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Periodical volume 3. Oktober 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

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oder das  unm it te lba r  benachbarte fiskalische Gelände bereits bei der E ta tsbe ra tung  von u n s  besprochen ist. 
jenseits des S p a n d a u e r  SchiffahrtskanalS vorzu­ W ir  haben bei der E la tsbe ra tung  a u s  A n laß  eines U n­
schlagen. falles bei dem B a u  des SchillertheaterS. der sich 
W a s  die Zugänglichkeit dieses Geländes anbe­ kurz vorher ereignet halte, die Einsetzung von Ar- 
trifft, so wird kein Mensch bezweifeln, daß sie a u ß e r ­ beiterkontrolleuren beantragt, und  bei dieser Gelegen­
ordentlich günstig sein würde. Leider ist umgekehrt heit fand eine eingehende Debatte  über die Ursachen 
der P re i s ,  den es u n s  kosten wird, nach dem S ta n d e  des Unfalles und über die Möglichkeit, in  Zukunft 
der bisherigen V erhandlungen  recht hoch. E s  darf derartige Unfälle zu verhüten, statt. Leider hat sich 
nicht vergessen werden, daß der Friedhof doch eine die M ehrheit  der S tadtverordnetenversam m lung  so­
recht beträchtliche A usdehnung  haben m uß. wenn er wohl a ls  auch der H err  Oberbürgermeister dam als  
fü r  absehbare Zeiten —  es ist mit einer Bevölkerung aus den S ta n d p u n k t  gestellt, daß eigentlich alles in 
von etwa 400 000 bis 450 000 E inw ohnern  gerechnet bester O rd n u n g  sei, daß gar  nichts vorliege, sondern 
w orden —  den Bedürfnissen der Gemeinde entsprechen daß es sich n u r  um  eine sozialdemokratische Hetze 
soll, selbstverständlich unter Berücksichtigung des U m ­ handle. Selbst au f  die G efahr  hin, daß  ein derar­
standes, daß ein großer Teil der Gemeindemitglieder tiger V o rw u rf  auch d iesm al wieder erhoben wird, 
nach wie vor auf den kirchlichen Friedhöfen wird haben wir u n s  doch gestattet, eine neue Anfrage ein­
beerdigt werden. E s  ist berechnet worden, daß  die zubringen. und zw ar a u s  dem G runde, weil sich in ­
G röße  dieses Geländes etwa 60 h a  würde betragen zwischen leider bestätigt hat. daß die Befürchtungen 
müssen, und der P r e i s  fü r  d a s  in  dieser G röße  jen­ der Arbeiter, welche auf  dem B a u  des Schillerlhe- 
seits des S p a n d a u e r  SchiffahrtskanalS zu r  V erfügung aters beschäftigt waren, berechtigt gewesen sind.
stehende Gelände beziffert sich auf  ungefähr 6 M i l ­ Am 29. August dieses J a h r e s  ha t  sich auf  dem 
lionen. D a s  ist eine so erhebliche S u m m e ,  daß doch N eubau  des Schillerlheaiers ein neuer B au un fa l l  
eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit besteht, eine ge­ ereignet, der j a  glücklicherweise nicht allzu schlimme 
wisse R en tab i l i tä t  des Kirchhofes herauszuwirtschaflen. Fo lgen  h a t t e ; aber immerhin ist doch ein Arbeiter 
E ine erhebliche H eradminderung wird unerläßlich sein. ichroer und drei Arbeiter sind leicht verletzt worden. 
O b  und wie d a s  wird möglich sein, das  ist eine D e r  Unfall erfolgte infolge eines Gerüsteinsturzcs. 
