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Periodical volume 5. Dezember 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

multiplizieren S ie einfach die 1600 M , die im reichen würden. Trotzdem habe ich nicht dagegen 
Oktober für M ilch ausgegeben worden sind, m it 6 JC gestimmt; denn erhöht kann das immer noch werden. 
an barer S tillp räm ie : das macht den Betrag von Dem Herrn Bürgermeister muß ich bemerken: es ist 
10000 JC auf den M onat Oktober, rund gerechnet, m ir von einigen Damen des Elisabeth-Frauenvereins 
aus. im  Jahre würde es also 120000 JC. ergeben und des Vaterländischen Frauenvereins der E inw urf 
bei einem Satz von nur 12%  stillender M ütter. gemacht worden: ja. mein Gott, bares Geld sollen 
N un denken S ie sich. was fü r eine Zahl erst ent­ w ir geben, w ir  wissen ja nicht, was damit gemacht 
stehen würde, wenn w ir 50%  stillende M ü tte r hätten wird, das kann vernascht werden, der M ann kann 
und diesen so %  je 6 JC. an S tillp räm ie  geben es vertrinken usw. Solche Einwürfe können bei jeder 
sollten! —  Ich habe natürlich die Zahlen etwas stark Unterstützung erhoben werden. Einige der Damen 
aufgetragen. Aber, meine Herren, daß looo  JC ein haben m ir aber auch gesagt: das wäre sehr schön 
Tropien auf den heißen S te in  und noch nicht mal und in manchen Fällen sehr angebracht, wenn man 
das sind, das springt doch offenbar in  die Augen. auch eine bare Unterstützung geben könnte.
Gewiß, meine Herren, w ir M änner in  bei Ver­ Den Vorschlag, den ich hier vorgetragen habe, 
waltung waren m it dem Herrn Stadtv. Vogel der daß bei den Fürsörgestellen je zwei Betten errichtet 
Meinung, es würde nicht anders gehen, und waren werden möchten, Hatte m ir Herr D r. Bendix gemacht; 
geneigt, das Experiment m it ihm zu machen —  in er meinte, das würde gehen. Natürlich, die 2000 
unserer Unkenntnis W ir haben uns überzeugen hat er nicht genannt, damit, habe ich selber geglaubt, 
lassen müssen, daß w ir auf einem falschen Wege ge­ würden w ir fü r's  erste auskommen; es ist ja nur 
wesen sind, und ich meine, w ir sollten diese Erkennt­ fü r die paar Monate dieses Etatjahres. Wenn Herr 
nis dankbarst entgegennehmen und zum mindesten auf Bürgermeister M a iting  meint, ein Säuglingshaus 
dem Wege, den w ir  meiner Meinnung nach in  rich­ stehe in  Aussicht, dann könnte ich auf den zweiten 
tiger Weise erst vorwärts gehen, um abzuwarten, ob Punkt verzichten. Vielleicht würde es aber doch 
es wirklich ein falscher Weg ist, wie der H err Stadtv. möglich sein, gerade weil Herr D r. Bendix so sehr 
Vogel anzunehmen scheint. dafür eingetreten ist, an einer Fürsorgestelle diese 
Was iodann die Frage der beiden Betten für Einrichtung zu treffen. Diese 2 Betten sollen doch 
akut kranke Säuglinge angeht, —  gewiß, meine nur zu Reservezwecken dienen; vielleicht werden sie 
Herren, das erkennt jeder von uns au, daß es ein gar nicht im  W inter gebraucht.
Mangel in  unserer Veuvaltung ist, daß w ir noch Dann zu den baren Unterstützungen! Es ist ja 
kein Säuglingskrankenhaus haben. Bestrebungen nach nur ein Zuschuß, und er soll nicht fü r das ganze 
dieser Richtung sind. wenigstens latent, schon vor­ Jahr, sondern nur noch fü r den Schluß dieses Etats­
handen; es ist auch zu hoffen, daß sie über kurz oder jahres, fü r aie paar Monate gelten. Ich habe nichts 
lang in irgendeiner Form  zur Verwirklichung gelangen. dawider, wenn S ie aus den 1000 JC 2000 JC machen, 
Aber auch hier operiert Herr Stadtv. Vögel m it ich werde dem nicht widersprechen. B o ß  damit ein 
vollständig unzureichenden M itte ln . Davon ka n Anfang gemacht wird, möchte ich S ie bitten, den 
doch gar keine Rede sein, die beiden Betten auf die Antrag auf Erhöhung um 1000 JC anzunehmen.
