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Periodical volume 5. Dezember 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

in Japan für die wohlhabende Bevölkerung die gleiche Nach einer Auskunft, die ich mir von dem 
Art der Leichenverbrennung, wie bei uns üblich, ein­ Vorstande des Berliner Vereins für Feuerbestattung 
geführt. erbeten habe, und an deren Schluß er versichert, daß 
Nun, meine Herren, darf ich nicht an der Frage sie genau den tatsächlichen Verhältnissen entspricht, 
vorübergehen, wie sich die Sache mit der Stadt liegt die Sache folgendermaßen:
Hagen verhält. Es wird vielen von Ihnen bekannt Vor etwa drei Jahren reichte der Verein 
sein, daß die Stadt Hagen einen Verbrennungsofen für Feuerbestattung in Hagen bei der dortigen 
gebaut hat; der Bau wurde polizeilich genehmigt, die Polizeiverwaltung das Gesuch um Genehmigung 
Polizei erkläite aber, sie würde den Betrieb nicht zum Bau und Betrieb eines Krematoriums 
gestalten. Darauf wandte sich die Stadt Hagen ein. Die Behörde antwortete, daß der Bau 
beschwerdeführend an den Bezirksausschuß, dann genehmigt werden würde, wenn er den all­
weiter an das Oberverwaltungsgerich! mit dem An­ gemeinen baupolizeilichen Vorschriften ent­
trage, es solle ihr auch der B e t r i e b  gestattet spräche, daß aber der Betrieb nicht gestattet 
werden. Es wurde erklärt, dazu Stellung zu 'nehmen werden würde. Der Verein klagte hierauf 
läge kein Grund vor, solange nicht eine Leiche ver­ beim Bezirksausschuß mit dem Antrage, der 
brannt sei. Es wird also in der Stadt Hagen wohl Polizeiverwaltung in Hagen solle aufgegeben 
der Fall eintreten, daß die Stadt versuchen wird, werden, auch den Betrieb zu genehmigen, da 
eine Leiche zu verbrennen, und dann wird vielleicht in den preußischen Gesetzen nirgends ein Verbot 
die Polizei versuchen, es zu verhindern. W ir wissen der Feuerbestattung zu finden sei. Der Be­
nicht, wie die Sache verlaufen wird. Auf die Ent­ zirksausschuß wies die Klage ab mit der Be­
wickelung dieser Sache zu warten, wird aber, glaube gründung. daß die Polizeiverwaltung nicht 
ich, nicht richtig sein. Denn es könnte ja, wie von gezwungen werden könne, etwas im voraus 
vielen Seiten behauptet wird, die Regierung aus zu genehmigen, erkannte aber das Fehlen 
anderen Gründen dort Schwierigkeiten machen, selbs eines gesetzlichen Verbotes der Feuer­
wenn das Oberverwaltungsgericht erkennen würde, bestattung an. Änlich lautete die Ent­
daß ein polizeiliches Verbot der Leichenverbrennung scheidung des Oberverwaltungsgerichts, das auch 
in Preußen und Deutschland nicht existiert. die Klage abwies, weil ein Verbot der Polizei« 
Nim, meine Herren, nur wenige Schlußworte. Verwaltung in Hagen noch nicht vorliege, 
Ich glaube, wir können das Vertrauen zu unserm sondern nur die Ankündigung, daß der Betrieb 
Magistrat haben, daß er die Angelegenheit in die des Krematoriums nicht gestattet werden würde. 
richtigen Wege leiten wird, wenn wir möglichst ein­ Der Verein in Hagen hat sich infolgedessen ent­
mütig den Antrag annehmen, ihn zu ersuchen, Schritte schlossen, das Krematorium zu bauen; es wird 
in der Angelegenheit zu tun. Bei der Stellung des in den nächsten Wochen so weit fertiggestellt 
Herrn Oberbürgermeisters und des Herrn Bürger­ sein, daß die Probeverbrennung stattfinden 
meisters in den früheren Debatten, glaube ich, können kann. Wenn diese zur Zufriedenheit ausfällt, 
w ir dazu das volle Vertrauen haben. Wie man vor­ so will der Verein auch eine Leiche einäschern. 
