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Periodical volume 31. Januar 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

Grundlage in Bezug auf unsere speziellen Charlotten­ leistung, —  wenn der Herr Bürgermeister aus derartigen 
burger Verhältnisse gibt. Äußerungen und einer Diskussion darüber nun 
Ich glaube, nach dieser Aufklärung wird der etwa entnommen hat, daß w ir der Meinung sind, 
Magistrat imstande sein, uns dieses Material recht ganz allgemein und überall und stets werde in 
bald zu liefern. Die Herren Sozialdemokraten „aber 9 Stunden so viel gearbeitet, wie in 10 Stunden, 
ziehen vielleicht daraus die Lehre, daß das Über­ und wenn man die 9 ständige Arbeitszeit habe, werde 
trumpfen unserer Anträge nicht immer zweckdienlich bei einer Einführung der 8 ständigen Arbeitszeit ge­
ist, daß es vielmehr besser ist, sich an die geschäfts­ nau so viel gearbeitet wie in 9 Stunden, und 
mäßigen Anträge, die uns fördern können, zu halten. wenn er dann weiter etwa meinte, wie ich nicht klar 
aus seinen Worten entnommen habe, daß w ir erst 
(Sehr richtig! bei den Liberalen). dann zu der Verkürzung der Arbeitszeit übergehen 
wollen, wenn etwa sich herausgestellt habe, daß das 
Stabtu. D r. Borchardt: Meine Herren, ich bin richtig sei, daß man überall mit der Verringerung 
ja dem Magistrat außerordentlich dankbar dafür, daß der Arbeitszeit eine entsprechend intensivere Arbeit 
er einer Anregung aus den Reihen der sozialdemo­ bekomme, —  dann allerdings, glaube ich, hat der Herr 
kratischen Fraktion, eine Frage näher zu'studieren, Bürgermeister die Ausführung von unsrer Seite sehr 
gern und bereitwillig Folge gibt, und ich betrachte stark mißverstanden. Denn das, m. H.. ist unsre 
es auch nicht als das Hineintragen einer Unklarheit, Meinung keineswegs, daß man die Verkürzung der 
wenn von meinem Freunde Hirsch bei Gelegenheit Arbeitszeit in allen Betrieben immer nur auf Kosten 
dieser Debatte betont wurde, daß aus einem Studium einer Verstärkung der Intensität der Arbeit in einem 
der einschlägigen Litteratur hervorgehen würde, daß solchen Maße bekommen soll, daß dadurch die Arbeits­
der Gedanke der Verkürzung der Arbeitszeit leistung dieselbe bleibt. Wenn w ir dieser Meinung 
in einer Reihe von Kommunen weiter fortschreitet. wären, dann brauchten wir ja auch gar keine E r­
Meine Herren, wenn der Magistrat diese hebungen. W ir waren ja gerade der Meinung, daß 
Litteratur nun studiert hat und dadurch, wie w ir Erhebungen darüber brauchen, wieviel teurer die 
uns Herr Bürgermeister M ailing eben versichert, zu 9ständige Arbeitszeit als die 10 ständige werden würde, 
demselben Ergebnis gekommen ist, so kann uns das weil w ir überzeugt sind, daß durchaus nicht in allen Be­
durchaus nicht unangenehm sein. Freilich betont der trieben in gleichmäßiger Weise mit einer Verkürzung der 
Herr Bürgermeister, daß in einer einzelnen Statistik Arbeitszeit die Intensität der Arbeitsleistung wächst. Es 
für die Gemeinde Zürich sich etwas Gegenteiliges kommt eben durchaus auf die A rt des Betriebes an. 
