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Periodical volume 27. März 1907

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1907

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Kollege Becker hatte kürzlich diese Anstalt die „Rose gar nicht beschäftigt worden, andere nur etwa zwei 
von Westend" genannt. oder anderthalb Wochen. Kurzum, das ist kein Er­
(Heiterkeit.) satz dafür. Die Hilfsgärtner find vielfach Land­
Ich möchte nun den Herrn Baurat bitten, diese Rose schaftsgärtner. die sich sonst auf 60 Pfennig pro. 
abzubrechen und an einer anderen Stelle wieder auf­ Stunde im Privatbetriebe stehen, für die ist es ein 
zupflanzen. Ich würde mir nicht diesen Vorschlag großer Ausfall, wenn sie den Winter über brach 
erlauben, wenn sich nicht demnächst eine Gelegenheit liegen müssen. Ich möchte deshalb die Veisammlnng 
zur Ausführung dieses Planes ergäbe, und' auch, bitten, auch für diese Arbeiter, mindestens jedoch für 
weil im vorigen Jahre ein Antrag, diese Rose ab­ die älteren, verheirateten, den Tagelohn auf 4,50 JC 
zubrechen, angenommen worden ist. Es wird nämlich zu erhöhen. Sie stehen sich dann immer noch nicht 
um das Krankenhausgrundstück demnächst eine Mauer so gut wie die angestellten, aber es wäre doch damit 
gezogen, und es wäre meiner Ansicht nach sehr leicht, eine gewisse Zulage erreicht.
in Verbindung mit dieser Mauer die Bedürfnisanstalt Ebenso möchte ich bitten, den Lohn für die 
in einer netten Form wieder zu errichten, und zwar Frauen, die bei zehnstündiger Arbeitszeit 2 JC er­
am Fürstendrunner Weg. Sie würde dort netter halten, zu erhöhen. Es sind das vielfach Witwen, 
aussehen und sich wahrscheinlich auch eines lebhafteren die auch noch für Kinder zu sorgen haben. 20 Pfennig 
Zuspruchs erfreuen. für die Stunde ist meiner Meinung nach doch zu 
(Heiterkeit.) wenig; die Frauen müssen bei jeder Witterung her­
aus, werden auch nicht das ganze Jahr beschäftigt, 
Stadtbaurat Bredtschneider: Der Entwurf, die sondern die meisten nur ein halbes Jahr, 179 Tage. 
Bedürfnisanstalt, die dort steht, zu beseitigen und an Da würde auch eine Zulage von 5 Pfennig pro 
ihrer Stelle eine unterirdische anzulegen, ist bereits Stunde, also eine Erhöhung des Tagelohnes auf
generell aufgestellt worden. Es ist aber zweckmäßig, 2.50 JC angebracht sein.
diesen Entwurf nicht früher zur Ausführung zu Ich bitte also, für die älteren gelernten Gärtner, 
bringen, als bis der Spandauer Berg definitiv reguliert die nicht fest angestellt sind, den Lohn von 4 JC aus
sein wird. Der Spandauer Berg wird Straßenbahn- 4.50 JC und für die Frauen — es sind nur 16 
anlagen in der Mitte bekommen und zu beiden Frauen — den Lohn von 2 JC auf 2,50 JC zu er- 
Seiten, wenn alles freigelegt wird, sehr breite Bürger­ erhöhen.
steige. Da wird sich an der Ecke der Abornallee,
und zwar auf der Ostccke, die Gelegenheit bieten, Stadtrat Töbclmaxn: Meine Herren, es liegt 
auf einem dort vorhandenen Raume die unterirdische nun einmal im Berufe der Gärtner, daß sie im 
Bedürfnisanstalt herzustellen. Solange aber, bis die Winter nicht arbeiten können. Die Maurer können 
Regulierung vorgenommen sein wird, wird man füg­ das auch nicht und ebenso auch vielfach andere. Daß 
lich davon Abstand nehmen müssen. man deshalb nun für den Sommer soviel mehr zahlt, 
Die Möglichkeit, die unterirdische Bedürfnis­ das ist nicht gut möglich. Außerdem gibt es so 
