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Periodical volume 31. Oktober 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

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wären sozial rückständig, wenn w ir seine Anlräge schon 15 Jahre her, die eigentlichen Maurerarbeiten 
nicht annehmen, durchaus unbegründet ist. Meine im Lagelohn ans. W ir nehmen dazu einen Unter­
Herren, es sind erst ganz neuerdings, im Dezember nehmer, welcher verpflichtet ist, die Tagelöhner, also 
1905, die neuen staatlichen Veidingnngsbedingungen auch in diesem Falle die Maurer und die Arbeiter, 
erschienen. Ich bilde mir natürlich nicht ein. meine zu stellen, und geben ihm diejenigen Löhne an, 
Herren, daß die Charlollenbnrger Submisstonsbedin- welche er zu zahlen hat. Er bekommt als Entschädi­
gungcn auf die Gestaltung dieser Bedingungen irgend­ gung von uns ein Draufgeld, ein Meistergeld. Die 
wie eingewirkt haben. Ich kann sogar nicht einmal Höhe der Löhne hat sich bisher nach Angebot lind 
annehmen, daß sie überhaupt eine Berücksichtigung Nachfrage geregelt. Die Maurer und die Arbeiter 
gefunden haben, ja daß sie überhaupt zur Kenntnis sind während der genannten Zeit wiederholt an uns 
der staatlichen Behörden gekommen sind. Aber das friedlich herangetreten und haben mehr Lohn bean­
habe ich jedenfalls mit großer Freude feststellen sprucht. W ir habe» uns darauf regelmäßig erkundigt, 
können, daß in den neuen staatlichen Submissivus- wie die Verhältnisse in Berlin und in den Nachbar- 
bedingungen im großen und ganzen in einer H in­ oiten liegen, und wenn w ir hiernach die Forderung 
sicht, vor allem in sozialpolitischer Hinsicht etwas ent­ für geiechtfcrligl hielten nach Lage des Arbeitsmark­
halten ist, was nicht auch in unseren Bedingungen, tes, so haben w ir die Forderung genehmigt. Ein 
aus dem Jahre 1903 schon gesagt worden wäre. T a rif hat bisher nach unserer Kenntnis zwischen den 
lind nun rnöctNe ich auch hier die Erklärung Kanalisationsmaurern und den Maurermeistern nicht 
wiederholen, die ich bereits im Ausschuß abgegeben bestanden, und es macht auf mich den Eindruck, als 
habe. Da fortwährend sowohl in staatlichen, wie in wenn er auch heute noch nicht bestände. W ir haben, 
Gemeindebetrieben gerade ans dein Gebiete der Sub- soviel ich im Gedächtnis habe, vor 15 Jahren mit 
misfionSbedingnngen gearbeitet wird, da fortwährend den Löhnen in einer Höhe von etwa 40 Pf. für die 
nette Erscheinungen auf diesem Gebiete auch in der Stunde angefangen und w ir haben die Löhne jetzt 
Literatur auftauchen, und da ich versichern kann, daß hinaufgebracht bis auf 68 Pf. die Stunde. I n  dieser 
alle diese Erscheinungen in der Verwaltungsstelle des letztgenannten Höhe haben w ir im vorigen Jahre 
Magistrats sorgfältig beobachtet werden, wie w ir auch zeitweise ca. 300 bis 400 Maurergesellen gleichzeitig 
bisher schon aus eigener In itia tive  fortlaufend an beschäftigt, und kein Maurer ist an uns herangetreten 
unseren Eubmissionsbedingnngen gearbeitet und g - und hat uns darauf hingewiesen, daß ein Tarif 
prüft haben, wo nette Gesichtspunkte in die Erschei­ existiere, in dem den M au,ein des Hochbaues 75 Pf. 
