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Periodical volume 22. Februar 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

gibt Ih n e n  die genauen Zahlen, die genauen Ver­ deren Früchte wir jedenfalls in Zukunft erst ernten 
änderungen gegen das V orjahr und hebt, glaube ich werden. Meine Herren, wir werden auch in Zukunft 
wenigstens, das Wichtigste Herbor E s  ist, kürz gesagt, jedenfalls weiter so verfahren und vor allen Dingen 
bei allen Kapiteln eine allgemeine S teigerung zu auch weiter unser Angenmerk auf gewisse Dinge 
bemerken, und das wird S ie  nicht wundernehmen; richten müssen, insbesondere z. B. auf die Erweiterung 
denn unsere Armenverwaltung, Krankeuverwaltung unseres Grunderwerbes.
und alle anderen Kapitel müssen naturgemäß gemäß (S e h r  richtig!)
dem Wachstuni der S ta d t  sich wesentlich steigern. D a s  schließt allerdings nicht aus, daß in gewissen 
Auch beim E rtraord inarium , meine Herren, Fällen auch einmal eine Veräußerung von G ru n d ­
möchte ich mich ganz kurz fassen. D er  E ta t  gibt besitz vorgenommen werden muß. gerade desjenigen 
ein klares Bild  derjenigen Arbeiten, die im nächsten Grundbesitzes, welcher die S ta d t  nu r belastet, ohne 
J a h re  gemacht werden sollen. S ie  finden M itte l  zu nutzen oder zweckdienlich zu fein.
eingestellt für den B au  der neuen Feuerwache, für Ich glaube, meine Herren, wenn wir das Faz i t  
verschiedene Brücken, für die Erweiterung des Kranken­ ziehen, können wir sagen : wir haben bisher gehandelt 
hauses. der Gaswerke, der Elektrizitätswerke, für das wie ein berechnender Kaufmann, der ein Kapital und 
Direktorwohnhaus in der Mommsenstraße und für unter Umständen ein großes Kapital in ein Geschäft 
die Mädchenschule I I I  und für verschiedene andere hineinsteckt und hineinstecken muß, wenn er das G e­
Zwecke, die S ie  ja ganz kurz bei der Durchsicht des schäft von Hause aus für gesund hält, und ich glaube, 
E r traord inar ium s sehen. Bemerken möchte ich aber, wir werden auch in Zukunft dieses Kapital da hinein­
daß das Ertraord inar ium  gegen das Vorjahr wesent­ stecken, wo wir un s  irgendwelche Chancen versprechen. 
lich zurückgegangen ist, und daß es noch nicht einmal Aber andererseits müssen wir aus einem derartigen 
feststeht, daß alle diejenigen Zwecke, für die hier Verfahren auch die Konsequenzen ziehen, meine 
M itte l  eingestellt sind, wirklich zur Ausführung ge­ Herren, und diese Konsequenzen sind die, daß wir 
langen; das unterliegt noch den besonderen B e­ uns  nicht wundern dürfen, wenn unser Schulden­
schlüssen. die S ie  zu fassen haben werden, wenn Ih n e n  dienst sehr erheblich weiter wächst. Unser Schulden­
die Projekte vorgelegt werden. dienst, der zurzeit gegen 28  %  der gesamten A us­
M eine Herren, wenn S ie  nach diesem kurzen gaben unseres O rd ina riu m s beträgt, wird weiterhin 
Überblick, den ich m ir erlaubt habe zu gebe«, das wachsen, und wenn er an Zuschüssen im J a h re  1896 
F ü r  und das Wider abwägen und sich entscheiden n u r  465  000  M erforderte, im Ja h re  1902  den Be­
sollen, ob der E ta t  günstig oder ungünstig ist, und trag von 1 1 0 0  ooo Jt  überschritt, so wird er im 
wenn S ie  berücksichtigen, öaß trotz d e r  g ü n s t ig e n  nächsten Ja h re  an Zuschüssen den Betrag von 
M o m e n t e ,  die ich Ih n e n  hervorgehoben habe, die 2 224  ooo M erfordern. W ir müssen uns  aber klar
S o l a n g e  d e s  E t a t s  recht sch w ie r ig  g e w e s e n  ist, sein, daß dieser Betrag notwendigerweise ganz er­
so werden S ie  wohl sagen müssen, daß der E ta t  heblich wachsen m u ß ;  denn allein die Anleihe des 
für das nächste J a h r  ke in  g ü n s t ig e r  ist. Aber, J a h re s  19 0 5 , die wir heute zu begehen beschlossen 
meine Herren, S ie  werden sich auch nicht verhehlen haben, muß im Ja h re  1908  zum erstenmal ainmti- 
können, daß auch in  d e n  nächsten  J a h r e n  ein fieit werden und wird einen Betrag von 550  000  Ji 
g ü n s t i g e r  E ta t  k a u m  zu e r w a r t e n  ist. Denn, allein für diese erste Amortisalionsrate erfordern.
