  gepflogenen Ver­
3000 JC abzuzweigen, um neben der sogenannten handlungen hinzuweisen, aus denen Sie entnehmen 
gemütlichen Steinklopfbude auch eine Einrichtung zu können, daß in der Stadtverwaltung von Berlin ein 
treffen, wo empfindlicher organisierte handwerks­ recht lebhaftes Interesse für die Bodelschwinghsche 
mäßig vorgebildete Leute unter Umständen Gelegen­ Unternehmung besteht, obgleich man ja doch in der 
heit zur Arbeit finden können. Es war im Ausschuß, Stadt Berlin m it bem Hetnt Stadtv. Vogel sagen 
allerdings vom Hörensagen, die Meinung verbreitet, könnte, daß durch das Asyl in  der Fröbel- und' in 
es seien derartige Einrichtungen heute schon vor­ der Wiesenstraße verhältnismäßig gut für die Leute, 
handen, und die Steinklopfbude sei nicht die einzige die Herr v. Bodelschwingh an sich ziehen will, 
Arbeitsgelegenheit, die in Hoffnnngstal gewährt gesorgt wäre, während w ir 'in  dieser Beziehung noch 
werde. Wie dem aber auch sein mag, es kann nur im Rückstände sind. I n  der Berliner Stadtver­
gut sein, wenn eine derartige Summe abgezweigt ordnetenversammlung hat zu meiner großen Freude 
wird, um die eventuell vorhandenen Einrichtungen noch ein doch sonst recht nüchtern urteilender Mann wie 
zu vervollkommnen. —  Ich spreche allerdings hier so, Herr Stadtrat Fischbeck, dem aus seiner jahrelangen 
als ob schon der Magistrat diesem Vorschlage zuge­ Tätigkeit als Dezernent des Berliner Obdachlosem 
stimmt hätte. Ich möchte betonen, daß ich nur Asyls eine weitreichende Erfahrung zur Verfügung 
meine persönliche Auffassung ausspreche. Ich nehme steht, sich sehr lebhaft für die Sache ins Zeug gelegt, 
allerdings an, daß der Magistrat diesem vom Herrn m it dem Erfolge, daß auch die Berliner Stadtver­
Referenten gestellten Antrage als einer beträchtlichen ordnetenversammlung der Auffassung des Berliner 
Verbesserung sogar freudig zustimmen wird. Magistrats betreffs der Unterstützungswürdigkeit dieses 
Im  übrigen, meine Herren, möchte ich meinen, Unternehmens beigetreten ist. Meine Herren, die 
daß w ir unter allen Umständen den einen Gedanken Stadt Berlin unterstützt tatsächlich dieses Unternehmen 
der Bodelschwinghschen Unternehmungen willkommen in recht beträchtlichem Maße. Wenn ich nicht irre, 
heißen müssen, daß diese vielfach bedauernswerten sind es 700 Morgen, die sie auf 20 Jahre pachtfrei 
Menschen von dem Pflaster der Großstadt hinweg zunächst einmal dem Unternehmen zur Verfügung 
zunächst einmal in gesunde ländliche Verhältnisse gestellt hat. und ferner zahlt sie für die Aufnahme 
übergeführt werden, wo ihnen eine, im allgemeinen von je 150 Leuten die dort in viermonatlichem Wechsel 
ihren Kräften angemessene Arbeit in gesunder Um­ untergebracht werden, 70 Pfg. pro Kopf und Tag, 
gebung und fern von den Versuchungen und Ver­ sodass also eine Summe von einigen 30000 JC, als 
führungen bet Großstadt geboten wird. Diesem Jahresbeitrag herausspringt. Wenn Sie damit
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.