Fürso gestellen zu legen, in denen die Ärzte nur 
jeden zweiten Tag zwei bis drei Stunden nachmiltags Vorsteher Rosenberg: S ie verzichten nicht gern, 
anwesend sind. wobei sie dann noch ihr eigentlicher aber S ie verzichten auf das Amendement unter 2, 
Dienst in den Fürsorgestellen vollständig in Anspruch Herr S tadtv. Vogel?
nimmt. S ie nürben die Sache ganz anders organi­ (S tadtv. Vogel: Ja. darauf würden w ir  dann 
sieren müssen. Bloß zwei Betten hinstellen und zwei beim nächsten Etat zurückkommen!)
Säuglinge hineinlegen, damit ist die Sache entfch'eden S ie verzichten also.
nicht gemacht, und natürlich auch nicht m it 2000 JC 
Das muß anders gemacht werden, das wäre ein Stadtrat D r. Waldschmidt: Meine Herren, in 
untauglicher Versuch m it untauglichen M itte ln . W ir an betracht dessen, daß von den hier beantragten 
werden hoffentlich —  die Hoffnung w ill ich aus­ 20000 JC 4000 JC allein ans S tillpräm ien kommen, 
sprechen — in  absehbarer Ze it zu einem Säuglings­ u id ferner, daß w ir außer diesen 4000 JC noch 
krankenhause kommen. Ich möchte aber dringend da­ 6000 «IC fü r S iillp räm ien zur Verfügung haben, 
vor warnen, auf dem Wege. den Herr Stadtv. Vogel zusammen also bis zum 1. A p ril 10 000 JC, dürfen 
vorgeschlagen hat, das erreichen zu wollen. Sie, glaube ich, diesen Antrag des Herrn Stado. 
Vogel ablehnen. Es steht ja  übrigens den Vereinen 
Vorsteher Rosenbcrg: Die beiden Anträge, die vollständig frei, wie sie das Geld fü r die Stillpräm ien 
Herr Stadtv. Vogel gestellt hat, lauten: verwenden wolle»; ob sie hin und wieder bare 
1. den Posten' „Be ih ilfen an stillende M ü tte r" Unterstützungen oder lediglich M ilch den stillenden 
noch um weitere 1000 JC zu erhöhen, um es M üttern geben wollen, das ist ihnen ganz überlassen. 
den Ärzten der Fürsorgestellen damit zu er­ Zu den Damen sowohl vom Vaterländischen Frauen­
möglichen, in  ihnen notwendig scheinenden verein wie vom Elisabeth-Frauenverein, die sich so 
Fällen neben M ilch und Nahrungsmitteln auch außerordentlich fürsorglich um die Fürsorgestellen 
bares Geld, zusammen bis 6 JC pro Woche, bemühen, die in  die einzelnen Fam ilien eindringen, 
als Entschädigung für Lohnausfall an mittellose auf die M ü lle r einwirken und sie zum S tillen  an­
Stillende verabfolgen zu können, halten. können w ir. meine ich, voll und ganz das 
2. 2000 JC zur Errichtung von je zwei Betten in Vertrauen haben, daß hier richtig gewirtschaftet 
den Fürsorgestellen zur Verpflegung von akut wird. W ir  dürfen den Leiterinnen der Vereine nur 
erkrankten Säuglingen, denen jede nötige H ilfe dankbar sein, daß sie dieses sehr mühevolle Geschäft 
sonst fehlt. übernommen haben. Es stehen uns. wie gesagt, bis 
zum 1. A p ril noch 10 000 JC zur Verfügung. Ich  
Stadtv. Vogel: Meine Herren, daß mein Antrag bitte Sie. meine Herren, es hierbei belasten zu wollen.
bescheiden war, das wußte ich schon; aber das wußte Es ist aber ganz unmöglich —  Herr Stadtv. 
ich auch von vornherein, daß die 15 000 JC nicht Vogel hat ja den zweiten Antrag auch bereits
        
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