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Periodical volume 3. Oktober 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

sitzengebliebenen Schüler keinen Schluß ziehen auf dem nicht im Wege stehen. Das Gebäude muß aber 
des Bedürfnis des Besuches der Realschule. Das doch gebaut werden, und zwar möglichst bald, um 
habe .ich ebenfalls nicht behauptet. Ich habe nur die bestehende Anstalt unterzubringen, und deshalb 
gesagt: es ist irrtümlich behauptet worden, daß die meine ich. hat in der Tat der Ausspruch, daß die 
Entlassungen in den Gemeindeschulen zu Ostern zahl­ Erörterungen zum großen Teil einen recht akade­
reicher sind als zu Michaelis; ich habe dann aus­ mischen Charakter tragen, etwas für sich. W ir legen 
drücklich hervorgehoben: jene Schüler kommen für uns dadurch, daß w ir das Gebäude bewilligen, nicht 
den Übergang auf die Realschule, also für die Not­ etwa darauf fest, daß w ir an den Reformanstalten 
wendigkeit. Michaeliscoeten zu schaffen, nicht in Be­ niemals Michaeliscoeten einrichten wollen. Wenn 
tracht. Der Herr Stadtschulrat hat aber selbst aber die Frage aufgeworfen wird, so läßt sie sich 
zugegeben, daß, obgleich zu Michaelis der Zugang allerdings nicht, wie Herr Kollege Schwarz meint, 
von den Gemeindejchulen zu den Realschulen ver- aus dem Handgelenk lösen; denn die eine Mitteilung, 
schloffen ist, der Zahlenunterschied der zu Ostern und die der Herr Stadtschulrat machte, daß in ganz 
der zu Michaelis ausscheidenden Gemeindeschüler un­ Deutschland überhaupt nicht Reformanstaltcn mit 
erheblich sei. Das spricht dafür, das w ir Michaelis­ Michaeliscoeten vorhanden sind. dürfte schon den einen 
coeten brauchen. Gegenüber der Behauptung, daß Einwand entkräften, daß die aus andern Orten kom­
es keine Anstalt gäbe, die nur Michaeliscoeten hat, menden bei uns zurückkommen müssen. Aber wie 
erinnere ich an die Anstalt in Mühlhausen, die nur gesagt, auf diese Frage w ill ich nicht näher eingeben, 
Michaeliscoeten hat. Weil w ir in Charlottenburg denn sie steht tatsächlich heute nicht zur Diskussion 
nur eine einzige Realschule m it Michaeliscoeten in und kann nicht zur Diskussion stehen. Herr Stadtv. 
unserer Ober-Realschule besitzen, ist die Frage keine Schwarz ist bereits im Ausschusse darauf hingewiesen 
akademische, sondern eine durchaus praktische. Auch worden, daß ja gar nichts im Wege steht, diese 
habe ich der Errichtung einer Oster-Anstalt mit 24 Frage dadurch, daß ein Antrag eingebracht wird. 
Klaffen nicht zugestimmt, sondern ich habe für den mal von Grund aus zu erörtern. Aber von solchen 
F a ll der Bewilligung des Baues nur nach einem Erörterungen die Bewilligung eines Baues abhängig 
Wege gesucht, um innerhalb des beschlossenen Rahmens zu machen, der unbedingt notwendig ist. das schien 
die Einrichtung der Michaeliscoeten zu ermöglichen. der Mehrheit des Ausschusses nicht angängig, und 
das möchte ich auch Herrn Stadtv. Stein zu erwägen 
Berichterstatter Stadtv. D r. Borchardt: Meine geben, der gerade an diese Bedingung die Genehmigung 
Herren, gestatten Sie mir. die Sachlage Ihnen doch des Baues knüpfen will. Die Folge würde sein, 
noch einmal mit ein paar Worten darzulegen. Es daß die bestehenden Klaffen noch eine Reihe von 
handelt sich darum, für die bestehende Anstalt mit Jahren weiter ohne eigenes Heim bleiben.
