Path:
Periodical volume 14. März 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

373 ---------
Wahrung strenger Gerechtigkeit und in der Förderung entstanden ist, in mein neues Amt; ich hoffe aber, 
möglichst naher menschlicher Beziehungen zu unsern daß eine offene und sachliche Aussprache eine be­
Rektoren, Lehrern und Lehrerinnen, mit ihre Arbeits­ friedigende Klärung herbeiführen wird, und deshalb 
freudigkeit zu erhöhen und sie so mittelbar wenigstens scheue ich mich nicht, meine verehrten Herren. Ihnen, 
zu befruchten. wie vor zwölf Jahren, so auch heute das Versprechen 
Auch für die Kämmerervcrivaltung ist meine vollster Loyalität für den Lauf meiner nächsten 
Begabung vielleicht nicht überall die richtige gewesen. Amtsperiode abzugeben, und ich bitte Sie hierfür 
Vielleicht hätte mir hin und wieder einmal ein bißchen um Ih r  Vertrauen.
mehr Fiskalismus gut getan, das heißt eine gewisse (Lebhafter Beifall.)
Neigung, mehr die Einnahmeverwaltnngen als die 
Ausgabeverwaltungen zu protegieren. Ich habe Vorsteher Roseiibcrg: Das Wort hat der Herr 
vielleicht Neigung gehabt, eher das Gegenteil zu Oberbürgermeister.
tu»; insbesondere wenn cs sich um soziale Aufgaben 
unserer Stadt handelte, ist es mir immer schwer Oberbürgermeister Schustehrus: Sehr geehrter
geworden, Nein zu sagen. Ich glaube trotzdem, daß Herr SanitätSrat: Sie treten in diese Versammlung 
ich nichts zum Nachteil unserer Stadt auch in diesem ein als liorno novus, ein horno novus, der bisher 
meinem Amte getan habe. wobei ich allerdings ehrlich nicht vertraut gewesen ist mit den Angelegenheiten 
gestehen muß. daß die verhältnismäßig günstigen der städtischen Verwaltung, und als ein horno novus 
Etatsverhältnisse während meiner Amtsperiode mir auch in Bezug darauf, daß wohl die meisten Persön­
da vielleicht recht vorteilhaft gewesen sind. lichkeiten. die in der Verwaltung, im Magistrat und 
Nun bin ich seit mehreren Jahren von jedem in der Stadtverordnetenversammlung tätig sind, 
größeren Dezernate befreit. Es ist mir der Verzicht Ihnen nicht bekannt sind Aber Sie sind seit einer 
auf die beiden mir liebgewordenen Ressorts nicht laugen Reihe von Jahren Charlottenburger Bürger, 
leicht geworden; aber ich darf es sagen, daß die und Sie kennen als solcher die Verhältnisse unserer 
freundliche und vertrauensvolle A rt und Weise, mit Studt und haben sie mit Ihrem lebhaften Interesse 
der Sie meine nunmehr in der Hauptsache Ihrer an öffentlichen Dingen verfolgt. Dieses lebhafte 
Entlastung bestimmtet! Dienste entgegengenommen Interesse hat sich in hervorragendem Maße auch 
haben, wie Sic die Geschäfte der Leitung mit mir erstreckt auf weite Gebiete des öffentlichen Lebens, 
geteilt haben, kaum jemals das Gefühl der Ent­ wie allgemein bekannt sein dürste. Besonders haben 
täuschung oder der Entsagung hat in mir aufkommen Sie sich, durch Ihren Beruf und Ihre Wissenschaft 
lassen. Wie ich denn überhaupt, Herr Oberbürger­ angeregt, der Hygiene in Schrift und Wort gewidmet, 
meister, von dem Augenblick Ihres Eintritts in unsere der Hygiene, mit der wir uns von Jahr zu Jahr 
Verwaltung an stets in meiner Stellung neben Ihnen mehr und mehr liieren und die uns immer teurer 
vollste Befriedigung gefunden habe. Ich hätte es werden wird.
nicht unterlassen können, das heute hier auszusprechen, (Heiterkeit.)