gehen wird, möchte ich darum auch nicht näher an­ Voraussichtlich wird die Polizeiverwaltung das 
deuten. Nur möchte ich sagen, daß vielleicht auch verbieten, und der Verein muß dann von 
die Möglichkeit vorliegen würde, mit einem Immediat­ neuem den Rechtsweg beschreiten, weil ja dann 
gesuch an den König von Preußen vorzugehen. Ich ein tatsächliches Verbot vorliegt, dessen Auf­
glaube, in diesem Falle würde, wenn unser Herrscher hebung der Verein im Verwaltungsstreitver­
sich eingehender mit dieser Frage einmal befassen fahren hofft erzwingen zu können.
würde, vielleicht doch ein Umschwung in der Meinung Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der 
der maßgebenden Stellen in Preußen eintreten. Ich Prozeß alsdann zu Gunsten des Vereins aus­
glaube, unser Herrscher wird vielleicht dann dazu fallen wird, d. h. daß das Oberverwaltungs­
kommen, nachdem Friedrich der Große gewollt hat, gericht erkennt, das polizeiliche Verbot ist un- 
daß jeder nach seiner Fa?on selig werden soll, er­ gütig, weil in den Gesetzen Preußens nicht 
gänzend das Wort aussprechen, daß jeder nach seiner begründet.
Fa?on sich beisetzen lassen möge; und ich glaube, (Stadtv. Dr. Stadthagen: Na also!)
das würde nicht der geringste Ruhmestitel in seiner Ob nun freilich die Staatsverwaltung dann 
Regierung sein. nicht doch aus Gründen der Landespolizeiverwaltung 
Gründe wird herleiten können und wollen, dem 
Stadtv. D r. Landsberger: Meine Herren, es tut Betrieb, obwohl die Leichenverbrennung nicht aus­
mir leid, Herrn Kollegen Stadthagen opponieren zu drücklich in den Gesetzen verboten ist, entgegenzu­
müssen. Ich war einigermaßen überrascht, daß er treten, das ist etwas, was wir abwarten müssen.
die ganzen Fragen des Pro und Contra der Leichen­ Sie sehen, meine Herren, die Hagener halten 
verbrennung gegenüber dem jetzigen Modus der :est an ihrer Ansicht, sie bauen darauf los und 
Leichenbestattung hier aufrollte. Ich stimme nur wollen die Genehmigung der Verwaltungsbehörde 
darin mit ihm überein, daß ich auch seine Voraus­ erzwingen, und wenn sie sie durchsetzen, ist ja freie 
setzung für richtig halte, daß wir auf allen Seiten Bahn für alle Bestrebungen der Feuerbestattung in 
dieser Versammlung in der Tat der Meinung sind, Preußen geschaffen, wie sie in Sachsen, in Hessen 
daß jeder über seinen, resp. die Angehörigen über und anderen deutschen Staaten geschaffen ist.
den Körper des Dahingeschiedenen verfügen sollten, Deshalb, meine Herren, beantrage ich mit einer 
wie es ihnen entsprechend scheint, und daß wir Anzahl meiner Freunde,
deshalb einer Zulassung eines anderen Verfahrens mit Rücksicht auf das von der Stadtgemeinde 
wohl auf allen Seiten der Versammlung zustimmen in Hagen in Westfalen veranlaßte Verwaltungs­
werden. Trotzdem kann ich den vorlie >enden Vor­ streitverfahren betr. Zulassung der Leichen­
schlag zur Zeit nicht billigen. Ich glaube, daß die verbrennung
Information des Herren Kollegen Stadthagen über über den ersten Teil des Antrages Stadthagen zur 
die Sachlage in Hagen nicht ganz vollständig ist. Tagesordnung überzugehen. Ich wiederhole, wir
        
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