Ostercoeten ein Schulhaus zu schaffen, und nun Noch eine kleine persönliche Bemerkung gestatten 
werden Sie vor die Frage gestellt, ob Sie aussprechen Sie m ir vielleicht Herrn Kollegen Schwarz gegen­
sollen: w ir bauen dieses Schulhaus nur, wenn gleich­ über, der sich so sehr über meine Stellungnahme im 
zeitig jetzt beschlossen wird und vom Magistrat diesem Ausschuß gewundert hat. Es wird ihm vielleicht 
Beschlusse zugestimmt wird, daß wir neben den Oster­ noch öfter vorkommen, daß er in Verwunderung 
klaffen Michaelisklaffen mit einrichten. Meine Herren, über meine Stellungnahme gerät.
der Magistrat sagt Ihnen ganz strikte, daß er für (Heiterkeit.)
diese bestehende Rcformanstalt jetzt nicht gesonnen Ob ich der Partei, der ich angehöre, dadurch einen 
ist, einem solchen Beschlusse zuzustimmen, daß diese Dienst erweisen kann, das bitte ich Herrn Kollegen 
vorläufig mit einer Realschule verbundene Anstalt Schwarz nur ruhig m ir zu überlassen. Bei meiner 
mit Michaeliscoeten nicht ausgestattet werden soll. Stellungnahme pflege ich zunächst nicht nach dem 
Wenn Sie also deswegen für die bestehende Schule Parteistandpunkt zu sehen, nicht darauf, was etwa 
das Schulhaus nicht bewilligen, dann kommen wir der Partei nützt oder schadet,
allerdings in die Lage, daß, wie ja mehrfach hervor­ (hört, hört!)
gehoben' wurde, die reichste Stadt der Monarchie sondern was der Allgemeinheit nützt oder schadet, 
möglicherweise von der Regierung in irgend einer was im Interesse der Allgemeinheit notwendig ist. 
Weise darauf wird gestoßen werden müssen, für eine be­ Merkwürdigerweise zeigt sich dann immer, daß das 
stehende Anstalt auch bas notwendige Gebäude zu in Übereinstimmung m it dem ist, was auch die Partei 
bauen. Meine Herren, machen Sie sich doch nur für wünschenswert und richtig hält.
klar, daß mit der Bewilligung dieses Gebäudes nun (Heiterkeit.)
und nimmermehr ausgesprochen werden kann, daß Und wenn Herr Stadtv. Schwarz nun gar meint, 
iv ir in Charlottenburg der Meinung sind, daß so leichtfertig — der Ausdruck fiel wohl nicht so — 
Michaeliscoeten an dieser Anstalt nie eingerichtet so leichtherzig ginge ich darüber hin, daß eine große 
werden sollen. Heute besteht die Anstalt mit Oster­ Anzahl gerade von gut befähigten Gemeindeschülern, 
coeten in organischer Verbindung m it der Realschule; welche auf die Reformanstalt übergehen wollen, 
für diese soll das Gebäude bewilligt werden. An unter Umstünden ein halbes Jahr verlieren müssen, 
sich reicht das Gebäude auch für eine Anstalt mit weil keine Michaeliscoeten existieren, so ist Herr 
Oster- und Michaeliscoeten ohne die organische Ver­ Stadtv. Schwarz bereits im Ausschusse darauf hin­
bindung mit einer Realschule aus. gewiesen worden, daß diese Schüler ebenso gut auch 
Das Gebäude muß gebaut und bewilligt werden. ein halbes Jahr gewinnen können, daß das Ziel der 
Is t nun in der Gemeinde die Meinung übe, wiegend drei Vorschulklassen in der Gemeindeschule nicht 
—  sowohl in der Stadtverordnetenversammlung, als notwendig in vier Jahren erreicht werben muß. 
im Magistrat, und cs gehört doch ein übereinstim­ sondern sehr wohl auch in 3 1/ *  Jahren erreicht 
mender Beschluß zu einem Gemeindebeschluß , werden kann. Im  übrigen aber" empfinde ich es 
daß die jetzt bestehende Verbindung gelöst und die als viel beschwerlicher, daß so sehr viele gerade von 
Reformanstalt unter Abstoßung der Realschule mit den besten Gemeindeschülern nicht ein halbes Jahr, 
Doppelcoeten ausgestattet werden soll, so würde die sondern ein ganzes Jahr sehr überflüssigerweise 
Bewilligung des Gebäudes, die w ir heute aussprechen, dadurch verlieren, daß sie gezwungen sind, in unserer
        
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