Herr Oberbürgermeister. Ich danke Ihnen für das Und dieser Umstand, mein verehrter Herr Saniiätsrat, 
Vertrauen, das Sie mir entgegengebracht haben, und gibt uns die Hoffnung, daß wir in gemeinsamer 
ich verspreche Ihnen, daß ich auch in der neuen Arbeit auf diesem so ungeheuer wichtigem Gebiet für 
Amtsperiode in derselben Weise mit Ihnen zu unsere jetzige Entwickelung des Städtewesens uns 
arbeiten freudig bereit sein werde, und ich wünsche mit Ihnen zusammenfinden werden, daß Sie einen 
mir nur, daß das recht lange sein möge. schätzenswerten Zuwachs an Kraft für unser 
(Bravo!) Magistratskollegium bedeuten, daß Sie uns manche 
Auch Ihnen, mein hochverehrter Herr Stadt­ gute' neue Anregung geben werden, die sich dann in 
verordnetenvorsteher, sage ich meinen wärmsten Dank gemeinsamer Arbeit zu ersprießlicher Tat verdichten 
für die freundlichen Worte, mit denen Sie mich möge. I n  dieser Erwartung begrüßen wir im Namen 
begrüßt haben, die selbstverständlich ihren vollen der städtischen Verwaltung und ich im Namen des 
Wert und ihien vollen Nachdruck erst erhalten in Magistrats Sie auf das herzlichste und wünschen
dem Vertrauen, welches die verehrte Versammlung Ihnen, daß Sie volle Befriedigung in Ihrem neuen 
mir entgegengebracht hat durch die Art und die Amte erzielen mögen.
Modalitäten meiner Wiederwahl. Sie sind noch nicht vereidigt. Ich bitte also.
Meine sehr geehrten Herren! Als ich vor zwölf mir den Slaatsdienereid, den ich verlesen werde,
Jahren vor Ihnen stand als ein Fremder, da habe 
ich Ihnen das Versprechen absoluter Loyalität gegeben, nachzusprechen:
und daß ich heute nach Ablauf von zwölf Jahren, (Die Versammlung erhebt sich)
und nachdem Sie mich genau kennen, wieder vor Ich, Adolf Gottstein, schwöre zu Gott, 
Ihnen stehen darf, das darf ich hoffentlich dahin dem Allmächtigen und Allwissenden, daß Seiner 
deuten, daß es mir gelungen ist, das Versprechen, Königlichen Majestät von Preußen, meinem 
das ich Ihnen damals gegeben habe, wenigstens Allergnädigsten Herrn, ich untertänig, treu 
einigermaßen zu erfüllen. Meine sehr verehrten und gehorsam sein und alle mir vermöge
Herren, ich iveiß wohl, daß es Zeiten gegeben hat, meines Amtes obliegenden Pflichten nach 
uw das Gerücht, ich sei konfliktslüstern, ich fände meinem besten Wissen und Gewissen genau erfüllen, 
eine Freude an der Zuspitzung von Zuständigkeits­ auch die Verfassung gewissenhaft beobachten 
fragen zwischen Magistrat und Stadtverordneten­ will, so wahr mir Gott helfe!
versammlung auch unter Ihnen teilweise Glauben (Stadtrat Dr. Gotlstein spricht die einzelnen Sätze 
finden konnte. Meine Herren, ich darf dieses Gerücht der Eidesformel nach.)
heute wohl als ein Märchen bezeichnen, und ich darf Nachdem Sie den Staatsdienereid abgeleistet 
hinzufügen, daß es mir immer leid getan hat, daß haben, überreiche ich Ihnen die von der Regierung 
dieses Mißverständnis hat entstehen können. Trotzdem in Potsdam ausgestellte Bestätigungsurkunde Ihrer 
trete ich auch heute leider unter dem Schatten eines Wahl und heiße Sic in unserm Kreise herzlich 
ähnlichen Mißverständnisses, welches ganz neuerdings willkommen.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.