meine Herren, wir werden kantn in der Lage sein, Wir müssen aber weiter daraus, meine Herren, 
auch n u r  annähernd wieder eine gleiche S teigerung logischerweise die K o n s e q u e n z  ziehen, daß wir 
der S teu ern  alle die nächsten J a h re  einzustellen, löte gegenüber diesen Ausgaben, welche wir unbedingt 
wir es in  diesem J a h re  getan haben; denn die Welle tragen müssen, u n s e r e  a n d e r e n  A u s g a b e n  sehr
der wirtschaftlichen Hochkonjunktur kommt auch ein­ g e n a u  s p e z ia l i s i e r e n .  Unsere fortdauernden A us­
mal obenan und fängt dann an, allmählich wieder gaben werden wir zu spezialisieren haben, wenn ich 
herabzusinken zum Tale. mein bescheidenes Urteil aussprechen darf, in gesetzlich 
(lltufe: I s t  schon!) notwendige, in andere notwendige Sachen und in 
Und es ist, wenn S ie  die Statistik ansehen, jedesmal Sachen, die zwar nützlich sind, die auch schön sind, 
erwiesen, daß mit dem Herabsinken der wirtschaft? die unter Umständen sich aber noch einige Jah re  ver­
liehen Konjunktur auch ein Abflauen der S teu e r­ tagen lassen, und da w e rd e n  w i r  j e d e n f a l l s  in  
einnahmen unvermeidlich ist. den w e i te r e n  E i n s t e l l u n g e n  i n  u n s e r e n  E t a t  
(S e h r  richtig!) v o rs ic h t ig  sein m ü s s e n ;  sonst w i rd  e s  u n s  —  
Also die Einnahmeseite wird jedenfalls alle die das glaube ich mit ziemlicher Sicherheit voraussagen 
nächsten J a h re  hindurch — vielleicht noch das nächste zu müssen —  nicht g e l i n g e n ,  a n  dem  P r i n z i p  
J a h r ,  dank dem Zuzuge, an dem unsere S t a d t  f e s t z u h a l t e n ,  a n  dem  w i r  b i s h e r  f e i l g e h a l t e n  
hoffentlich nicht leiden wird —  kaum gleich steigend h a b e n ,  n ä m lich  den S te n e r z u s c h l a g  v o n  1 0 0 %  
sein. Auf der anderen Se ite  werden S ie  sich sagen nicht zu ü b e r sc h re i te n .
müssen —  und S ie  haben erst heute über die Be­ Meine Herren, alles weitere werden wir ja  
gebung einer Anleihe von 26 Millionen beschlossen —, wohl im Ausschuß beraten, und im Auslchuß wird 
daß unsere Anleihen steigen müssen. Unsere Anleihen, von den verschiedensten Gesichtspunkten und von den 
die zurzeit einen Betrag von 6 8 ' / ,  Millionen M verschiedensten Standpunkten aus  I h r e  Kritik ja wohl 
ausmachen —  abgerechnet die Bismarckstraße — . einsetzen. Ich möchte die Hoffnung aussprechen, daß 
werden naturgemäß steigen müssen; und, meine diese I h r e  Kritik, wie in anderen Fällen, so auch in 
Herren, es ist' kein Wunder, daß sie steigen. Wir diesem Falle eine läuternde sein möchte, und gleich­
sind eine junge S tad t ,  keine fertige S ta d t ;  wir zeitig dem Wunsche Ausdruck geben, daß . wie sie 
müssen alles erst neu schaffen; was andere S täd te  auch immer sei, scharf oder nicht scharf, sie immerhin 
in Jahrhunderten  geschaffen haben, haben wir schaffen eine wohlwollende bleiben möchte.
müssen in vielleicht zwei Jahrzehnten. Und es ist ( B r a v o !)
gut. daß wir oft mit gewissem Wagemut und mit 
weitem Blick herangegangen sind und erhebliche An­ Vorsteher Roscnberg: Meine Herren, ich bitte 
leihesummen aufgenommen haben für gewisse Dinge, um die Erlaubnis, für einen kurzen Augenblick I h r e
        
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