ergebe von dem, was der Herr Kollege Hirsch da­ Es gibt allerdings Betriebe, die von einer 12- und 
mals gesagt habe. Wie es mit diesem einzelnen noch mehrstündigen Arbeit-zeit, die sie vor Jahren 
Fall steht, kann ich hier im Moment natürlich nicht hatten, sogar bis auf eine 8 ständige heruntergegangen 
nachprüfen. Aber im allgemeinen hat der Herr sind, in denen die Unternehmer die Erfahrung ge­
Bürgermeister klar und deutlich zugegeben, daß in macht haben, daß schließlich doch ebensoviel bei ihnen 
der Tat der Gedanke einer Verkürzung der Arbeits­ gearbeitet wird wie früher. Es gibt aber wiederum 
zeit in den Kommunen, auch in den deutschen ganz anders geartete Betriebe, in denen zweifellos 
Kommunen, Fortschritte mache. Insofern war es lediglich die Dauer der Arbeitszeit für das Maß der 
also durchaus nicht eine Unklarheit, die in unsere Leistung maßgebend ist. W ir waren nicht der Meinung, 
Debatten hineingetragen wurde, sondern es war eine daß wir zu einer Verkürzung der Arbeitszeit nur 
Anregung, der der Magistrat ja auch in dankenswerter dann kommen sollten, wenn diese Verkürzung nichts 
Weise gefolgt ist. kostet; sondern w ir waren der Meinung, daß wir 
Aber, meine Herren, das Mißverständnis des eben auch zu einer Verkürzung der Arbeitszeit kommen 
Magistrats liegt nun eben darin, daß er sich lediglich wollen, wenn diese Verkürzung uns etwas kostet. 
aus das Befolgen dieser Anregung und auf dieses Das schien m ir damals auch die Meinung der Mehr­
Studium beschränkte. Denn es handelt sich, wie ich heit der Versammlung zu sein, und deswegen hat 
vorhin schon auseinandergesetzt habe, und wie auch auch die Mehrheit der Versammlung diese Auskunft 
Herr Kollege Spiegel bestätigt hat, hier zunächst für vom Magistrat erbeten.
uns lediglich um die Frage: wieviel .Mehrkosten Einen bestimmten Antrag über die Kenntnis­
würden der Stadt Charlottenburg aus der Ver­ nahme hinaus zu stellen, erübrigt sich, glaube ich, 
wandlung der 10 ständigen in die 9 ständige Arbeits­ auch für mich, nachdem auch ein Vertreter der Mehr­
zeit entstehen? Ich'habe an der einen Stelle Herrn heitsfraktion hier der Meinung Ausdruck gegeben 
Kollegen Spiegel nicht recht verstanden, wo er mir, hat, daß in der Tat die Anfrage an den Magistrat 
glaube ich, einen Widerspruch vorwarf. Denn es so gemeint war, wie ich sie interpretiert habe, und 
handelte sich ja nicht um irgendwie bestimmte Schluß­ nachdem er sich dem Ersuchen angeschlossen hat. daß 
folgerungen. die der Magistrat sofort ziehen sollte, der Magistrat diese Auskunft, für welche die rechnerischen 
oder die w ir uns, falls sie der Magistrat gezogen, Unterlagen verhältnismäßig leicht zu beschaffen sein 
einfach zu eigen machen sollten, sondern die Mehr­ müssen, möglichst bald geben möge.
heit der Versammlung wollte das zahlenmäßige Wenn zum Schluß der Herr Kollege noch ge­
Material haben, um zu erkennen, wie teuer uns die glaubt hat, in leichter Weise mich ironisieren zu 
Umwandlung der 10ständigen in die 9 ständige Arbeits­ können, indem er auf das Übertrumpfen von Anträgen 
zeit werden ' würde. Freilich sind bei Gelegenheit der liberalen Fraktion seitens der sozialdemokratischen 
der Diskussion eine Reihe von anderen Punkten mit Fraktion hinwies, so. glaube ich, war der Moment 
erwähnt und angeregt worden. Wenn aber der dazu recht schlecht gewählt. Denn bei diesen Anträgen 
Herr Bürgermeister daraus, daß z. B. auch gesagt handelte es sich in gar keiner Weise um irgendwelchen 
wurde, daß vielfach bei einer Verkürzung der Arbeits­ Versuch der Übertrmnpfung, sondern es handelte sich 
zeit die Arbeitsleistung intensiver würde, und daß um Initiativanträge seitens der sozialdemokratischen 
sich in manchen Betrieben mehrfach herausgestellt raktion, die nachher von den Freunden des Herrn 
habe, daß eine Verkürzung der Arbeiszeit nicht gleich­ ollegen Spiegel nicht verbessert, sondern lediglich 
bedeutend sei mit einer Verringerung der Arbeits­ verschlechtert worden find.
        
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