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Periodical volume 22. Februar 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

zuschußkaffe in entsprechender Weise ausgestaltet, Hälfte der Antw ort schon voraussetzt. Diese Frage und eS hat dieser Weg in Belgien so viel Beifall setzt gewissermaßen voraus, daß irg e n d e tw as ge­ gefunden, daß heute dort bereits in neun von den schehen müsse, zehn belgischen Städten m it über 50 000 Einwohnern (Stadtv. D r. Borchardt: Sehr richtig!) dieses ©enter System angenommen ist, und in diesen und daß man sich nur darüber auszusprechen habe, neun Städten werden städtische Gelder als Zuschuß­ w a s geschehen müsse. gelder fü r die Arbeitslosenunterstützungen gezahlt. (Stadtv..- Dr.^Borchardt: Sehr richtig!) Aber auch wenn w ir nicht aus das Ausland W ir werden aber logischerweise diese Frage wohl in sehen, wenn w ir lediglich bei uns in Deutschland zwei Teile zerlegen^ müssen, und w ir werden uns bleiben, kann der Charlottenburger Magistrat immer­ wohl auch über den Gersten Teil aussprechen müssen. hin schon Vorbilder finden. Ich w ill nur auf die Zu diesem Zwecke w ird es am besten sein, wenn ich, Stadt-Kölnische Arbeitslosenversicherungskasie ver­ wie es ja auch der Herr Fragesteller in seiner Be­ weisen, eine Kaffe, die dort ins Leben gerufen ist gründung getan hat. ein ivenig auf die Vorge­ nicht aus öffentlichen Geldern, sondern aus privater schichte der gegenwärtigen Charlottenburger Arbeits­ In itia tive , die aber von der Stadt einen Zuschuß losenaufnahmen eingehe. erhält. Noch im M a i vorigen Jahres hat die Nachdem w ir in Charlottenburg — wie im Reiche Kölnische Stadtvertrelung beschlossen, dieser Kaffe überhaupt — von 1895 bis 1899 eine Z e it beständigen einen Zuschuß von 20 0 0 0 Jt zu gewähren und wirtschaftlichen Aufschwunges gehabt hatten, machten außerdem aufzukommen fü r diejenigen Ausgaben, sich im Jahre 1899 die ersten Warnungszeichen eines die etwa 100 000 Jt überschreiten. wirtschaftlichen Niederganges geltend,' die auch in S ie sehen, meine Herren, daß vollkommen un­ Charlottenburg in einer zunehmenden Arbeitslosigkeit bebautes Land nicht vor uns liegt, sondern daß der zutage traten. Damals sind die Anzeichen der ver­ M agistrat sehr wohl in der Lage ist, Beispiele in änderten Lage auf dem Charlottenburger Arbeits­ gewissen Städten zu finden, in denen in der ge­ markte auch Gegenstand der Verhandlungen in der dachten Richtung vorgegangen ist. W ir, meine Stadtverordnetenversammlung gewesen, und der Herren, haben es fü r an der Zeit gehalten, daß nach M agistrat hat erklärt, daß es ihm nicht entgangen zweijährigem fortgesetzten Zählen der Arbeitslosen sei, daß auf »dem Aibeitsmarkt sich eine Änderung z mm auch energisch die Frage ventiliert w ird : I n vollzogen habe; daß diese Änderung zwar noch nicht welcher Weise sollen die Arbeitslosen unterstützt den Umfang erreicht habe, um große, weitgehende werden? Deswegen haben w ir an den Magistrat Maßregeln erforderlich zu machen; daß er aber im unsere Anfrage gerichtet, und w ir hoffen, eine kleinen bereits angefangen habe, dafür zu sorgen, Antwort zu erhalten, die uns erwarten läßt, daß daß ein größerer Te il der Arbeiter Beschäftigung Charlottenburg auf diesem Gebiete der sozialen F ü r­ erhalte. Damals kamen w ir nach umfassenden E r­ sorge vorbildlich voranschreiten w ill. wägungen aller vorhandenen M itte l zu dem E r­ gebnis,' daß man beim E in