anstalt auf dem Krankcnhausgrundstücke herzustellen, furchtbar viel Gärtner, wie mir scheint, die mit diesem 
ist nicht in Erwägung gezogen worden. Ich weiß Lohn zufrieden sind. Wir haben zum Beispiel jetzt 
es im Augenblicke nicht, ob die dort befindliche zum Frühjahr eine außerordentlich große Menge von 
Mauer nicht bei der Regulierung der Straße am Bewerbungen aus allen Teilen, ich möchte sagen, der 
Spandauerberg beseitigt werden muß. M ir ist so, Welt, erhalten: aus Schweden, aus Rußland, aus 
als müßte das geschehen, und dann wird nach Polen, aus der Schweiz; von überall her melden sie 
meiner Auffassung'vielleicht doch nicht der notwen­ sich. Es scheint fast, als ob Charlollenburg von den 
dige Raum hinter der Mauer bleiben. Wenn aber Gärtnern besonders bevorzugt würde, weil cs so viel­
eine unterirdische Bedürfnisanstalt in jener Gegend seitige Beschäftigung bietet: Gewächshäuser, Mistbeete, 
hergestellt werden soll, dann ist der bessere Platz der, Baumschulen, Garlenanlagen jeder Art. Wenn Sie 
den ich vorhin genannt habe, an der Ostecke der zum Vergleich Berlin, Schöneberg und andere Vor­
Ahornallee. orte heranziehen, so wird dort nicht etwa mehr gezahlt, 
im Gegenteil, diese Gemeinden zahlen weniger.
Stadtv. Vogel: Meine Herren, der Herr Be­ (Stadtv. Vogel: Schöneberg nicht!)
richterstatter hatte mitgeteilt, daß im Ausschuß der W ir haben jetzt, nachdem die Teuerungszulage gewährt 
Antrag auf Erhöhung der Löhne für die Hilssgärtner worden ist, 45 Pfennig bei 9stündiger Arbeit gezahlt, 
abgelehnt worden ist. Ich möchte Sie doch bitten, damit die Leute im Winter ebenso viel verdienen sollen 
diesen Antrag anzunehmen. Die Hilssgärtner, die wie im Sommer, und jetzt zahlen wir 41 Pfennig, 
auch ältere gelernte Gärtner sind — sie sind zum während die meisten Gemeinden in der Umgegend 
großen Teil verheiratet und Familienväter —, werden kaum 40 Pfennig zahlen.
nur zum kleinen Teil das ganze Jahr beschäftigt. Die Frauen bekommen jetzt 21 Pfennig. Das 
Ein Teil wird nur 200 Tage, ein anderer 179 Tage im ist ja wenig. Aber sie haben auch eine ganz leichte 
Jahre beschäftigt. Jetzt stehen sie im Tagelohne von Arbeit, und es besteht ebenfalls eine sehr große Nach­
4 JC. Man hat eingeworfen, wenn einem Teil frage.
dieser Hifsgärtner der Lohn auf 4,50 JC erhöht Indessen, da ich wohl empfinde, daß der Lohn für 
würde, dann würden sie so stehen wie die ange­ die heutige Zeit verhältnismäßig gering ist, so werde 
stellten Arbeiter. Das ist aber nicht der Fa ll; denn ich in der nächsten Parkdeputationssitzung beantragen, 
einmal sind sie nicht das ganze Jahr beschäftigt, und für unsere älteren Arbeiter, die nicht im MonatSlohn 
außerdem erhalten die angestellten Arbeiter jetzt angestellt sind — ich will heute noch nicht sagen, wieviel, 
Teuerungszulagen, die den Hilfsgärtnern nicht ge­ weil ich nicht weiß, was die Deputation beschließen 
währt werden. Es ist ihnen allerdings gesagt worden, wird —, eine kleine Zulage zu gewähren. Ich 
daß sie für die Winterzeit, Dezember und Januar, glaube auch, daß die Parkdeputalion mir darin folgen 
eine Zulage teils von 5 Pfennig, teils von 3 Pfennig wird. Weiter kaniVnrnn nichts tun. Wird diese Zu­
für die Stunde erhalten werden. Aber das trifft lage genehmigt, dann zahlen wir entschieden mehr 
nur ganz wenige; viele sind in diesen Monaten Lohn, als die meisten anderen Gemeinden.
        
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