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Periodical volume 31. Januar 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

Vorsteher Rosenbcrg: Herr Stadtv. Vogel, der genau, ob sofort im Plenum die jetzige Beschluß- 
letztere Ausdruck war zwar sehr vorsichtig gewählt, sassung beschlossen wurde, oder ob, wie ich glaube 
ich glaube aber doch, daß er etwas Verletzendes hatte. mich erinnern zu können, die Mehrheit der Versamm­
Wenn Sie den Ausdruck „verschleppen" nur über­ lung die Angelegenheit nochmals an die Kommission 
setzen und sagen: der Magistrat wolle die Sache zurückverwies, damit in der Kommission möglichst 
protrahieren, so haben « ie  dem Magistrat, wenn auch Aufschluß gegeben werden könn? über die finan­
auch m it Ih rem  freundlichen, liebenswürdigen Gesicht, zielle Tragweite der Durchführung eines solchen Be­
eine böse Absicht unterstell!. schlusses. A llerdings möchte ich erwähnen, daß die 
Jetzt hat das Wort der Herr Bürgermeister. Kommission gerade von liberaler Seite m it anderen 
Herren besetzt wurde. Den Verhandlungen in der 
Bürgermeister M a ttin g : Es kann hier von Ver­ Kommission wohnte ich nicht bei. Aber es scheint 
schleppen gar keine Rede sein. D ie gemischte Depu­ doch, daß von Herrn Bürgermeister oder daß seitens 
tation hat es, soviel ich im Augenblick informiert des Magistrats in der Kommission betont wurde, 
bin, ausdrücklich abgelehnt, städtischerseits derartige daß es ziemlich schwierig sei, sofort oder innerhalb 
Wohnungen zu bauen, und hat m it voller Zustim­ kurzer Zeit einen Überblick über die finanzielle Trag­
mung der Versammlung den Weg beschütten, durch weite des Beschlusses zu geben. D ie Kommission 
Verhandlung m it dem Spar- und Banverein z. B. erklärte sich infolgedessen damit einverstanden, es vor­
die Verwirklichung der Idee, die Herrn Stadtv. läufig bei der 10 ständigen Arbeitszeit zu belassen, 
Vogel vorschwebt, möglichst zu erreichen. . Ich  bin im  übrigen aber der Versammlung eine Beschluß­
fest davon überzeugt, wenn es wirklich gelingen sollte, fassung zu empfehlen, durch welche der Magistrat 
auch nur 10%  von den Wohnungen, die der S pa r­ ersucht ivurde, Erhebungen darüber anzustellen, wie 
und Banverein bauen w ill, fü r städtische Arbeiter z» die finanzielle Tragweite der Durchführung eines 
erhalten, daß das schon ein recht schöner Erfolg ist. solchen Beschlusses sich gestalten würde. Die Ver­
Denn selbst wenn der Magistrat in eigner Regie an sammlung tra t dann diesem Antrage der Kommission 
die Aufgabe heranginge, müßte er sich wahrscheinlich bei am 1. Februar 1905, also vor einem Jahre, 
m it der Bereitstellung von etwa 100 derartigen Woh­ und gegen Ende des Jahres, also nach länger als 
nungen begnügen. W ir  können selbstverständlich nicht 3/4 Jahren, erteilt uns der Magistrat die Antw ort, 
gleich fü r die ganze Armee von städtischen Arbeitern daß er die Angelegenheit dauernd im  Auge behält 
Wohnungen bauen. Ich  glaube, daß der Magistrat und namentlich die einschlägige L itteratur darüber 
durchaus auf dem richtigen Wege ist, um zu dem verfolgt.