F rage , die erst in späterer Zukunft zu beantworten W ir  fordern n un  vom M agis tra t  A uskunft  darüber, 
sein wird. Augenblicklich liegt der A n trag  des M a ­ ob es ihm bekannt ist, auf welche Ursachen dieser 
g istrats auf aufsichlsbehördliche Genehm igung zur Unfall zurückzuführen ist. I c h  glaube, nach den 
Errichtung eines K ommunalfriedhofes auf dem von mir früheren Devoten auch jetzt wieder annehmen zu 
bezeichneten Gelände beim H errn  Regierungspräsiden­ dürfen, daß u n s  vom M agis tra t  gesagt werden w i r d : 
ten, und  ein Bescheid auf  unseren A n trag  ist noch es w ar  wiederum alles in bester O rd n u n g .  W ir  
nicht ergangen. S o l l te  der Bescheid in  pofitivem haben infolgedessen selbstverständlich vorher Erkundi­
S in n e  ausfallen , m u ß  selbstverständlich erst in den gungen eingezogen, und  es ist u n s  von Arbeitern, 
Versuch, einen angemessenen P r e i s  durch V erh an d ­ die auf  dem B a u  selbst beschäftigt waren, a ls  U r ­
lungen mit den Interessenten  festzusetzen, eingetreten sache des Unglücks angegeben worden, daß die S te ifen  
werden können. Selbst wenn aber auch eine gewisse zu kurz w a r e n ; sie wurden nach oben hin v e r lä n g e r t ; 
Herabsetzung gelingen sollte, so wird  im m erhin  ein aber eine solche Verlängerung  ist n u r  dann gestaltet, 
beträchtlicher P r e i s  in  Ansatz gebracht werden müssen, wenn sie un ter  der Anwendung der größten Vorsichts­
und  es wird weiterer sorgfältiger E rw ägungen  be­ maßregeln geschieht. D a s  ist hier nicht der F a l l  
dürfen, u m  nicht von vornherein an  der F ra g e  der gewesen. D ie  S tang en ,  die künstlich verlängert waren, 
R en tab il i tä t  die Angelegenheit scheitern zu lassen, Huben sich infolge der Belastung des Gerüstes nach 
Andere Gelände in annehm barer  N ähe sind bis jetzt der S e i te  verbogen, und so hat die sogenannte Streich- 
nicht gefunden worden, obgleich zahlreiche Angebote stange ihren H a l t  verloren und  ist durchgebrochen. 
beim M agis tra te  eingegangen s in d ; aber sie erwiesen D a s  sind die Ursachen des Unglücks, wie sie u n s  
sich meist schon bei oberflächlicher P r ü f u n g  a ls  u n ­ geschildert wurden , und zw ar von M a u re rn ,  die aus 
geeignet. dem B a u  selbst beschäftigt sind.
D a s  ist der gegenwärtige S tand pu nk t  der A n ­ Ich  verzichte vorläufig auf  weitere A u sfüh ­
gelegenheit. S o b a ld  ein Bescheid von der Aufsichts­ rungen  und möchte zunächst vom Vertreter des M a ­
behörde eingetroffen ist, wird  der M agis tra t  m it  wei­ gistrats eine A ntw ort  d a rau f  haben, ob die Auskunft, 
teren M itte i lungen  an  die S tadverordnelenversam m- wie sie u n s  erteilt ist. richtig ist, oder ob er viel­
lung herantreten. leicht von anderer S eite  anders  informiert  worden ist.
Vorsteher R o sen b erg : E ine  Besprechung der Oberbürgermeister Schus teh rus : M eine  Herren, 
A nfrage ist nicht beantragt. zunächst möchte ich bemerken, daß  der Fal l ,  welcher 
W ir  kommen zu P u n k t  14 der T a g e s o r d n u n g : u n s  schon einmal beschäftigt hat, und  welcher sich 
au f  die Außengerüste des Schillertheaters bezog, auf  
Anfrage der Stadtverordneten Dr. Borchardt die Gerüste, die außen  u m  den B a u  herum erbaut 
und G en . betr. Gernfteinfturz beim Schiller­ waren, mit d ie s e m  F a l l  in  gar  keinem Zusamm en­
theaterbau. — Drucksache 355. hange steht. D a m a l s  ist festgestellt und  von m ir  
nachgewiesen worden, daß die B auun ternehm er gar 
D ie  A nfrage la u te t : keine Schuld  tra f ,  und  daß alles in  bester O rd nu ng  
D ie  Unterzeichneten richten an  den M agis tra t  gewesen ist. Ich  bleibe dabei und  lege Gewicht da­
die Anfrage, ob ihm die Ursachen des Gerüst­ rau f ,  das noch einmal festzustellen gegenüber den 
einsturzes beim B a n  des Schillertheaters be­ A usführungen , die der H err  V orredner  soeben ge­
kannt sind. macht h a t . '
H i e r  handelt es sich um  e i n e n  g a n z  n e u e n  
Fragesteller Stadtv . H irsch : M eine Herren, es F a l l .  E s  handelt sich um  einen Unfall, der a n  
ist u n s  sehr unangenehm, daß w ir  u n s  heute wieder­ einem Gerüste vorgekommen ist. d as  im M alersaa l  
u m  m it  einer Angelegenheit befassen müssen, die des Gebäudes aufgebaut war. D e r  Unfall ist vor-
        
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