tr it t einer etwas größeren Stadtrat D r. Jastrow: Meine Herren, die An­ Arbeitslosigkeit zunächst einmal suchen müsse, die frage der Herren Stadtv. D r. Borchardt und Ge­ Arbeiten, die in einiger Ze it ohnehin stattfinden nossen, die den Gegenstand dieses Punktes der müßten, nach Möglichkeit in die Z e it der Arbeits­ Tagesordnung bildet, lautet: losigkeit zu legen.' Der M agistrat kam so zu einem Was gedenkt der M agistrat zu tun, um die System der Ä rb e its v e rfrü h u u g ; und noch während seit nunmehr zwei Jahren vorgenommenen w ir in der Anwendung dieses Systems begriffen Arbeitslosenzählungen fruchtbar fü r die er­ waren, tra t dann eine allmähliche, sehr langsame, mittelten Arbeitslosen zu gestalten: aber immerhin unverkennbare Besserung der Lage D ie Anfrage betrifft eine spezifisch C h a r ­ aus dem Arbeitsmarkte ein. lo t te n b u rg e r Einrichtung. I n der Begründung D er M agistrat Charlottenburg ist aber bei den ist Herr Stadtv. D r. Borchardt in sehr wertem Um­ damals gemachten Erfahrungen nicht ohne weiteres fange auf das a llg e m e in e Problem der Arbeits­ stehen geblieben, sondern es ist ins Auge gefaßt losenfürsorge und seinen Zusammenhang m it der worden, auch gegenüber zukünftigen Fällen gerüstet gegenwärtigen S truktu r der bürgerlichen Gesellschaft zu sein. D ie 'Stadtgemeinde Charlottenburg ist die eingegangen. Ich w ill nicht behaupten, daß dies erste gewesen, in der aus der beständigen Verfolgung nicht zur Sache gehöre, und ich w ill es auch meiner­ der Lage des Arbeitsmarktes ein Dezernat gebildet seits nicht ohne weiteres ablehnen, auf diese a ll­ wurde, und dieses Dezernat ist durch Verfügung des gemeine Frage, soweit es möglich ist. auch im Namen Herrn Oberbürgermeisters dem jedesmaligen Dezer­ des M agistrats einzugehen. Aber ich glaube, in nenten fü r den' Arbeitsnachweis übertragen worden. Ih re m Sinne zu handeln, wenn ich die Reihenfolge E r hat die Aufgabe, sich eine Symptomatik über die umkehre: wenn ich nicht zunächst auf das allgemeine Lage des Arbeitsmarktes zu bilden, er hat dem Problem der Arbeitslosenversicherung eingehe und M agistrat in gewissen Zwischenräumen Bericht zu er­ dann auch einiges über Charlottenburg sage, sondern statten über die Lage des Arbeitsmarktes, damit der wenn ich m it dem, was uns allen ja am meisten Magistrat nicht erst dann in die Lage kommt, an beschäftigt, uns am nächsten liegt und den Gegen­ die Sache zu denken, wenn etwa die N ot sehr groß stand dieser Anfrage bildet, beginne. ist. sondern damit w ir ganz langsam und allmählich '(Sehr richtig!) etwaigen Veränderungen in der Lage des Arbeits­ Es ist gefragt, was der M agistrat zu tun ge­ marktes folgen können, soweit dies bei der. wie ja denke, um die Arbeitslosenzählungen fruchtbar zu auch der Herr Fragesteller anerkannt hat, äußerst gestalten. Diese Frage ist in gewisser Weise eine schwierigen N atur dieses Problems möglich ist. Suggestivfrage, und die Suggestivfragen waren z. B. Eines der H ilfsm itte l, die dem Dezernenten gegenüber Verbrechern schon durch die humane dazu dienen sollen, sich einen Überblick über die Lage Krim inalordnuna Friedrichs des Großen verboten: des Charlottenburger Ärbeitsmarktes zu bilden, ist (Heiterkeit.) nun auch die Arbeitslosenaufnahme. W ir sagten es soll keiner in einer Weise gefragt werden, die die uns: wenn w ir erfahren wollen, ob eine bedeutende
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