nung getreten sind: so werden w ir sehr gern Ihren und den Maurern der Kanalisation 70 Pf. zugesichert 
Wunsch erfüllen, Ihnen im Jahre 1908 alle diejeni­ ist. Auch Berlin und die Vororte haben meines 
gen neuen Erscheinungen mitzuteilen, die im Lause Wissens keinen höheren Lohn gezahlt. Während des 
der vier Jahre, in denen dann unsere Submissions- ganze» Jahres 1906 hat uns weder ein Meister noch 
bedingnngen gegolten haben wetden, zutage getreten ein Maurer darauf aufmerksam gemacht, daß hier 
sind. Für den Augenblick kann ich nur sagen, daß Tarife existieren, die vereinbart seien. Erst jetzt, bei 
jetzt die Subutissionsbedingnngen 2 '/2 Jahre bestehen Beendigung der Bauzeit, 14 Tage vor dem Beginn 
und daß irgendwelche Ereignisse im staatlichen, bezw. des Winters, t'eten auf einer Baustelle — w ir haben 
Gemeindebetriebe, die geeignet wären, unsere Grund­ jetzt deren die, — die Maurer hervor und verlangen 
sätze und Bedingungen wesentlich zu beeinflussen, unter Hinweis auf eine» bestehenden Tarif eine Er­
nicht bekannt geworden sind, und daß wir im Laufe höhung des Lohns. Die anderen Maurer auf den 
der l 2/2 Jahre, die uns noch bevorstehen, weiter an Baustellen arbeiten ruhig weiter.
unseren Bedingungen arbeite» werden, wobei ich Meine Herren, aus diesen tatsächlichen Verhält­
allerdings auch heute schon überzeugt bin, daß hier nissen bitte ich zunächst zu folgern, daß w ir es hier 
wesentlich neue Gesichtspunkte kaum gewonnen werden nicht mit einem Unternehmer zu tun haben, welcher 
können. Denn daß die schwierigen Fragen, die der die Höhe der Löhne festsetzt, sondern daß es die Ban­
Herr Stadtv. Hirsch hier eben i» die Debatte gewor­ verwaltung ist, die ihre Höhe normiert hat. Den 
fen hat, im Laufe der nächsten V/a Jahre werden Unternehmer wollen w ir also hier ganz ausschalten: 
gelöst werden, dieser Illusion gebe ich mich nicht hin. er hat m it der Festsetzung der Lohnhöhe nichts zu 
Immerhin sind es jetzt nur noch lV 2 Jahre — wenn schaffen.
Sie diesem Beschlusse des Ausschusses zustimmen — , Nun kommen die Maurer auf dieser Baustelle, 
für die sich Ih re  Entscheidung hinausschiebt, und ich etwa 40 an der Zahl, und verweisen auf den Tarif. 
glaube, daß es die Schwierigkeit der Materie, die Wie ich im Jahrbuche der Innung der Maurer- und 
noch ununterbrochen in Fluß ist, durchaus rechtfertigt, Zimmermeister in Berlin gefunden habe, ist ein Tarif 
wenn w ir heute zu einer endgiltigen Stellungnahme vereinbart, giltig vom 1. April 1905 bis zum 
noch nicht gelangen, sondern wenn Sie dein M agi­ 31. März 1907. Also bereits im Jahre 1905 galt 
strat Gelegenheit gebe», weitere Erfahrungen zu sam­ dieser Tarif, und in diesem Jahre hat sich kein Mensch 
meln. um daran —  wie er das ohne weiteres von an uns gewendet, obgleich, wie ich sagte, w ir 300 
selbst tun wird — seine eigenen Grundsätze und Be­ bis 400 Maurer gleichzeitig beschäftigt hatten, und 
dingungen zu kontrollieren und Ihnen dann im Jahre auf diesen Tarif hingewiesen. Auch im Jahre 1906 
1908 eventuell neue Vorschläge zu machen. bestand der Tarif, und auch bisher hat sich kein 
Maurer an uns in dieser Beziehung gewandt. Ich 
Stadtbaurat Bredtschneidcr: Meine Herren, ich bin der Auffassung, daß allein schon diese Tatsache 
möchte m ir erlauben, Ihnen die Aufklärung über den beweist, daß die Maurer, die bei der Kanalisation 
Streik zu geben, der seit vorgestern in der Kanali­ arbeiten, nicht zu der Kategorie der Maurer gehören, 
sationsverwaltung aufgetreten ist, von dem der Herr die diesen T a iif  aufgestellt haben, d. H. wahrschein­
Stadtv. Hirsch vorhin Mitteilung gemacht hat. Vor­ lich sind sie nicht organisiert oder gehören nicht zu 
weg möchte ich bemerken, daß ich über das Einzelne der Organisation, die diesen Tarif aufgestellt hat.
bei dem Streik nicht genügend informiert bin, wohl (Stadlv. Hirsch: Doch!)
aber über das Allgemeine/ W ir führen, solange bei Denn sonst, meine Herren, wäre es doch auffallend, 
uns an einer Kanalisation gebaut wird, und das ist daß sich kein Mensch an uns gewendet hat. W ir hätten
        
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