Ziele, daß der Herr Stadtv. Vogel wünscht, zu ge­ Nun, meine Herren, scheint m ir dem Magistrat 
langen. da doch ein starkes Mißverständnis untergelaufen zu 
sein, wenn er u is antwortet: er verfolg! eingehend 
(D ie  Beratung wird geschlossen. D ie Versamm­ die L itteratur —  beschäftigt sich also eingehend jeden­
lung nimmt Kenntnis.) fa lls m it der Litteratur, Die über die 10-, 9- und 
8 ständige Arbeitszeit existiert und dauernd im Wachsen 
Berichterstatter Stadtv. S te in: Frage 4. begriffen ist. Denn das. was die Stadtverordneten­
versammlung vom Magistrat wünschte, hat ja doch 
Stadtv. D r. Borchardt: Meine Herren, ich w ill m it dieser L itteratur garnichis zu tun. D ie Mehrheit 
mich durchaus hüten, irgendwie dem Magistrat den der Stadtverordnetenversammlung wünschte eine Aus­
Vorw urf des Verschleppens oder einer bösen Absicht kunft darüber, wie groß die finanzielle Tragweite 
zu mache». Aber aus der Antw ort des Magistrats der Venvandlung der lOstündigen in die 9 ständige 
scheint m ir hervorzugehen, daß der Magistrat zum Arbeitszeit in  Charlottenburg sein würde, und diese 
mindesten einem Ir r tu m  zum Opfer gefallen ist, denn Auskunft kann meines Erachtens ohne jedes Litteratur- 
er gibt uns eine Antwort, die in  gar keiner Weise studium gegeben werden auf der Grundlage, die dem 
auf dasjenige paßt, um was er.gebeten woideii ist. Magistrat in  den Verwallungsberichteu aller derjenigen 
Meine Herren, ich möchte ganz kurz an den Deputationen zur Verfügung steht, in  denen städtische 
Verlauf der Angelegenheit erinnern. Teilens meiner Arbeiter beschäftigt werden.
Freunde war ein Antrag gestellt worden unter Deswegen scheint es m ir nicht angebracht, daß 
mehreren anderen Anträgen, die Arbeitszeit der A r ­ w ir uns m it dieser Kenntnisnahme zufrieden geben. 
beiter in  sämtlichen städtischen Betrieben auf eine Es bleibt uns ja allerdings kaum etwas anderes 
M arim alze it von 9 Stunden anstatt der bis jetzt übrig, als zunächst die Antwort zur Kenntnis zu 
üblichen 10 Stunden zu begrenzen. Dieser Antrag nehmen; aber darüber hinaus, meine ich, sollten w ir 
fand in  der Kommission, der von den freisinnigen doch dem Magistrat keinen Zweifel darüber lassen, 
Herren die Herren Stadtv. D r. Spiegel und D r. daß w ir wünschen eine Auskunft über die finanzielle 
Penzig, wenn ich nicht irre, angehörten, Annahme. Tragweite der Durchführung dieser Maßregel in  
A ls  dann aus der Kommission die Anträge wiederum Charlottenburg. Wenn das klar zum Ausdruck ge­
an das Plenum kamen, legte sich der Herr Bürger­ bracht wird, dann, glaube ich, würde der Magistrat 
meister m it großem Nachdruck dafür ein, daß dieser doch wohl, ich w ill mal sagen: im  Verlauf von 4 
Passus der Kommissionsanträge in der Form  nicht Monaten allerlängstens in der Lage sein, uns eine 
angenommen würde, und zwar wies der Herr Bürger­ solche Auskunft zu geben.
meister nachdrücklichst darauf hin, daß sich in keiner 
Weise die finanzielle Tragweite der Durchführung Bürgermeister M a ttin g : Meine Herren, ich
der Verwandlung der 10 ständigen in  die 9 ständige glaube, der Herr Stadtv. D r. Borchardt ist dem 
Arbeitszeit übersehen lasse. Und. meine Herren, Magistrat durch seine Ausführungen ungeheuer zu 
wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht, so war H ilfe  gekommen. E r bat sich nämlich ganz dieselbe 
es gerade unter dem Eindruck dieses nachdrücklichen In terpre ta tion Ih re s  Beschlusses angeeignet, die sich 
Hinweises, daß die Mehrheit der Versammlung davon der Magistrat zu eigen gemacht hat. I h r  Beschluß 
Abstand nahm, dem Antrag der Kommission zuzu­ vom 1. Februar 1905 lautet zwar: der Magistrat 
stimmen, sondern —  da weiß ich nun nicht mehr möge Erhebungen darüber anstellen, welchen Betrag
        
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